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"Gravierende Sicherheitsdefizite"
Lokales 26.02.2016 Aus unserem online-Archiv
Cattenom

"Gravierende Sicherheitsdefizite"

Nach deutschen Standards müsste sie sofort stillgelegt werden: die Atomzentrale von Cattenom.
Cattenom

"Gravierende Sicherheitsdefizite"

Nach deutschen Standards müsste sie sofort stillgelegt werden: die Atomzentrale von Cattenom.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 26.02.2016 Aus unserem online-Archiv
Cattenom

"Gravierende Sicherheitsdefizite"

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Nicht ausreichende Sicherheitsvorkehrungen bei Störfällen, Standards der 1970er Jahre und eine lange Pannenserie: Ein deutscher Experte für Kernkraftwerke hält die Zentrale von Cattenom für ein Sicherheitsrisiko. Luxemburg will jetzt Erklärungen von der EU-Kommission.

(jag) - Sicherheitstechnisch befindet sich die Atomzentrale von Cattenom auf dem Stand der 1970er Jahre. Auf 70 Seiten weist der deutsche Atomexperte Manfred Mertins in seinem Bericht auf eklatante Schwachstellen der Anlage hin. Mertins war Sachverständiger für AKW-Sicherheit, unter anderem bei der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit.

Der Bericht wurde vom Grünen-Chef im Bundestag, Anton Hofreiter, in Auftrag gegeben, er liegt der Zeitung "Trierischer Volksfreund" vor. Demnach müsste das Kraftwerk nach deutschen Standards sofort stillgelegt werden. Mertins spricht von gravierenden Defiziten gegenüber internationalen Standards. So fehlten doppelte Sicherheitsvorkehrungen für den Fall, dass ein Sicherheitssystem ausfalle. In dem Moment gäbe es keine zusätzliche Sicherung.

Nachrüstungen reichen nicht aus

Auch die Nachrüstungen in Folge der Reaktorkatastrophe von Fukushima seien nicht ausreichend. Sie beträfen vor allem das betriebliche Sicherheitsmanagement, sie sorgten aber nicht für mehr Schutz und Sicherheit. Im Falle einer Kernschmelze könnten die Betreiber nicht schlüssig nachweisen, wie der Druck im Primärkreislauf sicher abgebaut werden könnte. Gegen katastrophale Ereignisse von außen wie Flugzeugabstürze, Erdbeben oder Überschwemmungen sei die Zentrale nicht ausreichend gesichert.

Reaktion aus Luxemburg

In einem mit dem Gesundheitsministerium abgestimmten Schreiben verlangt Umweltministerin Carole Dieschbourg jetzt Erklärungen von der Europäischen Kommission. In erster Linie will man erfahren, wie Brüssel angesichts dieser erheblichen Kritiken reagieren will.

Der Europaagbeordnete der Grüne Claude Turmes verlangt indes die sofortige Stillegung der Zentrale.Die Studie zeige eindeutig dass trotz aller Versprechungen nichts getan worden sei, um Cattenom nach der Fukushima-Katatsrophe nachzurüsten. Da der Atomtechnikkonzern AREVA so gut wie bankrott sei, weitem weitere, dringend notwendige  Investitionen kaum zu erwarten. Auch die EU-Kommission käme ihrer Verantwortung in dieser Frage nicht nach.

Weitere Laufzeitverlängerung geplant

Am Dienstag hatte der Direktor der Anlage Guy Catrix behauptet, die 37 Zwischenfälle im letzten Jahr seien unbedeutend gewesen. Experten halten die Zentrale allerdings für eine Pannenanlage. Die Betreibergesellschaft EDF hat die ursprünglich geplante Laufzeit durch Umrüstungen um zehn Jahre verlängert. Catrix kündigte zudem an, dass Cattenom sogar weitere 30 Jahre am Netz bleiben solle.

Die Anlage in Cattenom ging 1979 in Bau, sie nahm im November 1986 den Betrieb auf. Die Sicherheitsvorkehrungen und die Bauweise entsprechen dem damaligen Stand der Technik.

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