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Giftköder und Rasierklingen: Hundemörder oder Rattenfänger?
Lokales 3 Min. 04.06.2015 Aus unserem online-Archiv

Giftköder und Rasierklingen: Hundemörder oder Rattenfänger?

Hunde, die nicht angeleint oder unzureichend erzogen sind, laufen eher 
Gefahr, sich durch den Verzehr eines vermeintlichen „Leckerlis“ zu vergiften oder zu verletzen.

Giftköder und Rasierklingen: Hundemörder oder Rattenfänger?

Hunde, die nicht angeleint oder unzureichend erzogen sind, laufen eher 
Gefahr, sich durch den Verzehr eines vermeintlichen „Leckerlis“ zu vergiften oder zu verletzen.
Foto: Shutterstock
Lokales 3 Min. 04.06.2015 Aus unserem online-Archiv

Giftköder und Rasierklingen: Hundemörder oder Rattenfänger?

Beim Blick in die sozialen Netzwerke hat man den Eindruck, dass vermehrt Meldungen über vergiftete und verletzte Hunde die Runde machen. Oft ist es schwierig, zwischen authentischen Warnungen und Panikmacherei zu unterscheiden.

(mth) - Die Warnungen machen seit einigen Jahren die Runde, manchmal sind es mehr, manchmal weniger. Tierquäler, heißt es darin, würden Köder auslegen, in denen Gift, Reißzwecken oder Rasierklingen verborgen sind. Offenbar mit dem einzigen Ziel, die Tiere zu töten oder schwer zu verletzen. Was ist dran an diesen Behauptungen?

Nicht immer sehr viel, glaubt man dem Sprecher der Luxemburgischen Polizei Serge Arendt: „Uns ist ein einziger Fall in den vergangenen Monaten bekannt. Eine Frau aus Bettemburg meldete sich, nachdem ihr Hund schwer erkrankte und später verendete. Wir können aber zur Zeit weder bestätigen, ob es sich wie vermutet um eine Vergiftung handelte, noch, dass diese gegebenenfalls mit Absicht herbeigeführt wurde.“

Über ähnliche Fälle wurde in den vergangenen Monaten aus Echternach oder der Moselgegend berichtet – unter anderem in einer Facebook-Gruppe namens „Gëftköder Lëtzebuerg“, die nach dem Vorbild ähnlicher beispielsweise in Deutschland geschaffen ist, wo das Phänomen bereits seit einigen Jahren existiert. Dort werden Posts oder Links veröffentlicht, die Hundehalter vor der vermeintlichen Gefahr warnen sollen – leider sind die Berichte nicht immer zu belegen und in einigen Fällen handelt es sich gar um Falschmeldungen, die seit Jahren immer wieder aufgefrischt werden. Oft ist es schwierig, wenn nicht unmöglich, zwischen authentischen Warnungen und Panikmacherei zu unterscheiden.

Innere Blutung durch Rattengift

Dabei gibt es durchaus reale Fälle, in denen Hunde vergiftet wurden und starben. Wie Anfang März, als Carole Peusch mit ihrem Hund in Wasserbillig spazieren ging. Kurze Zeit später wurde das Tier schwer krank, übergab sich und zeigte Anzeichen innerer Blutungen: „Ich fuhr nach Trier zu meinem Tierarzt. Eine Analyse ergab tatsächlich, dass der Hund mit Rattengift vergiftet worden war.“ Nach drei Tagen musste das Tier leider eingeschläfert werden. Wo das Gift herkam und ob es sich um eine absichtlich herbeigeführte Vergiftung handelte, bleibt unklar, so Peusch: „Ich habe nicht gesehen, ob der Hund etwas gefressen hat und auch keine Köder gefunden“.

Giftköder zur Vernichtung von Nagern seien in Luxemburg überall frei verkäuflich und würden an manchen Orten auch ausgelegt, weiß auch die Hundetrainerin Sarah Neu: „Das war schon immer so und man muss sicher vorsichtig sein, um keine Panik zu schüren.“

Neu bietet wie andere Hundetrainer in Luxemburg seit kurzem auch Workshops an, die den Hundehaltern das nötige Wissen vermitteln sollen, um eine Vergiftung durch die Aufnahme gefährlicher Objekte zu verhindern. Die Trainerin bietet die Weiterbildung auch erst an, seitdem die Gefahr in den sozialen Netzen stärker thematisiert wird. Eigentlich eine Notlösung, denn: „Eigentlich sollten schon Welpen so erzogen werden, dass sie nicht wahllos alles vom Boden auflesen und fressen.“

Dass vermeintliche Leckerlis mit gefährlichem Inhalt für Hunde eine tödliche Falle darstellen können, bestreitet niemand. Ob es sich allerdings um eine akute und allgegenwärtige Bedrohung handelt und immer eine böswillige Absicht hinter solchen Zwischenfällen steckt, das scheint nüchtern betrachtet mehr zweifelhaft zu sein, wie Polizei und Tierärzte immer wieder versichern. Warn-Posts können unter Umständen sogar kontraproduktiv sein, da sie Trittbrettfahrer auf den Plan rufen können.

Hundehalter in der Verantwortung

Im Endeffekt seien es die Hundehalter, die sich ihrer Verantwortung stellen müssten, so Sarah Neu: „Es kann durchaus vorkommen, dass sich Menschen durch Hunde belästigt fühlen und dann zu drastischen Maßnahmen greifen.“ Auch wenn dies nicht entschuldbar sei, müsse man aber auch die Verantwortung der Halter sehen, die ihr Tier möglicherweise nicht oder unzureichend erzogen hätten oder eventuelle Belästigungen ihres Umfelds nicht wahrhaben wollten.

Ein gut erzogener Hund laufe nämlich auch weniger Gefahr, zum Ziel eines Hundehassers zu werden, so Neu: „Ein gut erzogener Hund hat eben auch mehr Freiheiten, auch wenn diese Einsicht bei manchen noch nicht angekommen ist.“


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