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Gut gegessen und nichts gezahlt
Lokales 2 Min. 01.06.2018

Gut gegessen und nichts gezahlt

In 35 Restaurants war der Zechpreller zu Gast.

Gut gegessen und nichts gezahlt

In 35 Restaurants war der Zechpreller zu Gast.
Foto: Shutterstock
Lokales 2 Min. 01.06.2018

Gut gegessen und nichts gezahlt

Er genoss sein Menü und gönnte sich einen Schluck Wein dazu. Wenn es um die Rechnung ging, war aber Schluss mit lustig. Denn der Mann zahlte nicht. Aus Protest, weil ihm sein Vormund nicht ausreichend Geld gab. Nun befasste sich das Gericht mit dem Zechpreller.

(SH) - „Ich hatte nicht die Absicht, Restaurateuren zu schaden.“ Fast demütig wirkte ein 58-jähriger Mann gestern vor Gericht. Zwischen Ende 2015 und Anfang dieses Jahres hatte er ganze 35 Mal in Gaststätten quer durchs Land gegessen und getrunken – meist Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise, dazu alkoholische Getränke, wie der Vertreter der Staatsanwaltschaft betonte.

Die Rechnung – manchmal nur ein paar Euro hoch, manchmal jedoch auch über 80 Euro – beglich er nie. Vielmehr teilte er den Restaurateuren mit, dass er kein Geld habe und sie sich an seinen Vormund wenden sollten. In einigen Fällen hinterließ er auch eine Kopie seines Personalausweises oder ließ die Polizei kommen. „Ich wollte damit darauf hinweisen, dass ich ungerecht behandelt werde“, erklärte der Mann den Richtern. Tatsächlich verfügt der Angeklagte, ein ehemaliger Lehrer, der krankheitsbedingt vorzeitig in den Ruhestand ging, über eine monatliche Rente in Höhe von rund 4.000 Euro und über einen beachtlichen Betrag auf seinem Sparkonto. Da er jedoch unter Vormundschaft steht, kam er nicht an dieses Geld heran. „Ich bekam so wenig von meinem Vormund, dass es nicht mal für einen Theaterbesuch, ein Konzert oder ein Essen im Restaurant reichte. Ich wollte nicht, dass dies bis zu meinem Lebensende so weitergeht.“

Auch sein Anwalt belastete den ehemaligen Vormund schwer. Seit vergangenem Sommer sei nun ein anderer für seinen Mandanten zuständig und seither laufe alles so, wie es soll.

Eine Vorstrafe

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft ließ diese Entschuldigung jedoch nicht gelten. Er betonte, dass der Angeklagte in Justizkreisen bestens bekannt sei. In einem ersten Verfahren habe er sich wegen rund 60 Fällen von Zechprellerei und einigen Fällen von Diebstahl – Alkoholflaschen im Supermarkt – verantworten müssen. Dafür sei er 2016 in erster Instanz zu 18 Monaten Haft, davon neun auf Bewährung, und in zweiter Instanz zu einer 15-monatigen Bewährungsstrafe mit Auflagen verurteilt worden. Unter anderem hätte der Beschuldigte sich der Zechprellerei nicht mehr schuldig machen dürfen, eine Auflage, gegen die er bereits Tage nach dem Urteilsspruch erneut verstoßen hätte. „Er hat es mutwillig gemacht. Er ist in meinen Augen ein krimineller Mensch und zudem ein Wiederholungstäter“, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Dass der Angeklagte seit November vergangenen Jahres seine Rechnungen stets am Tag nach dem Restaurantbesuch bezahlt hatte, wirke sich seit einer Gesetzesänderung im Jahre 2016 nicht mehr als strafmindernd aus. Allerdings liege ein psychiatrisches Gutachten vor, demnach der Angeklagte nur eingeschränkt schuldfähig sei. Deshalb forderte er eine Haftstrafe von neun Monaten sowie eine Geldbuße von 5.000 Euro. Ob die Gefängnisstrafe trotz der Vorstrafen zur Bewährung ausgesetzt werden könne, muss der Richter entscheiden. Dieser gibt sein Urteil am 21. Juni bekannt.

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