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Großbrand: Kronospan schließt Fremdeinwirkung aus
Lokales 18 6 Min. 02.08.2019 Aus unserem online-Archiv

Großbrand: Kronospan schließt Fremdeinwirkung aus

Großbrand: Kronospan schließt Fremdeinwirkung aus

Foto: CGDIS
Lokales 18 6 Min. 02.08.2019 Aus unserem online-Archiv

Großbrand: Kronospan schließt Fremdeinwirkung aus

Seit Freitagmorgen ist der Brand in Sassenheim gelöscht. Laut der betroffenen Firma Kronospan sei Selbstentzündung von Rinde die Ursache des Brandes gewesen.

Wie der CGDIS am Freitagmorgen auf Twitter mitteilte, ist das Feuer in der Industriezone in Sassenheim, das am Mittwochmorgen ausgebrochen war, endlich gelöscht. Mehrere Feuerwehren bleiben dennoch vorerst vor Ort, um die Situation im Auge zu halten und sicherzugehen, dass das Feuer nicht erneut entflammt.

Der CGDIS dankte den freiwilligen und professionellen Einsatzkräften, die rund 48 Stunden lang unermüdlich im Einsatz waren. Bei dem Großbrand wurde niemand verletzt.

Kronospan veröffentlichte am Freitagnachmittag in einem Schreiben, dass ihrer Meinung nach selbst-entzündete Rinde die Ursache des Brandes sei. Aktuell ginge man auch davon aus, dass keine Fremdeinwirkung mit dem Großbrand zusammenhänge, so das vom Feuer betroffene Unternehmen. 

Zudem hob Kronospan noch den "exzellent koordinierten Einsatz der Feuerwehr und die hohe Motivation der Feuerwehrleute" hervor. Dies hätte maßgeblich dazu beigetragen, dass das Feuer vom Holzlager sich nicht auf die Produktionsanlagen ausgeweitet hat. Die Produktion kann nun nach zwei Tagen Stillstand wieder normal in Betrieb gehen, heißt es. 

Rund-um-die-Uhr Einsatz

Am Donnerstag herrschte in der Industriezone Gadderscheier noch der Ausnahmezustand, nachdem am Mittwoch dort ein Großbrand auf dem Gelände einer Holzverarbeitungsfirma ausgebrochen war.

Das Feuer konnte laut CGDIS am Donnerstag im Laufe des Tages unter Kontrolle gebracht werden. Ein Großteil der Feuerwehrkräfte konnten somit wieder abziehen. Von den zeitweise 240 im Einsatz befindlichen Kräften waren am Nachmittag noch 50 mit Löscharbeiten beschäftigt. 

Am Donnerstag erklärte Cédric Gantzer, Pressesprecher des CGDIS, es könnte noch bis Freitagmorgen dauern, bis alle Glutnester komplett gelöscht seien. Bis dahin bestehe immer wieder die Gefahr, dass sich neue Brandherde entwickeln.   

Strategiewechsel

Am Donnerstagnachmittag hatten die Feuerwehrkräfte ihre Strategie geändert, wie Cédric Gantzer erklärt: „Wir haben damit begonnen, die brennenden Holzstapel wegzuräumen.“ Zum Einsatz kamen dazu Bagger. Ziel dieser Maßnahme sei es, die großen Holzstapel auseinanderzubreiten, um sicherzustellen, dass sich keine brennenden Reste mehr darunter befinden. So sollten kleinere Stapel geschaffen werden, die sich einfacher löschen lassen.   

Produktionsbereich nicht betroffen

Der Managing Director bei Kronospan Luxemburg, Peter Stadler, sagte dem "Luxemburger Wort" am Donnerstagmorgen auf Nachfrage hin, dass über die Höhe des Schadens noch keine Aussage gemacht werden könne. "Dank des engagierten Einsatzes und der hervorragenden Koordination der Feuerwehren konnte ein Überspringen des Feuers in den Produktionsbereich verhindert werden", so Peter Stadler.

 Stadler zeigte sich froh darüber, dass kein Personenschaden zu verzeichnen sei und die Anlagen verschont blieben. Man arbeite nun an der Ursachenforschung und an Maßnahmeplänen um in Zukunft ähnliche Vorfälle zu verhindern.

Stellungnahme der Gemeinde

In Stellvertretung des Sassenheimer Bürgermeisters bezog Schöffin Simone Asselborn-Bintz am Donnerstag im Gespräch mit dem LW Stellung zur Frage der Versorgung mit Löschwasser vor Ort. Die Feuerwehrmannschaften des CGDIS hatten schnell nach Beginn ihres Einsatzes beschlossen, zusätzliches Löschwasser per Lastwagen heranzuschaffen. „Es ist eine Wasserleitung des Syndicat des Eaux du Sud (SES) vor Ort“, präzisiert dazu Simone Asselborn-Bintz. „Nach meinen Informationen reicht dieses Wasser auch aus“, so die Schöffin. 

Der CGDIS hat dennoch beschlossen, zusätzliches Wasser heranzuschaffen, um schneller von allen Seiten den Brand unter Kontrolle zu kriegen. Zu keinem Augenblick sei die Wasserversorgung infrage gestellt gewesen, so Simone Asselborn-Bintz. Sie fügt hinzu, dass die technischen Dienste der Gemeinde Sassenheim und die Verantwortlichen des SES sofort Maßnahmen ergriffen hätten, um die Wasserversorgung vor Ort und auf dem gesamten Gemeindegebiet zu gewährleisten. Was die vorhandenen Brandschutzmaßnahmen bei der Kronospan angeht, so betont die Sassenheimer Schöffin, dass es bei der Kronospan eine Sprinkleranlage gibt. 

