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Harsche Kritik an Wildschweinzaun
Lokales 23 5 Min. 05.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Harsche Kritik an Wildschweinzaun

Etwa 70 Personen hatten den Weg am Donnerstagabend nach Küntzig gefunden.

Harsche Kritik an Wildschweinzaun

Etwa 70 Personen hatten den Weg am Donnerstagabend nach Küntzig gefunden.
Foto: Claude piscitelli
Lokales 23 5 Min. 05.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Harsche Kritik an Wildschweinzaun

Luc EWEN
Luc EWEN
Am Donnerstag hatten sich viele Bauern in Küntzig eingefunden, um sich über den Zaun gegen die Schweinepest zu informieren. Dabei hagelte es Kritik.


Einen schweren Stand hatten die Vertreter des Nachhaltigkeitsministeriums, des Landwirtschaftsministeriums, der Straßenbauverwaltung und der Armee am Donnerstagabend in Küntzig. Sie hatten auf Initiative der Gemeinde Käerjeng hin die Landwirte der Gemeinden rund um den Schutzzaun gegen die afrikanische Schweinepest eingeladen, um sie über den Fortgang der Arbeiten zum Errichten des Zauns zu informieren.

Schnell stellte sich bei den etwa 70 anwesenden Personen heraus, dass niemand gegen den Zaun ist, die Trasse und die Art und Weise der Planung, aber höchst umstritten sind. Am Ende konnten die Argumente der Beamten kaum überzeugen und es gab sogar einige überraschende Geständnisse.

Zone blanche auf Luxemburger Gebiet

Doch der Reihe nach. Zunächst wurde erläutert, dass die Schweinepest vor allem in Osteuropa ein Problem ist. Es folgte eine Analyse der unterschiedlichen Schutzmaßnahmen in den dort betroffenen Ländern. Schlussfolgernd wurde das tschechische Modell als Vorbild für die nun - nachdem es mittlerweile rund 700 positive Befunde bei Wildschweinen in Belgien gab - zu treffenden Maßnahmen in Belgien, in Nordfrankreich und in Luxemburg genannt.


Treffen mit Bauer Albert Kerger wegen Schweinepest-Zaun - Foto : Pierre Matgé/Luxemburger Wort
Bauernhof hinter Schutzzaun verbannt
In der Gemeinde Käerjeng wird ein Schutzzaun errichtet, um gegen die Schweinepest vorzugehen. Doch wird sich dadurch auch ein Bauernhof hinter dem Zaun, in der sogenannten Zone blanche, befinden.

Dabei geht es darum, rund um die betroffene Zone eine sogenannte "Zone blanche" einzurichten, in der Wildschweine geschossen werden, um zu verhindern dass das Virus sich in den noch nicht-betroffenen Gebieten ausbreiten kann.

Diese Ausführungen wurden immer wieder von Zwischenrufen unterbrochen. Auch wenn das Virus nicht auf den Menschen - oder andere Tiere als das Schwein - übertragbar ist, so spiegelten sich in diesen Zwischenrufen doch zweierlei Bedenken.

Sorge um Exportstop

Einerseits die der anwesenden Landwirte und Geschäftsleute. So wurde die Angst vor einem Exportstop für Schweinefleisch und vor einem Rückgang der Nachfrage nach Exporten anderer landwirtschaftlicher Produkte aus dem Großherzogtum geäußert, sollte auch nur ein Fall der Krankheit auf Luxemburger Gebiet bekannt werden.

Ein großes Unternehmen, das in Niederkerschen ansässig ist und im Räuchern von Schinken spezialisiert ist, würde im Falle eines Exportstopps in Existenznot geraten, so eine Stimme aus dem Publikum.


Zank um den Zaun: der Bürgermeister von Kaerjeng, Michel Wolter, kritisiert die Informationspolitik der Regierung.
Schweinepest: Lücke im Zaun
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Die Landwirte argumentierten in diesem Sinne, es sei unverantwortlich, den Zaun nicht direkt an der Grenze zu errichten. Mit der Zone blanche auf Luxemburger Staatsgebiet, würde die wirtschaftliche Existenz vieler Menschen mutwillig aufs Spiel gesetzt, so das Credo.

Zaun wurde vom Büro aus geplant

Das Gegenargument, ein Verlauf an der Grenze sei schwierig, wurde in einigen konkreten Fällen anwesender Grundeigentümern widerlegt. "Man hätte uns ja mal fragen können", so ein immer wiederkehrendes Argument aus dem Saal, "dann hätten wir eine Lösung gefunden."

