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Google-Datenzentrum in Bissen nimmt wichtige Hürde
Lokales 3 Min. 22.10.2020

Google-Datenzentrum in Bissen nimmt wichtige Hürde

Das Google-Datenzentrum soll in der Gewerbezone Klengbusbierg in Bissen entstehen.

Google-Datenzentrum in Bissen nimmt wichtige Hürde

Das Google-Datenzentrum soll in der Gewerbezone Klengbusbierg in Bissen entstehen.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 22.10.2020

Google-Datenzentrum in Bissen nimmt wichtige Hürde

Der Gemeinderat von Bissen hat am Donnerstag den Teilbebauungsplan für das geplante Rechenzentrum von Google gestimmt.

(jt/jag) - Mit breiter Mehrheit hat der Gemeinderat von Bissen am Donnerstag den Teilbebauungsplan (plan d'aménagement particulier, PAP) für das geplante Google-Rechenzentrum genehmigt. Für das umstrittene Projekt sprachen sich zehn von elf Gemeinderäten aus. Nur CSV-Gemeinderat Christian Hoscheid stimmte dagegen.

Bürgermeister David Viaggi informierte den Gemeinderat über den Stand der Dinge im Dossier Google.
Bürgermeister David Viaggi informierte den Gemeinderat über den Stand der Dinge im Dossier Google.
Foto: Gerry Huberty

Das Ergebnis hatte sich bereits in den letzten Monaten abgezeichnet, nachdem Google nach Aussagen der Gemeindeverantwortlichen in einigen Punkten eingelenkt hatte. So soll das Datenzentrum kleiner als geplant werden. Die vor Ort vorhandenen Stromkapazitäten reichten zudem aus und müssten nicht ausgebaut werden, um die Anlage mit Energie zu versorgen. Zudem soll für die Kühlung der Server nur Wasser aus der Kläranlage Mersch – und kein Trinkwasser – genutzt werden. Der Staat habe zudem zugesagt, straßenbauliche Maßnahmen zu setzen, um den Ortskern von Bissen zu entlasten.  


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„Bis Google nach Bissen kommt, ist es noch ein weiter Weg“, unterstrich Bürgermeister David Viaggi am Donnerstag. Der Beschluss des PAP war die Voraussetzung, damit die eigentliche Genehmigungsprozedur für das Großprojekt beginnen kann. Das 33 Hektar große Gelände im Gewerbegebiet Klengbousbierg war im Januar vergangenen Jahres in eine „Spezialzone“ umgewidmet worden. 

Foto: Gerry Huberty

Negative Folgen

 Bereits die strategische Umweltprüfung bei der Umklassifizierung des Geländes hatte erhebliche Auswirkungen aufgezeigt: Es werden Biotope zerstört, wertvolles Ackerland verschwindet unwiderruflich, Nistplätze von seltenen Vögeln werden zerstört, ebenso wie der Lebensraum von Fledermäusen. Zudem ist der Landverbrauch enorm und der baustellenbedingte Verkehr wird zunehmen. Hinzu kommen Folgeerscheinungen wie ein sehr hoher Energieverbrauch, Lärmemissionen und schließlich ein bisher nicht abzusehender Verbrauch an Kühlwasser.

 Und auch am Donnerstag zeigten die beiden Bissener Bürgerinitiativen Flagge: Vor dem alten Rathaus, auf das wegen des größeren Sitzungssaals zurückgegriffen worden war, wurden Plakate mit den Hauptkritikpunkten platziert. Und auch im gut gefüllten Sitzungssaal tauchten ab und zu Protestplakate auf. Allgemein ging es aber sehr gesittet zu.

 Bürgermeister David Viaggi (Är Leit) konnte denn auch eine ganze Reihe von Punkten im abgeänderten PAP vorstellen, die die Gemüter des Großteils der Räte beruhigten. „Sowohl Google als auch der Staat sind uns entgegengekommen und dies ist ganz im Interesse der Bissener Bürger“, so Viaggi. Nach einem Exkurs in den historischen Ablauf der Prozeduren ging Viaggi Punkt für Punkt die Liste der Beanstandungen und die vorgeschlagenen Lösungen durch. „Die wichtigste Information ist wohl die, dass das Datenzentrum insgesamt kleiner dimensioniert werden wird, als es zu Beginn geplant wurde“, so Viaggi. Dies wirke sich insgesamt positiv auf den Wasser- und auf den Stromverbrauch aus. 

Wasser aus Kläranlage

Der hohe Wasserverbrauch war von Anfang an einer der Hauptkritikpunkte. Kühlwasser sollte einmal aus der Attert, dann wieder aus der Alzette oder aber über eine eigene Sebes-Leitung herangeschafft werden. „Uns gefielen all diese Lösungen nicht“, so Viaggi. „Nachdem das Wasserwirtschaftsamt erklärt hatte, dass es jederzeit bestimmen könne, wie viel Wasser Google aus Gewässern abpumpen dürfe, hat man beim Internetriesen umgedacht. Das benötigte Wasser wird jetzt einzig und allein aus der Sidero-Kläranlage in Mersch abgepumpt“, erklärte Viaggi. Demnach sei die Qualität den Überprüfungen zufolge ausreichend für die Kühlung des Datencenters. 

Weil die Anlage insgesamt kleiner wird, ist außerdem auch die vor Ort bestehende Stromversorgung ausreichend. Neue Leitungen müssen also nicht verlegt werden. Garantien gab Google laut Viaggi auch, bei der viel kritisierten Maximalhöhe der Gebäude. Hier gelten 25 Meter über der Referenzmarke von 266 Metern. Viaggi gab zudem zu verstehen, dass Google eine aufwendige Lärmstudie mit verbindlichen Auflagen in Auftrag gegeben habe. Auch die Umweltimpaktstudie sei in Angriff genommen worden, um die Auswirkung auf Mensch, Flora und Fauna sowie kulturelle Güter zu untersuchen. 

Straßenbauprojekte versprochen

Schließlich kündigte Viaggi als Kirsche auf dem Kuchen staatliche Zusagen zu Straßenbauprojekten an, welche Bissen vom Durchgangsverkehr entlasten. Kritik kam trotz dieser zahlreichen Bonbons einzig aus den Reihen der CSV. Insbesondere Rat Christian Hoscheid zeigte sich von den Versprechungen nicht überzeugt. Es würden schriftliche Garantien fehlen und Google würde immer noch Details hinter dürren zwölf Seiten PAP verstecken. Auch die beiden Interessenvereinigungen Biergerinitiativ Un der Atert und Pro Biissen zeigten sich wenig begeistert. Die Vorteile für Bissen sein nicht zu erkennen: „Das Wasser, das man jetzt aus der Kläranlage abpumpt, fehlt im Endeffekt der Alzette. Wo ist da der Unterschied? “, meinte Denise Fischer-Thomas von der Biergerinitiativ Un der Atert. Auch Daniel Hientgen von der Bierginitiativ Pro Biissen zeigt sich enttäuscht. „Wir hatten uns dieses Ergebnis erwartet. Aber hier wurden viele schöne Versprechen gemacht, es wurde aber nichts schriftlich festgehalten.“ 



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