Was weitere Brandschutzmaßnahmen angeht, so verweist sie darauf, dass es sich bei der Gadderscheier um eine nationale Aktivitätszone handelt. Hier sei das Wirtschaftsministerium zuständig. Simone Asselborn-Bintz erinnert auch daran, dass die Rettungskräfte beim ersten Alarm von einem kleineren Brand der ersten Kategorie ausgingen. Erst als die ersten Mannschaften des CGDIS vor Ort waren, wurde der Brand in die dritte Kategorie eingestuft. 

Die Geschehnisse seit Mittwochmorgen

Begonnen hatte der Großeinsatz am Mittwochmorgen. In der Industriezone hatten sich zuerst einige Paletten entzündet, im Anschluss hatten die Flammen auf die großen Rohholzstapel von Kronospan übergegriffen. Das Feuer wurde der Zentrale der Rettungsdienste gegen 10.30 Uhr gemeldet.

Nachdem es zuerst ausgesehen hatte, als habe man den Brand schnell unter Kontrolle, machten unglückliche Umstände ein Löschen der Flammen unmöglich. Immer wieder loderte das Feuer auf und so kam es, dass man auch am Abend noch nicht definitiv Herr der Lage war. "La nuit sera longue", twitterte der Direktor des CGDIS, Paul Schroeder, am späten Mittwochabend.  

Verstärkung aus dem Grenzgebiet


Kronospan - Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort
Holz im Kreislauf
In Sassenheim produziert Kronospan erstmals OSB-Grobspanplatten mit Recyclingholz - mehr als 200 Millionen Euro wurde bislang in die neue Anlage investiert - weitere 100 Millionen folgen.

Um 20 Uhr waren rund 240 Feuerwehrleute vor Ort, die Flammen ragten teilweise noch hoch in den Himmel. "Wir haben den Einsatz aufgestuft auf das Niveau 'Bataillon', sodass mehr Kräfte zur Verfügung gestellt werden konnten", erklärte Cédric Gantzer, Pressesprecher des CGDIS. Diese Aufstufung sei nötig gewesen, da es sich um eine große Brandlast handle, so der Sprecher weiter.

Im Laufe des Nachmittags war wegen der großen Hitze ein Reservoir geplatzt. Diesen Vorfall, so der CGDIS in einer Mitteilung, sei allerdings schnell unter Kontrolle gebracht worden.

Unterstützung kam aus allen Ecken des Landes. Auch Feuerwehrkräfte aus Frankreich rückten mit großen Schaum- und Wassertanks an. Gegen 20 Uhr berichtete der CGDIS-Sprecher: "Wir werden nun versuchen, mit einer massiven 'Schaum-Attacke' die Flammen zu bekämpfen. Da das Feuer derzeit noch nicht unter Kontrolle ist." 

Eine überwältigende Aufnahme des Brandes aus der Luft.
Eine überwältigende Aufnahme des Brandes aus der Luft.
Foto: CGDIS

Alarmbereitschaft und Wasserverschmutzung

Alle Feuerwehren des Landes waren vorsorglich in Bereitschaft versetzt worden. Die Beschaffenheit des Materials und der Wind hatten die Flammen am Mittwoch immer wieder angefacht. Schwierigkeiten vor Ort machte auch das Beschaffen von ausreichend Löschwasser. Teilweise musste das Wasser über mehr als zwei Kilometer zum Einsatzort herbeigepumpt werden.

Es wurde ein Pendeldienst mit Tankwagen zwischen dem Einsatzzentrum Sassenheim-Differdingen und dem Brandort eingerichtet. Auch dies ist ein Grund, wieso man besonders viele Korps mobilisierte. Eine ganze Armada an Tankwagen fuhr unermüdlich durch die Industriezone Gadderscheier. Die Zusammensetzung der brennenden Materialien und die Auslegung des Firmengeländes machte es den Feuerwehrleuten schwer, die Flammen unter Kontrolle zu bringen. 

Das Wasserwirtschaftsamt begab sich nach Sassenheim und prüfte gemeinsam mit dem CGDIS, ob durch die großen Mengen an Löschwasser eine Verschmutzung der umliegenden Bachläufe entstanden war.

Auch ein Silo soll Opfer der Flammen gewesen sein. Der CGDIS-Sprecher versichert aber, dass "dieser Vorfall sofort bewältigt wurde". Zeitweise hatte sich sehr starker Rauch entwickelt. Aus diesem Grund war der Aufruf an die Bevölkerung in der Umgebung ergangen, Fenster und Türen nach Möglichkeit geschlossen zu halten.  

Falsche Entwarnung

Am Mittwochnachmittag, gegen 13.30 Uhr, hatte die Gemeindeverwaltung von Sassenheim auf ihrem Internetportal fälschlicherweise bereits Entwarnung gegeben: Das Feuer sei unter Kontrolle, zudem bestehe auch durch die Rauchentwicklung keine Gefahr für die Gesundheit der Einwohner. Der CGDIS wiederholte auf Nachfrage am Mittwochnachmittag jedoch auch nach dieser Entwarnung die Empfehlung, Türen und Fenster geschlossen zu halten, und bestätigte, dass das Feuer noch nicht gelöscht sei.

 


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