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Großherzog Henri nimmt an Gedenkfeier im ehemaligen KZ Hinzert teil
Lokales 5 1 3 Min. 22.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Großherzog Henri nimmt an Gedenkfeier im ehemaligen KZ Hinzert teil

Großherzog Henri mit der Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, und dem Präsident der Abgeordnetenkammer, Fernand Etgen (v.r.n.l.) bei der Kranzniederlegung beim Wercollier-Denkmal.

Großherzog Henri nimmt an Gedenkfeier im ehemaligen KZ Hinzert teil

Großherzog Henri mit der Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, und dem Präsident der Abgeordnetenkammer, Fernand Etgen (v.r.n.l.) bei der Kranzniederlegung beim Wercollier-Denkmal.
Foto: Chris Karaba
Lokales 5 1 3 Min. 22.09.2019 Aus unserem online-Archiv

Großherzog Henri nimmt an Gedenkfeier im ehemaligen KZ Hinzert teil

Während des Zweiten Weltkriegs begingen SS-Männer in Hinzert unfassbare Verbrechen. 75 Jahre danach wurde vor Ort nochmals der Opfer gedacht.

Von Raymond Schmit

Es war ein Ort der Unmenschlichkeit: Während der Zeit des Nationalsozialismus werden Menschen aus den von Nazideutschland besetzten Gebieten nach Hinzert (D) verschleppt. Unter ihnen Belgier, Niederländer, Franzosen und auch Luxemburger.

Zwischen 1940 und 1945 begeht die SS in dem Konzentrationslager unfassbare Taten. Mindestens 321 Gefangene müssen in Hinzert ihr Leben lassen – 82 von ihnen waren Luxemburger. Zu den Opfern zählen auch 23 Luxemburger Widerstandskämpfer, die am 25. Februar 1944 in einem Wald bei Hinzert kaltblütig hingerichtet wurden.

Des 75. Jahrestages dieses Verbrechens gedachten am Samstag an der Gedenkstätte im Hunsrück Großherzog Henri, Premierminister Xavier Bettel, die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, Parlamentspräsident Fernand Etgen, die Minister Marc Hansen und Lex Delles, Vertreter der Abgeordnetenkammer und Nachkommen von ehemaligen KZ-Häftlingen.

Die Gedenkfeier war allerdings nicht nur ein Blick zurück in eines der dunkelsten Kapitel der luxemburgischen Geschichte, sondern auch ein klares Plädoyer für die Verteidigung von demokratischen Werten, Rechtsstaatlichkeit und Toleranz und eine Absage an das Wiederaufflammen von rechtsradikalem Gedankengut in Europa.


Der diesjährigen Gedenkfeier wohnte auch der deutsche Botschafter Heinrich Kreft (2. v. l.) bei.
Gedenkfeier in Hinzert: Erinnerung an das Unfassbare
Am Wochenende wurde im ehemaligen SS-Sonderlager in Hinzert der Opfer gedacht. Im Mittelpunkt stand das Gedenken an jene Luxemburger, die vor 75 Jahren nach dem Generalstreik vom 31. August 1942 ermordet wurden.

Dazu fand Erzbischof Jean-Claude Hollerich, der einen Gedenkgottesdienst zusammen mit dem Bischof von Trier, Stephan Ackermann, und Generalvikar Patrick Muller feierte, treffende Worte: „Wir lassen uns dieses Europa nicht kaputtmachen.“

Und das Oberhaupt der katholischen Kirche Luxemburgs erinnerte zum Beginn der Messe an die 82 Luxemburger, die während des Zweiten Weltkriegs in Hinzert ums Leben kamen: „Wir sind hier, um die Luxemburger zu ehren, die ihr Leben gelassen haben für unsere Freiheit und die Heimat.“ Und er fügte hinzu: „Wir sind ihnen dankbar.“

„Leben und Träume zerstört“

Das SS-Sonderlager Hinzert war in den Augen der Nazis „nur ein kleines KZ“. Ursprünglich war es 1939 als „Arbeitserziehungslager“ eingerichtet worden. 1940 wurde es der SS unterstellt.

In dem Lager erlebten zwischen 11.500 und 13.500 Menschen die Hölle. Genaue Zahlen gibt es bis heute nicht, weil von der Lagerleitung im März 1945 zahlreiche Unterlagen wegen des Vorrückens der amerikanischen Streitkräfte vernichtet wurden.

Im Lager waren verhältnismäßig viele Luxemburger untergebracht. Man geht davon aus, dass es derer zwischen 1.600 und 1.900 waren. 82 von ihnen überlebten die Gefangenschaft nicht.

Nach dem Generalstreik wurden im September 1942 20 Menschen als abschreckende Maßnahme hingerichtet. Am 25. Februar 1945 wurden 23 Widerstandskämpfer erschossen und in einem Wald bei Hinzert verscharrt. 40 weitere starben durch Unterernährung, Krankheiten oder an den Folgen von Misshandlungen. Sofern sie noch zu identifizieren waren, wurden die sterblichen Überreste nach dem Krieg in die Heimat überführt.

„Dies ist ein furchtbarer Ort“

„An diesem Ort wurden viele Träume und Leben zerstört und Biografien zerbrochen“, erklärte die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, im Rahmen der Gedenkfeier. „Ich verneige mich vor diesen mutigen Menschen und Opfern des Grauens.“ Gleichzeitig sei Hinzert aber auch als Baustein zur Versöhnung in Europa zu betrachten.


Lokales, Nationaler Tag der Resistenz, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
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Für Premierminister Xavier Bettel steht das SS-Sonderlager Hinzert symbolisch für das größte Verbrechen in der Menschheitsgeschichte: „Dies ist ein furchtbarer Ort. Es waren Menschen, die Unmenschliches taten.“ Der Premier ging aber auch auf die Aussöhnung mit Deutschland in einem vereinten Europa ein. Aus Feinden seien Partner und schließlich sogar Freunde geworden.

Großherzog Henri betonte seinerseits, dass Hinzert ein Symbol für das Leiden während des Zweiten Weltkriegs geworden sei. Erinnerungsorte wie das ehemalige SS-Sonderlager müssten uns eine Lehre sein. Auch vom Großherzog gab es ein klares Bekenntnis zu wesentlichen Werten wie Freiheit, Demokratie und Menschenwürde.


27.01.06 Gedenkstaette Hinzert, ehemaliges KZ, KZ Hinzert,Hinzert,  photo: Marc Wilwert
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In die Gedenkfeier waren allerdings auch junge Schüler einer Sekundarschule aus Hermeskeil (D) und des Lycée de garçons Esch/Alzette eingebunden, die im Zuge eines Schüleraustauschs das Konzentrationslager Ravensbrück besichtigt hatten und am Samstag von ihren Eindrücken berichteten.

Nach der Gedenkfeier legten Großherzog Henri und die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, Blumen beim Denkmal von Lucien Wercollier nieder. Das Werk des luxemburgischen Künstlers, der die Schrecken von Hinzert am eigenen Leib erlebte, wurde 1986 auf der Gedenkstelle errichtet.

Eine weitere Blumenniederlegung fand im Wald bei Hinzert statt. Dort erinnern zwei schlichte Holzkreuze an die ermordeten Luxemburger.


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