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Großes Stühlerücken: Unterrichtsbeginn stellt Schulen vor Herausforderungen
Lokales 4 5 Min. 10.05.2020

Großes Stühlerücken: Unterrichtsbeginn stellt Schulen vor Herausforderungen

Innerhalb der Klassensäle muss ein Sicherheitsabstand von zwei Metern eingehalten werden.

Großes Stühlerücken: Unterrichtsbeginn stellt Schulen vor Herausforderungen

Innerhalb der Klassensäle muss ein Sicherheitsabstand von zwei Metern eingehalten werden.
Foto: Lex Kleren
Lokales 4 5 Min. 10.05.2020

Großes Stühlerücken: Unterrichtsbeginn stellt Schulen vor Herausforderungen

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Am Montag beginnt auch für die restlichen Klassen der Sekundarschulen unter strengen Hygienevorschriften der Unterricht. Um dies zu ermöglichen, war mehr als ein bloßes Stühlerücken notwendig.

Im Großherzogtum ist nichts mehr, wie es war. Eine neue Normalität, ein Alltag mit dem Virus, bestimmt fortan das Leben. Das betrifft auch die Schulen – zumindest die Lyzeen. Nachdem bereits die Abschlussschüler am vergangenen Montag die Schule nach sieben Wochen Fernunterricht wieder besuchen konnten, beginnt der Unterricht am Montag auch wieder für die restlichen Klassen. 

Der Schulalltag wird allerdings deutlich anders aussehen als noch vor zwei Monaten. Denn die Jugendlichen und das Lehrpersonal erwarten strenge Hygienevorschriften. Nicht nur besteht eine Mundschutzpflicht, sondern auch ein Sicherheitsabstand von zwei Metern muss möglichst ständig eingehalten werden. 

Damit dies möglich ist, war aber weitaus mehr als ein bloßes Stühlerücken notwendig. Die Vorbereitungen waren nämlich alles andere als leicht, sagt die beigeordnete Direktorin des Fieldgen, Sylvie Wagner. Allgemein seien die Schulgebäude nämlich nicht für die Bedingungen dieser Pandemie ausgerichtet – und somit musste für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs auch im Fieldgen zahlreiches Material beschafft und eigentlich alles umorganisiert sowie bis ins Detail geplant werden.

Statt etwa 1.500 werden am Montag rund 680 Schüler im Fieldgen erwartet. Den Auflagen des Bildungsministeriums entsprechend wurden nämlich alle Klassen in zwei Gruppen aufgeteilt und wechseln bis zu den Sommerferien Woche um Woche zwischen Schul- und Heimunterricht. 

Freunde bleiben zusammen

„Bei der Aufteilung haben wir unter anderem versucht, auf die Bedürfnisse der Schüler Rücksicht zu nehmen und Freunde in eine Gruppe einzuteilen. Deshalb haben die Klassenlehrer diese Aufgabe übernommen“, so Sylvie Wagner. Es wurde aber auch darauf geachtet, dass Geschwister in der gleichen Woche zur Schule gehen. Nicht immer konnte man aber auf alle Forderungen Rücksicht nehmen, in den meisten Fällen sei man aber bei Eltern und Schülern auf Verständnis gestoßen. 

Bei ihrer Ankunft erhalten die Schüler heute mehrere Mundmasken und ein Schlauchtuch. Damit ein Mindestabstand zwischen den Jugendlichen und den Lehrern auch während des Unterrichts eingehalten wird, wurde die Anzahl der Personen innerhalb eines Klassensaals stark reduziert. „Wir waren selbst erstaunt, wie wenige Leute in manche Klassensäle passen“, so Sylvie Wagner.

Die Schule umzurüsten war kein leichtes Unterfangen, sagt die beigeordnete Direktorin des Fieldgen Sylvie Wagner.
Die Schule umzurüsten war kein leichtes Unterfangen, sagt die beigeordnete Direktorin des Fieldgen Sylvie Wagner.
Foto: Lex Kleren

Zwar besteht in den Klassensälen keine Mundschutzpflicht. Wenn eine Lehrkraft aber nicht darauf verzichten will, steht ihr optional eine durchsichtige Schutzschirmmaske zur Verfügung. Besonders für hörgeschädigte Schüler sei es nämlich wichtig, den Mund des Lehrers sehen zu können, erklärt Sylvie Wagner.

Ein bis zwei Schüler pro Klasse werden dem Fieldgen ab Montag jedoch fernbleiben, schätzt Sylvie Wagner. Die meisten von ihnen allerdings nicht, weil sie selbst zur Risikogruppe der Pandemie gehören, sondern weil sie mit einer gefährdeten Person in einem Haushalt leben. Sie werden den Unterricht per Videoschaltung verfolgen können. 

