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Handarbeit im Feuer
Lokales 3 Min. 29.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Handarbeit im Feuer

Dass auch ein Flächenbrand sehr schnell lebensgefährlich werden kann, zeigte sich am Donnerstag als ein Löschfahrzeug in Flammen aufging. Die Besatzung konnte sich aber rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Handarbeit im Feuer

Dass auch ein Flächenbrand sehr schnell lebensgefährlich werden kann, zeigte sich am Donnerstag als ein Löschfahrzeug in Flammen aufging. Die Besatzung konnte sich aber rechtzeitig in Sicherheit bringen.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 29.07.2019 Aus unserem online-Archiv

Handarbeit im Feuer

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Vegetationsbrände haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Sie stellen Rettungsdienste vor große Herausforderungen. Der CGDIS setzt auf Ausbildung und spezifisches Material. Ein Löschhubschrauber gilt dabei aber nur als ein Element in einer Gesamtkette von Einsatzmitteln.

Extreme Wetterphänomene häufen sich in den letzten Jahren. Das stellt auch Feuerwehr und Rettungsdienste vor Herausforderungen, die nicht ohne adäquate Vorbereitung bewältigt werden können. Ein Schlüsselfaktor sei dabei die Organisation auf Landesebene, hob Innenministerin Taina Bofferding (LSAP) am Montag in einer Pressekonferenz hervor. Die Reorganisation der Notdienste zum einheitlichen Corps grand-ducal d'incendie et de secours (CGDIS) sei dabei ein Meilenstein für eine optimale Rollenverteilung gewesen. Weitere Anstrengungen würden aber noch bevorstehen.


[Feu de végetation] en cours à Luxembourg-Hamm avec propagation à un fourgon pompe-tonne. Aucun blessé à déplorer pour l’instant mais appel est fait à la population d’éviter le secteur à cause du dégagement de fumée et afin de laisser libre passage aux secours encore en route.
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Denn die Hitze brachte in den vergangenen Wochen viele Menschen in Not. So gab es im Juli 130 Ambulanzeinsätze mehr als im Monatsdurchschnitt. Die Trockenheit hielt aber darüber hinaus auch die Feuerwehren auf Trab. Im Juli gab es nämlich insgesamt 242 Brandeinsätze. 67 davon waren Vegetationsbrände. Im Jahresdurchschnitt zählt der CGDIS etwa 180 Löscheinsätze monatlich, erläutert der CGDIS-Operationschef Tom Barnig.

Hubschrauber ist nur ein Element

Viel sei in den vergangenen Tagen über den Einsatz von Löschhelikoptern diskutiert worden, meinte darüber hinaus der CGDIS-Generaldirektor Paul Schroeder. Zwar sind die beiden neuen Hubschrauber, welche die Regierung für Polizei und Armee bestellt hat, auch für zivile Noteinsätze bestimmt, allerdings ist ihr Einsatz nicht immer angebracht.

„Ein Löschhubschrauber ist nur ein Element in einer Gesamtkette von Einsatzmitteln“, erklärte Paul Schroeder. „Flächen- und Waldbrandbekämpfung sind und werden auch immer Handarbeit bleiben.“ Und weiter: „Löschflugzeuge, so wie man sie aus dem Fernsehen kennt, die über Flammenwände fliegen, sind zwar spektakulär anzusehen, sie aber nur einen präzisen Zweck, und zwar ein schnelles Niederschlagen von hohen Flammen.“


Mit Traktoren werden die Strohmengen aus der brennenden Scheune gebracht.
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Die Vegetationsfeuer in Luxemburg seien aber zumeist Bodenbrände, so auch jene von vergangener Woche oder jener im vergangenen Jahr in Schlindermanderscheid. Genau wie in Südeuropa würden diese Brände am Boden gelöscht.

„Bei Bodenbränden hat ein Löschhubschrauber nur wenig Effekt“, fuhr der CGDIS-Generaldirektor fort. „Die Bäume, über denen das Wasser abgeworfen wird, brennen nicht. Das Wasser kommt dann nur zum Teil dort an, wo es tatsächlich hin soll.“

Mit dem Bambi Bucket zu brennenden Steilhängen

Als zusätzliches Einsatzmittel sehr wertvoll könne der sogenannte Bambi Bucket – ein vom Hubschrauber transportierter Wasserbehälter – aber beispielsweise bei Bränden in den Nadelwäldern in Steilhängen im Norden des Landes sein.

„Ein solcher Einsatz ist aber mehr als nur einen Eimer Wasser aus der Luft abwerfen“, betonte Paul Schroeder weiter. Dafür brauche es unbedingt ein Koordinations- und Einsatzkonzept. Das arbeite man derzeit aus, ergänzte die Innenministerin Bofferding. „Und es ist keine Frage des Kostenpunkts“, stellte sie in Bezug auf jüngste Kritiken der Luxemburg Air Rescue klar.

Die Strategie des CGDIS

Um künftig noch besser für Vegetationsbrände gerüstet zu sein, war bereits kurz nach der Gründung des CGDIS vor 13 Monaten eine Weiterbildung für Führungskräfte organisiert worden. Weitere Kurse mit ausländischen Experten sollen folgen und ab 2021 will man eigene Experten ausbilden. Bereits jetzt wurden Vegetationsbrände zudem in die theoretische Grundausbildung aller Feuerwehrkräfte aufgenommen, eine praktische Ausbildung soll folgen.

Es wurde auch neues Material bestellt, so etwa ein für Waldbrand-taugliches Großtanklöschfahrzeug mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Litern, das in Colmar-Berg stationiert wird.

Gemeinsam mit der Naturverwaltung und Meteolux wird darüber hinaus an der Schaffung eines Waldbrandindexes in Luxemburg gearbeitet. Das soll es erlauben, künftig auch präventive Maßnahmen zu ergreifen.


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