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Grenzpendler: In diesen Orten leben Ihre Arbeitskollegen
Lokales 2 Min. 26.09.2019

Grenzpendler: In diesen Orten leben Ihre Arbeitskollegen

Grenzpendler: In diesen Orten leben Ihre Arbeitskollegen

Lokales 2 Min. 26.09.2019

Grenzpendler: In diesen Orten leben Ihre Arbeitskollegen

Die luxemburgische Wirtschaft ist auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Ein Überblick mit interaktiven Grafiken zeigt, in welchen Gemeinden sich die "Frontaliers" verstärkt niederlassen.

Von Jean-Michel Hennebert (Text) und Mariella de Crouy Chanel (Infografiken)

Luxemburg gilt als wirtschaftlicher Motor der Großregion. Nicht weniger als 198.125 Arbeitnehmer in Luxemburg haben einen Wohnsitz außerhalb des Landes, wie Statistiker im ersten Halbjahr 2019 erhoben. Das entspricht 45 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung. Der Anteil der Grenzpendler ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen: Im ersten Halbjahr 1999 lag der Anteil an nicht gebietsansässigen Arbeitskräften noch bei 33 Prozent.

Ob im Handel, in der Finanzwirtschaft oder im Bauwesen: Die "Frontaliers" findet man quer durch alle Branchen. Aber nicht nur Franzosen, Belgier und Deutsche fahren zum Arbeiten ins Großherzogtum — auch immer mehr Luxemburger überqueren auf dem Weg ins Büro eine Staatsgrenze. Die meisten Einpendler wohnen nicht weiter als 30 Kilometer von der Luxemburger Grenze entfernt, oft in Reichweite der Hauptverkehrsachsen. Dies geht aus Daten der Zentralstelle der Sozialversicherungen (Centre commun de la sécurité sociale, CCSS) hervor, die "wort.lu" in Infografiken aufbereitet hat.


ARCHIV - 17.11.2015, Brandenburg, Fürstenwalde: In einer Firma wird an einem Stahlsegment für einen Windradturm gearbeitet. Trotz der Konjunktureintrübung und des Stellenabbaus bei einigen Konzernen machen sich Wirtschaftsexperten vorerst keine großen Sorge um den Arbeitsmarkt. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Arbeitsmarkt in Luxemburg: Ohne Ausländer geht nichts
Insgesamt 180.000 Menschen pendeln jeden Tag aus dem benachbarten Ausland zur Arbeit ins Großherzogtum. Am stärksten sind Grenzpendler im Industriesektor gefragt. Das geht aus einer neuen Eurostat-Studie hervor.

In Frankreich – dem Land, aus dem die meisten Grenzpendler kommen – wachsen besonders jene Gemeinden, die direkt an der Grenze liegen. Aber auch entlang der Autobahn A31 in Richtung Metz siedeln sich vermehrt Arbeitnehmer mit Dienstort in Luxemburg an. In Belgien entstand rund um Arlon ein neuer Speckgürtel, während auf deutscher Seite das "Epizentrum" in der Region bei Trier liegt.

Die 104.000 Einpendler mit Wohnort in Frankreich verteilen sich mehrheitlich auf die größeren Ballungsräume in Lothringen. Besonders in Thionville flattern am Monatsende viele Lohnzettel aus dem nördlichen Nachbarland in die Briefkästen. 

Die 47.170 belgischen Arbeitnehmer, die in Luxemburg sozialversichert sind, verteilen sich auf nicht weniger als 450 Kommunen, die sich allesamt im grenznahen Gebiet befinden. Arlon und Umgebung erweisen sich hierbei als besonderer Hotspot. Im Gebiet zwischen Attert und Aubange wohnen laut den Zahlen des CCSS nicht weniger als 16.300 "Frontaliers", das entspricht fast der Hälfte der Gesamtzahl. Zwischen 2009 und 2019 wuchs Arlon um 1720 Einwohner, die ihre Arbeitstage aber in Luxemburg verbringen (Aubange: +1220, Attert: +370). Selbst in Charleroi oder Wavre – beide Städte liegen zwischen 180 und 200 Kilometer von Luxemburg-Stadt entfernt –  leben Dutzende Mitarbeiter von luxemburgischen Unternehmen. 

Deutschland beherbergt 46.863 Menschen, die über einen luxemburgischen Arbeitsvertrag verfügen. Allein in Trier und seinem Umland wohnen 12.500 Grenzgänger. Auch von Bitburg, Saarbrücken, Merzig und Mettlach aus setzt sich jeden Morgen eine größere Karawane an Luxemburg-Pendlern in Bewegung.  

Luxemburg hat in den vergangenen Jahren enorm an Attraktivität bei Grenzpendlern gewonnen. Deren Zahl stieg 2017 um 3,9 Prozent und 2019 um 4,5 Prozent, wie aus jüngsten Statec-Zahlen hervorgeht. Auch in den kommenden Jahren soll sich der Trend fortsetzen – die Verkehrsplaner stellt dies jetzt schon vor enorme Herausforderungen. 

Die Union des entreprises luxembourgeoises (UEL) geht davon aus, dass im Jahr 2040 580.000 Grenzpendler in Luxemburg arbeiten werden. Die Fondation Idea rechnet mit 600.000 bis 800.000 nicht gebietsansässigen Arbeitskräften bis zum Jahr 2060. Das würde dem Dreifachen oder sogar Vierfachen von heute entsprechen. Die Entwicklung dürfte den Druck auf die bereits dicht besiedelten Grenzgebiete in den Nachbarstaaten zusätzlich erhöhen. Eine gute Gelegenheit, die Raumplanung grenzübergreifend besser zu koordinieren.

Übersetzung: Jörg Tschürtz


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