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Google: Skepsis in Bissen
Lokales 8 1 4 Min. 21.11.2019

Google: Skepsis in Bissen

Lokales 8 1 4 Min. 21.11.2019

Google: Skepsis in Bissen

Jeff WILTZIUS
Jeff WILTZIUS
Der Internetgigant hatte am Donnerstagabend zu einer Infoversammlung über das geplante Datenzentrum am Ort genannt "Busbierg" in Bissen eingeladen. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, viele fanden keinen Sitzplatz. Den Verantwortlichen von Google stand viel Misstrauen gegenüber.

Pünktlich um 18 Uhr begann der Diskurs mit einem „Moien“ der Repräsentanten des Internetriesen. Für Google waren unter anderem Fabien Vieau, Googles Regionaldirektor für Datencenter und Standortstrategie, und Frederic Descamps, Manager für Rechenzentren für Google, ins Kulturzentrum Frounert gekommen. Gebannt hörten die gut 400 interessierten Bürger der 30-minütigen Projektvorstellung zu.


Den Einwohnern von Bissen wurde in der Präsentation ein provisorisches Vorprojekt vorgestellt. Um das Baugelände wäre nach dem Entwurf ein grüner Gürtel mit Wiesen und Laubbäumen vorgesehen. Dieser soll Umwelteinflüsse verringern und ebenfalls einen Sichtschutz bilden. Vom Gelände würden nur etwa 30 Prozent der Fläche zum Bau der beiden Gebäudekomplexe benutzt werden.  

Die Reaktionen der Bürger waren gemischt. Einige waren nach der Versammlung in ihrer Zustimmung bestärkt, Kritik blieb aber auch nicht aus, wie diese Aufnahmen von nach der Versammlung belegen:

Auch zwei Computersimulationen, die das Datenzentrum in der Landschaft von Bissen zeigen, wurden gezeigt. Die Aussage eines der Google-Verantwortlichen, nach dem Bau des Projektes würde man nur grüne Wiesenlandschaft erkennen, löste im Publikum Schmunzeln aus. Insgesamt könne die Außenfassade des Gebäudes aus einer grün-lackierten Fassade bestehen, mit Pflanzen bewachsen, so der Mann. Damit wäre der Bau fast komplett in die Umgebung integriert.

Google zeigt Einsatz


Im Juni kündigte Google bereits an, ein neues Datenzentrum im Wert von 600 Millionen Euro im belgischen Saint-Ghislain zu errichten.
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Der Internetkonzern bleibt vage in Bezug auf die mögliche Errichtung eines Datencenters in Luxemburg.

Ein weiterer Punkt der Präsentation waren die akustischen Auswirkungen des Datenzentrums auf die Umwelt. Laut den Google-Managern wären diese sehr gering. Der Datenriese würde bereits jetzt Vorkehrungen einplanen, die den Lärm reduzieren sollen. Aus der langjährigen Erfahrung bei ähnlichen Projekten, hätte Google bisher noch keine Probleme mit Lärmverschmutzung gehabt. Ebenfalls gingen die Vertreter des Konzerns auf andere Punkte ein: So werde eine neue Straße und neue Infrastrukturen gebaut. Parkplätze für Elektroautos und eine Fotovoltaikanlage seien vorgesehen.

Am Ende zeigten die Konzernmitarbeiter Ideen und Bilder als Anregung für den Innenausbau. Dabei wäre die Zusammenarbeit zwischen dem Konzern und den Mitarbeitern vor Ort sehr wichtig.

Wichtig ist Google eine gute Nachbarschaft zwischen Gemeinde und Konzern.    

Viele offene Fragen - skeptische Zuhörer

Beim Publikum herrschte am Donnerstag weiterhin Skepsis. Die ersten Fragen der Zuhörer waren zum genauen Wasserverbrauch und dem Einfluss auf die Alzette. Laut Konzern läge der ökologische Einfluss in der ersten Phase bei einem Prozent. In einer späteren Phase bei zwei Prozent. 

