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"Gigaliner" bald auch in Luxemburg?
Gigaliner fahren schon seit Jahren in Skandinavien. Allerdings bevorzugt in wenig besiedelten Gegenden.

"Gigaliner" bald auch in Luxemburg?

Foto: Krone
Gigaliner fahren schon seit Jahren in Skandinavien. Allerdings bevorzugt in wenig besiedelten Gegenden.
Lokales 4 Min. 10.04.2012

"Gigaliner" bald auch in Luxemburg?

Sie werden Gigaliner, EuroCombi oder Ökoliner von den Befürwortern genannt, während Gegner eher von Megatrucks oder sogar Monstertrucks sprechen. Gemeint sind Riesen-Lastwagen, die etwa 25 Meter lang sein und bis zu 60 Tonnen wiegen können.

Von Nicolas Anen

Sie werden Gigaliner, EuroCombi oder Ökoliner von den Befürwortern genannt, während Gegner eher von Megatrucks oder sogar Monstertrucks sprechen. Gemeint sind Riesen-Lastwagen, die etwa 25 Meter lang sein und bis zu 60 Tonnen wiegen können. Aktuell wird in Europa über einen möglichen grenzüberschreitenden Verkehr von solchen Lastern gesprochen. Die luxemburgische Regierung will sich der Diskussion „nicht verschließen“, unterstreicht aber, dass ein Einsatz von solchen Fahrzeugen nur in Erwägung gezogen werden könne, wenn auch die Sicherheit im Straßenverkehr gewährleistet sei.

Seit Jahren fahren sogenannte Gigaliner in den skandinavischen Ländern, unter anderem im Auftrag der Holzindustrie. Die dänische Regierung (Dänemark hat derzeit den EU-Ratsvorsitz) macht sich nun für den grenzüberschreitenden Verkehr von solchen Gigalinern in Europa stark.

„Die bestehende Gesetzgebung erlaubt den Einsatz von diesen Gefährten auf nationaler Basis in den Mitgliedsländern, die dies erlauben. Aktuell sind das vor allem die skandinavischen Länder und die Niederlande“, erklärte EU-Abgeordneter Georges Bach letzte Woche, nachdem das Thema im Europaparlament Wellen geschlagen hatte. Seit Anfang des Jahres laufen auch Feldversuche in sieben Bundesländern in Deutschland (weder das Saarland noch Rheinland-Pfalz nehmen allerdings daran teil).

Diese sollen bis 2017 andauern. Die aktuelle europäische Gesetzgebung erlaubt eine maximale Länge von 18,75 Metern und ein maximales Gewicht von 40 Tonnen für Lastkraftwagen. Gigaliner können aber bis zu 9 Meter länger und bis zu 20 Tonnen schwerer sein, so Georges Bach weiter. Der EU-Abgeordnete hegt Sicherheitsbedenken und warnt vor den Folgen für den Bahnverkehr.

Aus drei mach zwei

Verteidiger der Gigaliner weisen ihrerseits darauf hin, dass zwei Gigaliner drei herkömmliche Lastwagen ersetzen. Nicht nur CO2, sondern auch Transportkosten sollen eingespart werden. Deshalb sieht Alain Petry vom „Groupement transport Luxembourg“ der Handelskonföderation den Gigalinern „sehr positiv“ entgegen. „Ich könnte mir vorstellen, dass ein Straßennetz definiert wird, auf dem sie eingesetzt werden dürfen.

Es ist klar, dass die Laster nicht auf der Strecke von Wiltz nach Clerf fahren dürften.“ Konkret könne zum Beispiel die Durchfahrt auf Autobahnen erlaubt werden. Von Seiten der Regierung heißt es, man verschließe sich dem Thema nicht. „Die Sicherheit im Straßenverkehr ist und bleibt die oberste Priorität, und nur wenn diese garantiert ist, könnte der Einsatz von solchen Fahrzeugen in Erwägung gezogen werden“, erklärt Dany Frank, Pressesprecherin des Nachhaltigkeitsministeriums. Gespräche laufen auf nationaler und internationaler Ebene, während die anlaufenden Studien „mit Interesse“ verfolgt werden.

Aktuell ist in Luxemburg laut dem „Code de la Route“ eine „autorisation exceptionnelle“ von Seiten des Nachhaltigkeitsministeriums notwendig, um den Einsatz eines Gigaliners zu erlauben. „Prinzipiell müsse man sich auf mehrere Strecken festlegen“, so Dany Frank weiter. Korridore außerhalb der Autobahnen seien theoretisch auch denkbar, doch wären einzelne Punkte zu vermeiden, so zum Beispiel Ortschaften, Kreisverkehre, Kreuzungen ohne Verkehrsampeln oder Bahnübergänge.

Problemfall Hellingen

Theoretisch dürfte es auf den Autobahnen für den Transitverkehr von Gigalinern keine technischen Probleme geben, außer an Raststätten und am Kreisverkehr in Hellingen, die angepasst werden müssten, heißt es weiter aus dem Nachhaltigkeitsministerium. Brücken müssten auf Statik und Alterung kontrolliert werden, die Tunnels auf Brandschutz und Brandlüftung und die Sicherheitsapparatur (u. a. Leitplanken), ob sie ihrer Funktion noch gerecht wird.

Für die Fahrer wären keine speziellen Auflagen nötig. Sollten Gigaliner grenzüberschreitend erlaubt werden, müsse man jedoch die Möglichkeiten prüfen, spezielle Ausbildungen im Rahmen von obligatorischen Fortbildungskursen einzuführen. Was die Konkurrenz von Gigalinern gegenüber dem Bahnverkehr betrifft, stelle sich die Frage noch nicht, so Dany Frank. Aktuell könnten Luxemburger Transportfirmen 25-Meter-Lastwagen nur für Transporte innerhalb von Luxemburg (vorausgesetzt sie haben die nötige Sondergenehmigung) einsetzen.

Außerdem sei klar, dass für Warentransport auf längeren Distanzen der Zug oder das Schiff die bessere Alternative darstelle. Das Weißbuch der Europäischen Kommission für Transport (2011) sieht vor, bis 2030 30 Prozent der Transportgüter auf Distanzen von über 300 Kilometer von der Straße auf die Bahn oder die Flussfahrt zu verladen. Bis 2050 soll dieser Anteil sogar auf 50 Prozent ansteigen. Gigaliner-Gegner befürchten jedoch, dass man sich mit diesen Superlastwagen diesen Zielen eher entfernen als nähern wird.