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Harald Welzer im Interview: "Mehr Mut zur Nachhaltigkeit"
Lokales 2 Min. 27.02.2014

Harald Welzer im Interview: "Mehr Mut zur Nachhaltigkeit"

Der Professor für Transformationsdesign Harald Welzer gilt als einer der Vordenker einer nachhaltigen Wirtschafts- und Gesellschaftsform.

Harald Welzer im Interview: "Mehr Mut zur Nachhaltigkeit"

Der Professor für Transformationsdesign Harald Welzer gilt als einer der Vordenker einer nachhaltigen Wirtschafts- und Gesellschaftsform.
Foto: Thomas Langreder/S. Fischer Verlag
Lokales 2 Min. 27.02.2014

Harald Welzer im Interview: "Mehr Mut zur Nachhaltigkeit"

Wie kann eine Gesellschaft aussehen, die sich nicht nur nach Profit und Konsum richtet? Wie lässt sich die Wirtschaft vom Streben nach immer mehr Wachstum entkoppeln? Im Interview mit dem "Luxemburger Wort" versucht der deutsche Soziologe Harald Welzer Antworten auf diese Fragen zu finden.

(CBu) - Wie kann eine Gesellschaft aussehen, die sich nicht nur nach Profit und Konsum richtet? Wie lässt sich die Wirtschaft vom Streben nach immer mehr Wachstum entkoppeln? Im Interview mit dem "Luxemburger Wort" versucht der deutsche Soziologe Harald Welzer Antworten auf diese Fragen zu finden.

Der vor allem durch sein Buch "Klimakriege" bekannte Autor tritt am Donnerstagabend in der Coque im Rahmen einer Veranstaltung des Mouvement Ecologique ("Ein neues Gesellschaftsmodell für morgen") auf. Wir hatten die Möglichkeit, uns mit ihm vorab über die Thematik zu unterhalten. Welzer ist zudem Direktor der gemeinnützigen Stiftung "Futurzwei".

Beim Thema Klimawandel ist Welzers Diagnose der vergangenen Jahre ganz nüchtern: "Es gibt keine Region in der Welt, in der die Emissionen de facto verringert wurden und keine Anzeichen für eine Verbesserung der Lage." Die Politik bezeichnet er als "handlungsunwillig". "Von der Politik, also der etablierten Parteienpolitik, sollte man hier nicht viel erwarten", so der Wissenschaftler.

"Alles ist eine Frage der Haltung"

Hoffnungen auf Veränderungen sieht er letztlich im Aufkommen einer neuen sozialen Bewegung, die sich den ökologischen Idealen verschrieben hat: "Der aktuelle Mainstream wird nur dann reagieren, wenn es starke Impulse aus der Mitte der Zivilgesellschaft gibt." Auch wenn die vorherrschende Mehrheitsmeinung derzeit noch stark sei, solle man die Hoffnung nicht aufgeben. "Am Ende ist alles eine Frage der Haltung. Und Haltungen können sich schnell ändern."

Desweiteren erklärt Harald Welzer, was es mit dem Zauberwort "Nachhaltigkeit" auf sich hat und wie man einen Wandel hin zu einer tatsächlich nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft herstellen könnte:

"In unseren reichen Gesellschaften haben wir es überall mit einer ausgeprägten strukturellen Nicht-Nachhaltigkeit zu tun. Alles ist auf nicht-nachhaltiges Wachstum ausgerichtet: unser Verkehrs- und Mobilitätssystem, unsere Nahrungsmittelversorgung, unser Abfallsystem, die Art wie wir Häuser und Infrastrukturen bauen. Die Nachhaltigkeit kommt, wenn überhaupt, immer erst als zweiter Schritt ins Spiel. Hier liegt der große Denkfehler. Wir können keine Nachhaltigkeit herstellen in einem nicht-nachhaltigen System"

Wege zu einer neuen, nachhaltigen Welt

Was die Gesellschaft brauche, sei letztlich ein Paradigmenwechsel: "Wir brauchen Mut zu tatsächlicher Nachhaltigkeit. Wir müssen Wege finden, wie wir diese einseitige Wirtschaftsform überwinden können. Nachhaltigkeit soll nicht im Nachhinein hergestellt werden, sondern muss am Anfang jeglicher Produktion und Innovation stehen."

Welzer ist sich natürlich bewusst, dass er nur Denkanstöße liefern kann und noch kein fertiges Konzept. Ein Konzept könne es auch nicht geben, "denn bisher funktionieren wir ja noch nach der alten Methode." "Ich bin mir bewusst, dass das eine ganz neue Welt sein wird. Eine Welt jedenfalls, wie wir sie eigentlich gar nicht kennen. Niemand weiß, wie diese Welt aussehen wird", so der studierte Soziologe und Sozialpsychologe abschließend.

  • Das gesamte Interview lesen Sie in der Donnerstagausgabe des "Luxemburger Wort"