Liveschaltung in den Klassensaal

Aber auch innerhalb der Schulen werden manche Schüler zumindest zeitweise den Unterricht über ein Tablet verfolgen müssen. Gab es zuvor noch bei verschiedenen Kursen gemischte Gruppen mit Schülern aus Parallelklassen, ist dies nun in dieser Form nicht mehr möglich.


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Denn die Schüler müssen den ganzen Tag in ihrem Klassensaal bleiben. Und so kann es etwa sein, dass während ein Lehrer einigen Schülern im Saal Geschichtsunterricht auf Französisch gibt, andere über Kopfhörer und Tablet einem Geschichtskurs auf Deutsch folgen, der zeitgleich stattfindet. 

„Das stellte uns organisationstechnisch vor Herausforderungen. Wir haben aber in allen Klassensälen eine stabile Internetverbindung, sodass dieses Vorhaben gelingen sollte“, sagt Sylvie Wagner. Lehrer, die einer Risikogruppe angehören, halten indes den Unterricht weiter von zu Hause. Sie werden per Videokonferenz in den Klassensaal geschaltet. 

Die Abschlussprüfungen werden in der Sportshalle abgehalten werden.
Die Abschlussprüfungen werden in der Sportshalle abgehalten werden.
Foto: Lex Kleren

Auf die große Pause müssen die Schüler ab Montag aber vergebens warten. Denn die findet für den Rest des Schuljahres nicht mehr statt. Zwischen den sechs Unterrichtseinheiten haben die Schüler im Fieldgen jeweils zehn Minuten Pause, auf den Schulhof dürfen nur die untersten Klassen. Sie werden in Gruppen aufgeteilt, die sich nur in bestimmten Teilen des Hofs aufhalten dürfen. 

Und auch die Zirkulation innerhalb des Gebäudes wurde neu strukturiert, damit auch dort die Vorschriften eingehalten werden können, so Sylvie Wagner. Der Zugang zum Sekretariat und zum Schülerbetreuungsdienst ist nur noch per Termin möglich – an kritischen Punkten wurden Plexiglasscheiben errichtet, um das Infektionsrisiko zu senken. 

Essen in der Tüte

Anders als in anderen Schulen bleibt die Kantine im Fieldgen allerdings geöffnet. Allerdings nur für die Schüler, die im Internat leben. Alle anderen können wie in den anderen Schulen auch auf eine sogenannte „Frupstuut“ zurückgreifen, die den Schülern jeden Morgen vor den Klassensaal geliefert wird. Darin enthalten sind aber nur kalte Speisen.


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Innerhalb der Schule wird Aufsichtspersonal darauf achten, dass sich alle an die Hygienevorschriften halten. „Wir setzen dabei vor allem auf Aufklärung. Die Schüler müssen verstehen, warum die Regeln wichtig sind“, sagt Sylvie Wagner. Es gehe nämlich darum, dass die Regeln auch außerhalb der Schule eingehalten werden. Bei den Lehrern und bei den Schülern herrsche zurzeit eine Mischung aus Vorfreude und Angst. Manche würden sich mehr Sorgen machen als andere. Es sei aber besonders für einige Schüler wichtig, dass die Schule wieder anfängt. 

Der Heimunterricht verstärke nämlich die sozialen Unterschiede. Nicht jeder wachse in einem behüteten Zuhause auf, erhalte die notwendige Unterstützung oder habe ausreichend Rückzugsmöglichkeiten. Das habe sich auch auf die Psyche mancher Schüler ausgewirkt. Der psychologische Betreuungsdienst der Schule sei deshalb auch in den vergangenen Wochen geöffnet geblieben – auch wenn eine Fernbetreuung schwierig sei.


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Seit Ende der Osterferien konnten auch bereits einige Schüler wieder unter strengen Hygienevorschriften in die Schule zurückkehren. Einige, weil sie keinen ausreichenden Internetanschluss zur Verfügung hatten, andere, weil es ihnen zu Hause an der notwendigen Unterstützung fehlte oder sie dort nicht die Disziplin hatten, sich ausreichend am Fernunterricht zu beteiligen.

Die Schulöffnung sei also der richtige Schritt. Sylvie Wagner ist sich sicher: Die Vorbereitungen haben sich gelohnt. „Solange sich jeder an die Regeln hält, besteht in der Schule keine größere Gefahr als sonst wo.“ 

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