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Haftstrafe für beigeordneten Gefängnisdirektor gefordert
Die einzelnen Direktionsmitglieder der Haftanstalt liegen offenbar seit Jahren im Clinch.

Haftstrafe für beigeordneten Gefängnisdirektor gefordert

Foto: Gerry Huberty
Die einzelnen Direktionsmitglieder der Haftanstalt liegen offenbar seit Jahren im Clinch.
Lokales 2 Min. 23.02.2018

Haftstrafe für beigeordneten Gefängnisdirektor gefordert

Steve REMESCH
Steve REMESCH
"Gesunden Menschenverstand" brachte der vorsitzende Richter am Freitag gleich mehrfach im Prozess gegen den Vize-Gefängisdirektor ins Gespräch. Denn daran fehlte es wohl in vielerlei Hinsicht.

Sieben Monate Gefängnis forderte die Staatsanwaltschaft am Freitag für den beigeordneten Direktor der Haftanstalt Schrassig und dazu eine angemessene Geldstrafe. Dass die Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt wird, dem werde er sich aber nicht widersetzen, meinte Ankläger David Lentz.

Dem Vize-Direktor der Vollzugsanstalt Schrassig wird vorgeworfen, einen Informatiker aufgefordert zu haben, eine Telefonliste zu erstellen, in der alle ein- und ausgehenden Anrufe der vergangenen Monate vom Büro jener Magistratin, welcher der gesamte Strafvollzug in Luxemburg unterstellt ist, zusammengefasst sind.

„Nicht ohne böswillige Absicht“

Er habe seine Vorgesetzte ausspioniert, hob der Vertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Strafantrag hervor. Das sei keine Bagatelle. Wenn ein Untersuchungsrichter eine solche Maßnahme anordne, dann sei diese an sehr strikte Bedingungen geknüpft. Dies einfach so zu tun, sei undenkbar.

Zudem sei die Tat nicht ohne böswillige Absicht geschehen. Ziel sei es gewesen, eine unangenehme Vorgesetzte loszuwerden, weil diese zuvor Meldung über Vorfälle gemacht habe, die sie nicht in Ordnung gefunden habe.

Im Prozess habe der beigeordnete Direktor zudem versucht die Schuld auf die Informatiker zu schieben. Dabei seien diese aber eigentlich Whistleblower, die ein Fehlverhalten festgestellt und gemeldet hätten. Auch für regelrechtes Victim Blaming, indem er das Verhalten der Magistratin zur Rechtfertigung seiner Tat eingebracht habe, sei der Angeklagte sich nicht zu schade gewesen.

Lapsus als „Façon de parler“

Der Beschuldigte selbst hatte zuvor erklärt, er habe lediglich wissen wollen, ob es technisch möglich sei, eine solche Telefonliste zu erstellen. Er habe ohnehin gar keine Befehlsgewalt über die Informatiker gehabt. Einen Lapsus, als er von „unserer Informatikabteilung“ sprach, versuchte er aus der Welt zu reden, indem er sich befliss, klarzustellen, das sei nur eine „Façon de parler“.


Wenn der Vize-Rektor die Magistratin bespitzelt
Vor Gericht muss sich seit Mittwoch der beigeordnete Direktor der Haftanstalt Schrassig verantworten. Er wird beschuldigt, sich illegal eine Telefonliste seiner Chefin beschafft zu haben.

Dass der Informatikchef den Vorfall der Magistratin gemeldet habe, sei darüber hinaus nur in der Absicht geschehen, „fir mech an d'Pan ze klaake“.

Er selbst habe ohnehin nichts mit der fertigen Liste angefangen. Er sei ihm eben nur um die Machbarkeit gegangen. Sein Verteidiger forderte im Anschluss eine Suspension du prononcé für seinen Mandanten – dessen Fehlverhalten solle vom Gericht festgehalten werden, aber keine Verurteilung und keinen Strafeintrag zur Folge haben.

Streit unter den Direktoren

Aus der Aussage der Magistratin waren am Freitag erstmals im Prozess die Hintergründe des Vorfalls zu entnehmen. Bereits bei ihrem Amtsantritt seien die einzelnen Direktionsmitglieder der beiden Haftanstalten sowie untereinander in den einzelnen Führungsgremien heillos zerstritten gewesen, sagte sie. Ständig hätten die Direktoren einander bei der Magistratin angeschwärzt.

Dann aber, sei es zu zwei Vorfällen gekommen, die sie nicht in Ordnung fand und deswegen der Generalstaatsanwaltschaft gemeldet habe. So war in Givenich ein Häftling geflüchtet und dies war acht Stunden lang unbemerkt geblieben. Und in Schrassig gab es nach einem Vorfall Fotos von einem nackten Häftling in augenscheinlich degradierender Haltung.

Chefin als Feindbild

Beide Meldungen hatten Untersuchungen zur Folge. Im zweiten Fall führten diese dazu, dass die Gefängniswärter entlastet werden konnten. Im präzisen Kontext, in dem die Bilder entstanden waren, hatten die Aufseher richtig gehandelt. Doch durch die Anzeigen sei sie zum Feindbild geworden, erläuterte die Magistratin in der Verhandlung am Freitag.

Entgegen anderslautender Aussagen sei sie aber stets professionell geblieben und man habe das Tagesgeschäft weiter gemeinsam geführt. Der Kontakt sei nach den Anfeindungen eben nicht mehr auf kollegialer, sondern nur noch auf professioneller Ebene erfolgt. Das anschließende Vorgehen des Vize-Direktors habe sie sehr schockiert, betonte die Magistratin.

Das Urteil in diesem Prozess ergeht am 21. März.


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