Am Ende stand die Frage einer Bürgerin: "Haben Sie sich überhaupt den Verlauf des nun geplanten Schutzzauns vor Ort angesehen, oder haben sie nur vom Büro aus auf Geoportail.lu einen Strich gezogen?" Hierauf bejahten die Beamten, zuvor nicht vor Ort gewesen zu sein, legten aber den Einwand ein, nicht Geoportail, sondern ein eigenes Programm zu nutzen.

Eine Aussage, die im Saal auf Unverständnis stieß.

Sorge um Sicherheit

Die zweite Art der Bedenken wurde von Anwohnern geäußert. Dabei geht es darum, dass in der Zone blanche Wildschweine zum Abschuss freigegeben sind. Die Nähe zu Häusern und Rad- und Wanderwegen sorgte hier für harsche Kritik am staatlichen Vorgehen.


Droht geint Schwengspescht zu Lenger op der Velospist fir op Këntzeg  - Foto : Pierre Matgé/Luxemburger Wort
Afrikanische Schweinepest: Zaun im Bau
An der belgischen Grenze haben Armee und Straßenbauverwaltung mit dem Bau des Zaunes begonnen, der die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest im Großherzogtum verhindern soll.

Im Laufe der Diskussionen wurden zudem mehrere Argumente der Beamte von Landwirten zerredet. So wussten die Beamte mehrmals keine Antwort auf Gegenargumente der Bauern. Etwa, als die Rede vom Übertragungsrisiko war, wenn ein Landwirt mit dem Reifen seines Traktors durch eine kontaminierte Blutspur fährt und dann die Zone blanche verlässt. Die Beamten sahen hier kein Risiko. Ein Landwirt berief sich aber auf die Überlebenszeit des Virusses außerhalb eines Tierkörpers, worauf er dann keine Antwort mehr erhielt.

Auch die Behauptung, der Schutzzaun könne innerorts unterbrochen werden, weil Wildtiere sich nachts nicht in die Orte wagen würde, wurde von der ortskundigen Landbevölkerung mit einem hämischen Lachen quittiert.

Kritik der Gemeinde Käerjeng

Bürgermeister Michel Wolter übte harsche Kritik am Vorgehen des Staates in dieser Sache. Die Notwendigkeit des Zaunes stellte er nicht in Frage. Aber, das großherzogliche Reglement auf dem seine Errichtung fußt, halte keinem Gerichtsprozess stand, so das Käerjenger Gemeindeoberhaupt.

Es gebe keine juristische Basis für das Errichten des Zaunes, dessen Aufbauarbeiten ohne die notwendige Genehmigung der Gemeinde begonnen hätten, so Wolter.

Allgemein wurde während der Versammlung viel Kritik an der Informationspolitik der Regierung in dieser Sache geübt. Sauer stieß vielen Anwesenden zudem auf, dass kein einziger Regierungsvertreter den Weg nach Küntzig gefunden hatte.

Mehrere Redner sagten, es sei zu viel Zeit verstrichen, seitdem bekannt geworden war, dass es einen Krankheitsfall gegeben habe, bis zu dem Zeitpunkt an dem man die Errichtung des Zaunes beschlossen habe.

Ein Landwirt brachte es mit folgenden Worten auf den Punkt: "Hätte man von dieser Zeit nur eine Woche genutzt, um mit den Grundeigentümern zu reden, wäre ein Zaun direkt an der Grenze problemlos möglich gewesen. Man hätte für alles eine Lösung finden können, hätte man nur mit uns gesprochen."


Bürgermeister Michel Wolter fühlt sich übergangen


In die gleiche Richtung ging die Kritik des Bürgermeisters von Kaerjeng Michel Wolter. Er sei erst am Tag des Baubeginns über die Absichten der Regierung informiert worden einen genauen Plan des Zaunes habe er bis heute nicht bekommen, so Wolter im Rahmen einer eigens einberufenen Pressekonferenz. Warum wurde nicht im Vorfeld mit den betroffenen Bauern geredet? Warum wurde die Gemeinde nicht in die Planung mit einbezogen? Wolter strafte zudem die Aussagen von Agrarminister Romain  Schneider Lügen, dass die technischen Dienste seiner Gemeinde im Zuge einer Versammlung über die bevorstehenden Arbeiten informiert worden seien.

"Ich habe meine Techniker gefragt, eine solche Versammlung gab es nicht. Es gab nur eine Mail seitens der Straßenbauverwaltung, betreffends das Markieren der Baustelle." Die Straßenbauverwaltung hat in der Zwischenzeit eine Anfrage für die Baugenehmigung eingereicht. Laut Wolter sei es nicht seine Absicht, die Arbeiten zu behindern oder zu blockieren. Die Maßnahmen gegen die Afrikanische Wildschweinepest seien notwendig. Aber sie sollten mit den Bteroffenen abgesprochen werden. Wolter zeigte sich in diesem Sinne auch kooperationsbereit.            










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