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Gut organisierter Drogenhandel
Lokales 3 Min. 20.10.2017 Aus unserem online-Archiv
"Hells Angels"-Prozess

Gut organisierter Drogenhandel

Bis zu 20 Jahre Haft drohen den Angeklagten.
"Hells Angels"-Prozess

Gut organisierter Drogenhandel

Bis zu 20 Jahre Haft drohen den Angeklagten.
Pierre Matgé
Lokales 3 Min. 20.10.2017 Aus unserem online-Archiv
"Hells Angels"-Prozess

Gut organisierter Drogenhandel

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Der Tatbestand der Bildung einer kriminellen Vereinigung könnte eines der Schlüsselelemente im Prozess um den Drogenhandel im Umfeld der „Hells Angels“ werden. Bei einem Nachweis könnte das die Haftstrafen im Falle eines Schuldspruchs verdreifachen.

Von Steve Remesch

Drogenhandel ist eine Sache – organisierte Kriminalität eine andere. Wenn beide zusammenkommen bedeutet das im Regelfall ein drastisch höheres Strafmaß. Darauf haben es die Strafverfolgungsbehörden auch im Prozess um den umfangreichen Kokain- und Marihuanahandel im Umfeld der Luxemburger „Hells Angels“ abgesehen. Der Artikel 10 des Drogengesetzes sieht nämlich vor, dass das im Prinzip vorgesehene Strafmaß von zwischen einem und fünf Jahren auf 15 bis 20 Jahre erhöht wird, wenn den Beschuldigten nachgewiesen werden kann, dass sie als kriminelle Organisation agierten. 

Erst im März diesen Jahres, waren ein mutmaßlicher nigerianischer Drogenboss und sein Zulieferer vor einem Luxemburger Gericht in erster Instanz zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. 

 „Kriminelle Organisation“ 

Der strafverschärfende Umstand der kriminellen Vereinigung war denn auch diese Woche Thema im Prozess. Wie einer der Ermittler vor der Strafkammer ausführte, gebe es eine ganze Reihe von Faktoren, die verdeutlichten, dass die Bande einen strikt organisierten Drogenhandel betrieben habe. Ein Hinweis sei etwa die Zeitdauer, über die sich die strafbaren Handlungen der Beschuldigten erstreckt habe – und vor allem auch deren Regelmäßigkeit: mehr als zweieinhalb Jahre lang mit derart hoher Frequenz, dass im Prinzip ständig Frischware verfügbar gewesen sei. Das Drogengeschäft sei über eine große Zahl von Beteiligten abgewickelt worden, von denen nun zehn vor Gericht stehen würden. Alle Mitglieder der Organisation hätten das gleiche Ziel verfolgt und zwar sich selbst zu bereichern, bekräftigt der Kriminalpolizist. 

Darüber hinaus sei es auch darum gegangen, Einfluss in ihrem Umfeld zu gewinnen. 

Gezielte Gegenmaßnahmen 

Die Vorgänge innerhalb der Gruppe seien im Detail vorbereitet und nach den präzisen Vorgaben ausgeführt worden. Die Gruppe habe nicht nur Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, sondern auch konkrete Gegenmaßnahmen, um die Arbeit der Polizei zu erschweren. Die Beschuldigten hätten Gegenobservierungen durchgeführt, konsequent Wegwerfhandys benutzt und auch Aufklärungsfahrten getätigt, um Polizeikontrollen rechtzeitig zu enttarnen. Sogar die Wahl des Wohnsitzes und der Treffpunkte, stets nur wenige Kilometer jenseits der Landesgrenzen, sei nicht zufällig erfolgt. 

Bei den Prozeduren für die Übergaben sei besonders strikt auf Disziplin geachtet worden. Mit außerordentlicher Sorgfalt sei darauf geachtet worden, dass nicht alle Mitglieder der Struktur sich unter einander kennen. Die verschiedenen Etappen seien ebenso strikt getrennt worden, wie auch die beiden Geschäftsfelder Marihuana und Kokain, betonte der Ermittler vor den Richtern. Somit habe man erfolgreich verhindert, dass der Verlust eines einzelnen Elementes aus der Gruppe, das gesamte Netzwerk gefährdet hätte. 

Den Überblick hätten lediglich Boban B. und sein Partner Kevin K. gehabt. Boban B. habe jeden einzelnen Schritt koordiniert und organisiert. Deswegen und auch wegen seines sehr hohen Umsatzes, habe der Beschuldigte es sehr schnell geschafft, zu einer Vertrauensperson und zu einem gleichgestellten Geschäftspartner von internationalen Drogenhändlern zu werden – so etwa von Kokainzulieferer und „Hells Angels“-Vizepräsident Feti P. aus Antwerpen und Frank V., der über ein hochprofessionelles und erfahrenes Netzwerk von Cannabisproduzenten verfügte. 

Gleichwertige Partner 

Wichtig sei auch festzustellen, dass Kevin K. mehr als nur die rechte Hand von Boban B. gewesen sei. Seine Rolle sei keinesfalls nur die des Fahrers und Lieferboten gewesen. In der Organisation sei er mit Boban B. gleichgestellt gewesen. Beide hätte uneingeschränkte Loyalität und blindes Vertrauen verbunden – eine Aussage des Ermittlers, die Boban B. auf der Anklagebank mit demonstrativem Lachen quittierte. All diese Elemente ließen keinen Zweifel daran, dass es sich bei der Tätergruppe um eine kriminelle Vereinigung mit dem Zweck des Drogenhandels gehandelt habe. 


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