Fabien Vieau
Fabien Vieau
Foto: Gerry Huberty

Der Einfluss auf die Qualität des Wassers, das zurück in die Alzette läuft, sei sehr gering, erklärt Google. Die Temperatur würde nur minimal ansteigen. Der Anstieg läge unter den europäischen Normen. Diese Daten seien mit dem Wasserschutzamt im Jahr 2018 ausgearbeitet worden. Konkrete Zahlen und Lösungen wurden nicht genannt.

Auf die Frage nach konkreten Wasserverbrauchszahlen - etwa eines bestehenden Datenzentrums aus Belgien - wollten die Verantwortlichen des Konzerns aus Kalifornien aus Konkurrenzdruck nicht eingehen.

Von den Anwesenden kritisiert wurde ebenfalls, dass bei Wassermangel in der Alzette das Trinkwasser angezapft werde sollte. Dazu kam die Frage, warum Google auf einen geschlossenen Wasserkreislauf verzichtet. Doch in einem System mit geschlossenem Wasserkreislauf, wäre der Aufwand laut Google größer. Eine klare Antwort, woher das Wasser zur Kühlung kommen soll bleibt offen.

Magnetfelder und Erderwärmung

Ein weiterer Schwerpunkt war, welchen Einfluss die Strahlung des Datenzentrums auf die Gesundheit der Anwohner hat. Google bezog sich auf europäische Normen, welche auch in Bissen eingehalten würden. Themen waren zudem der Einfluss des Internetgiganten auf die Erderwärmung und die Lebensdauer eines Datenzentrums von 20 bis 30 Jahre. 

Hinzu kam der gewählte Standort auf der Anhöhe und die Lichtverschmutzung. Zu letzterem sagten die Google-Manager, das Datenzentrum werde nachts nur minimal beleuchtet. So seien auch spezielle Sicherheitskameras mit Infrarottechnik geplant.

CSV und Méco verlangen mehr Informationen

Die CSV wünsche sich im Dossier Google mehr Transparenz von Wirtschaftsminister Etienne Schneider, so der Abgeordnete Laurent Mosar am Donnerstag in einem offenen Brief nach der parlamentarischen Wirtschaftskommission.

Frederic Descamps
Frederic Descamps
Foto: Gerry Huberty

Seine Partei würde den Mangel an Information nicht akzeptieren und sei der Meinung, die Abgeordnetenkammer müsse eine Kopie des "Memorandum of understanding" bekommen, welches zwischen Google, der Regierung und der Gemeinde Bissen existiere. Auch solle Wirtschaftsminister Etienne Schneider den Mitgliedern der Kommission Rede und Antwort stehen.

Der Mouvement écologique (Méco) hatte im Juli beim Innenministerium eine detaillierte Reklamation gegen die vom Gemeinderat beschlossene Umklassierung eingereicht. Ein Einwand des Méco war, das in der öffentlichen Prozedur ausliegende Dossier sei nicht vollständig, ja sogar sehr lückenhaft gewesen, weil elementare Daten und Szenarien unter anderem zur Wasserver- und -entsorgung, Flächenverbrauch und Mobilität fehlten.  

Zwei Phasen - 1,2 Milliarden Euro

Das Datenzentrum soll in zwei Bauphasen entstehen. Google plant zwei 30.000 Quadratmeter große Gebäude mit zwei Stockwerken bis zu 25 Meter Höhe. Jeder der beiden Bauabschnitte kostet 600 Millionen Euro – das ergibt eine Gesamtinvestition von 1,2 Milliarden Euro. Auch versprechen die Verantwortlichen einige Hundert neue Arbeitsplätze für Luxemburg. Der enorme Wasserverbrauch stellt die Planer vor eine große Herausforderung. Laut Google würde die Anlage das Wasser, welches das Rechenzentrum zum Kühlen benötigt, aus der Alzette ziehen. Die Nutzung der Abwässer der angrenzenden Molkerei wurde als Alternative in Betracht gezogen. Doch in den trockenen Sommermonaten müsste der Internetgigant auf das Trinkwasser des Aufbereiters Sebes zurückgreifen. 

Auf der braunen Fläche in der oberen Bildhälfte soll das Datacenter entstehen.
Auf der braunen Fläche in der oberen Bildhälfte soll das Datacenter entstehen.
Foto: Frank Weyrich


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