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Grundwasserspiegel: Jeder Tropfen zählt
Lokales 3 Min. 05.06.2019 Aus unserem online-Archiv

Grundwasserspiegel: Jeder Tropfen zählt

Ein sorgsamer Umgang mit dem kühlen Nass wird empfohlen.

Grundwasserspiegel: Jeder Tropfen zählt

Ein sorgsamer Umgang mit dem kühlen Nass wird empfohlen.
Getty Images
Lokales 3 Min. 05.06.2019 Aus unserem online-Archiv

Grundwasserspiegel: Jeder Tropfen zählt

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Nach der Dürre des vergangenen Jahres hat sich der Grundwasserpegel noch nicht erholt.

Die große Dürre steht Luxemburg zurzeit zwar noch nicht bevor, doch die Wasserreserven liegen immer noch unter dem langjährigen Mittel. War es Ende März noch ein Defizit von rund 25 Prozent, so liegt diese Fehlmenge momentan noch bei knapp zehn Prozent. „Das ist keine große Fehlmenge, aber es reicht nicht aus, um die Reserven wieder anständig aufzufüllen, so Luc Zwank, beigeordneter Direktor des Wasserwirtschaftsamtes.


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Auch der Mai war nicht besonders ergiebig, mit 60,8 Millimeter Regen lag er 16,5 Millimeter unter dem langjährigen Durchschnitt. Zudem ging der Großteil davon innerhalb von nur vier Tagen nieder, der Niederschlag war also zeitlich sehr ungleichmäßig verteilt. Die monatelange Trockenheit des vergangenen Jahres hat ihren Tribut gefordert, die Regenfälle waren während der Wintermonate zwar substanziell, doch sie reichten nicht aus, um das Defizit komplett auszugleichen.

Auffüllen im Winter

Das Problem liegt darin, dass eigentlich nur die Wintermonate von November bis Februar für das Auffüllen der Grundwasserpegel wirklich ergiebig sind. "Regen, der außerhalb dieser Monate fällt, wird größtenteils von der Vegetation aufgesogen und hat damit keine Chance, im Erdreich zu versickern", so Zwank. Starkregen hingegen läuft oberflächlich ab, deshalb sind ausdauernder, ergiebiger Regen oder eine langsam abschmelzende Schneedecke ideal. Ohnehin wird der Regen des vergangenen Winters je nach Gesteinsschichten ein bis zwei Jahre brauchen, bis er das Grundwasser erreicht. Es kann also durchaus mehrere Jahre dauern, bis sich die Grundwasserpegel von einem Dürrejahr erholt haben. Hydrologen sehen das Ganze deshalb auch in größeren Zeitabschnitten.


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Auf niedrigem Niveau

Sowohl die Pegel der Tiefenbohrungen, als auch die Abflussmenge verschiedener Referenzquellen sind auf einem stabilen, aber niedrigen Niveau. Das Wasserwirtschaftsamt beobachtet deshalb eine Reihe von Referenzbohrungen und Quellen sowohl was die Qualität als auch was die Quantität des Wassers betrifft, so wie dies die europäische Wasserrichtlinie vorschreibt. 

 Für eine sogenannte Phase de vigilance, wie sie vor zwei Jahren landesweit ausgerufen wurde, besteht zurzeit noch kein Anlass, allerdings werden die Gemeinden dazu aufgerufen, ihre Wasserreserven im Auge zu behalten und Verschwendungen zu verhindern. Dazu gehören die Autowäsche, unnötiges Rasensprengen und das Auffüllen von Schwimmbecken. Generell sollte auf gespeichertes Regenwasser zurückgegriffen werden. Zusätzlich kann eine sogenannte Phase orange ausgerufen werden, die Gemeinden sind hier autonom und können dann lokal Reglemente erlassen, die dann Verbote nach sich ziehen.

Traditionell steigt der Trinkwasserverbrauch in Luxemburg bis etwa Mitte Juli mit den steigenden Temperaturen stetig an. Mit dem Beginn der Ferienzeit und vor allem des Kollektivurlaubs im Bauwesen geht der Verbrauch dann aber wieder deutlich zurück. „Letztes Jahr fiel die größte Trockenheit in diese Ferienphase, deshalb konnten Engpässe vermieden werden. Problematischer wird die Lage, wenn die Trockenheit bereits im Mai oder Juni einsetzt, so Zwank.

Langfristige Absicherung

Neben kurzfristigen Sparmaßnahmen will Umweltministerin Carole Dieschbourg die Trinkwasserversorgung aber auch langfristig absichern: Neben der schon seit längerer Zeit im Bau befindlichen neuen Aufbereitungsanlage in Eschdorf gehört dazu der Schutz der Trinkwasserquellen durch speziell definierte Zonen. Rund 80 Prozent der Quellen sind mittlerweile auf diese Weise vor äußeren Einwirkungen und Verschmutzungen geschützt, die restlichen 20 Prozent werden demnächst folgen. Zudem wird eine längerfristige Strategie für einen sparsamen Umgang mit der lebenswichtigen Ressource erarbeitet. Hier ist das Wasserwirtschaftsamt zurzeit aktiv. Schließlich wird nach neuen Möglichkeiten gesucht, Trinkwasser aufzubereiten.


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Zusätzliche Tiefenbohrungen sowie das Aufbereiten von Sickerwasser der Mosel würden sich als Alternativen anbieten. Dass diese Überlegungen nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigen die Rechenmodelle mit verschiedenen Szenarien der Bevölkerungsentwicklung: So könnte es bereits ab 2035 besonders in Phasen der Spitzennachfrage zu Engpässen kommen. Dabei sind künftige Ansiedlungen von wasserintensiven Betrieben noch nicht einmal mit eingerechnet. Mit der Bevölkerungsentwicklung und der langen Vorlaufzeit für die Planung neuer Technologien steht Luxemburg damit weiterhin unter Druck, um die Trinkwasserversorgung auch künftig gewährleisten zu können.


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