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Häusliche Gewalt: leichter Anstieg vermerkt
Lokales 3 2 Min. 11.06.2020 Aus unserem online-Archiv

Häusliche Gewalt: leichter Anstieg vermerkt

Über 63 Prozent der Opfer sind Frauen.

Häusliche Gewalt: leichter Anstieg vermerkt

Über 63 Prozent der Opfer sind Frauen.
Foto: DPA
Lokales 3 2 Min. 11.06.2020 Aus unserem online-Archiv

Häusliche Gewalt: leichter Anstieg vermerkt

Im Vergleich zum Vorjahr gab es 2019 in Luxemburg mehr Fälle von häuslicher Gewalt. Der befürchtete Anstieg während des Lockdowns blieb allerdings aus.

849 Mal musste die Polizei 2019 wegen häuslicher Gewalt eingreifen. Das ist ein Plus von 110 Fällen im Vergleich zum Vorjahr. In 265 Fällen wurde eine Wegweisung ausgesprochen. Demnach waren es deren 34 mehr als 2018. 

Im vergangenen Jahr wurden in Luxemburg insgesamt 1.337 Opfer von häuslicher Gewalt gezählt. Bei 850 unter ihnen handelte es sich um Frauen. 195 Opfer waren zum Tatzeitpunkt noch minderjährig. Die 265 Wegweisungen betrafen unterdessen insgesamt 283 Opfer. 242 unter ihnen waren Frauen. Drei Menschen (zwei Frauen, ein Mann) kamen durch häusliche Gewalt zu Tode

Innenministerin und Gleichstellungsministerin Taina Bofferding bei der Pressekonferenz am Donnerstagmorgen.
Innenministerin und Gleichstellungsministerin Taina Bofferding bei der Pressekonferenz am Donnerstagmorgen.
Foto: Chris Karaba

"Für viele Frauen ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort", erklärte Taina Bofferding (LSAP), Ministerin für Chancengleichheit, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Sie betonte zudem, dass es im Vergleich zu 2018 im vergangenen Jahr wohl einen Anstieg der gemeldeten Vorfälle gegeben habe. Dies müsse überwacht werden, allerdings dürfe der Anstieg nicht überbewertet werden.

Denn die Zahlen würden auch zeigen, dass häusliche Gewalt nicht mehr weiter ertragen wird. "Häusliche Gewalt ist keine Privatsache", erklärte die Ministerin. Ein Teil der Verantwortung liege demnach auch bei der Gesellschaft. "Wir brauchen eine Gesellschaft, die nicht wegschaut." Die Gewalt ziehe sich durch sämtliche soziale Schichten, sie werde allerdings immer weniger toleriert. "Egal wie groß der Streit ist, niemand hat ein Recht darauf, die Hand zu heben", so die Ministerin. 

Kein rasanter Anstieg während Lockdowns

Die Zeit des Lockdowns hat unterdessen in Luxemburg, anders als in anderen europäischen Ländern, zu keinem signifikanten Anstieg der Fälle von häuslicher Gewalt geführt. Wurden 2019 im Schnitt jeden Monat 71 Fälle gemeldet und 22 Wegweisungen ausgesprochen, so wurden im März dieses Jahres 91 Fälle bei 26 Wegweisungen registriert. Im April waren es 73 Fälle und 19 Wegweisungen, im Mai 79 und 23. 


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Durch den Lockdown - und das damit verbundene stundenlange Aufeinanderhocken auf engem Raum - habe durchaus ein Risiko eines Anstiegs der Vorfälle bestanden. Deshalb habe man sich auch bereits früh mit allen betroffenen Akteuren zusammengesetzt und sichergestellt, dass die unterschiedlichen Anlaufstellen für Opfer und Täter weiter funktionieren können. Dies sei gelungen, so Bofferding.

Zudem sei jederzeit ein Monitoring durchgeführt worden, um die aktuelle Situation zu überwachen. "Den ersten Zahlen zufolge hat es keinen großen Anstieg an Fällen gegeben", sagte Bofferding. Sie betonte allerdings, dass es durchaus möglich sei, dass Menschen sich nicht getraut hätten, Hilfe zu holen. Eine tiefgründigere Analyse soll hier Antworten geben und den zuständigen Stellen auch helfen, zu verstehen, zu welchem Zeitpunkt sich ein Opfer Hilfe holt.

Wichtig sei es aber, dass die Anlaufstellen, wenn auch teilweise nur per Telefon, weiter funktioniert hätten und die Gesetze weiterhin umgesetzt wurden. Um einem möglichen Anstieg an Vorfällen entgegenzuwirken, waren während der Krise die Kapazitäten in den Frauenhäusern erhöht worden. Zudem bestand auch die Möglichkeit, auf Hotelzimmer zurückzugreifen. So konnte die Staatsanwaltschaft dann auch Wegweisungen aussprechen, ohne das Risiko einzugehen, dass dadurch Personen ohne Dach über dem Kopf dastanden. 

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