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Gewürgt und misshandelt
Lokales 3 Min. 14.01.2019

Gewürgt und misshandelt

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

Gewürgt und misshandelt

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.
Pierre Matgé
Lokales 3 Min. 14.01.2019

Gewürgt und misshandelt

Weil er eine Frau sexuell missbraucht und gewürgt haben soll, muss sich derzeit ein 39-jähriger Mann vor Gericht verantworten. Die Anklage lautet auf Vergewaltigung und versuchter Totschlag.

(SH) - Nahe des St-Joseph-Parkplatzes in Esch/Alzette bemerkt ein Passant am Morgen des 7. Mai vergangenen Jahres eine junge Frau, die mit zerrissenen Kleidern am Boden liegt und sich generell in einem schlechten Zustand befindet. Der Passant verständigt die Polizei, die sich vor Ort begibt. „Die Frau war verstört und hat geweint, zeigte uns, dass sie keine Unterwäsche trug“, erklärte ein Polizist am Montag im Zeugenstand vor Gericht.

Zudem klagt sie über Unterleib- und Knieschmerzen und kann sich kaum auf den Beinen halten. Erst nach einer Erstversorgung kommen der Obdachlosen allmählich Bruchstücke von dem zurück, das ihr in den Stunden zuvor zugestoßen war. Sie erinnert sich an den Eingang zu einem Haus in der Rue du Fossé, an einen Mann namens Rui, der die Frau, die keine Unterkunft für die Nacht hatte, mit dorthin nahm und ihr eine Tablette gegen ihre Knieschmerzen gegeben hatte. Dann erinnert sie sich erst wieder daran, dass sie mitten in der Nacht auf einmal aufwachte, weil eben dieser Mann auf ihr saß und sie würgte.

Die Frau wird bewusstlos, schafft es irgendwann dennoch, aus dem Haus zu kommen. Am Tag danach klagt sie immer noch über Kopfschmerzen, Schwindel und ein Schwächegefühl. Bei ärztlichen Untersuchungen werden Schürfungen am Hals, Hämatome, eine Unterblutung im linken Auge und im Schulterbereich ausgemacht, Verletzungen, die auf ein Würgen und Gewalteinwirkung hindeuten.

Dass die Frau bewusstlos wurde und unkontrolliert Urin gelassen hatte, deute laut einer Gerichtsmedizinerin darauf hin, dass das Würgen potenziell lebensgefährlich war. „Dies sind typische Symptome dafür, dass dem Gehirn nicht ausreichend Sauerstoff zugeführt wird. Ab diesem Zeitpunkt, ist der Ausgang für den Täter nicht mehr kontrollierbar“, erklärte sie.

Zudem werden im Intimbereich der Frau Spermaspuren vorgefunden, die auf einen sexuellen Übergriff hindeuten. An der Unterwäsche der Frau werden nicht nur ihre eigenen DNA-Spuren sichergestellt, sondern auch jene von Rui M., der sich nun wegen Vergewaltigung und versuchtem Totschlag vor der Kriminalkammer des Bezirksgerichtes Luxemburg verantworten muss.

Kratzspuren und ein Schrei

Die Suche nach dem Angeklagten stellt sich für die Polizei aber zunächst als nicht ganz einfach heraus. Eine Person namens Rui ist nämlich nicht in jenem Haus in der Rue due Fossé gemeldet, das das Opfer als Tatort angibt. Eine Nachbarin gibt dann aber den entscheidenden Hinweis: In dem Haus übernachten mehrere Arbeiter, die morgens abgeholt werden und abends wieder dorthin gebracht werden.

Die Polizei sucht demnach noch am Tattag jenen Mann auf, der an der Adresse gemeldet ist. Einen Rui kennt er. Er soll am 7. Mai seine Arbeit aber nicht angetreten haben und müsste sich demnach im Haus befinden.

Tatsächlich treffen die Beamten ihn dort an. Das Opfer hatte ihn zuvor bereits auf einem Foto als Täter identifiziert. „Er hat getan, als wüsste er von nichts. Eine Vergewaltigung stritt er ab“, so ein Polizist. Der Mann gibt an, dass er am Vorabend Alkohol getrunken hatte und sich deshalb an nichts erinnern könne.

Auf dem Rücken des Angeklagten sind aber Kratzspuren zu sehen, Verletzungen, die ihm das Opfer im Kampf ums Überleben zugefügt haben könnte und Wunden, die einem Mitbewohner zufolge am Tag vor der Tat noch nicht zu sehen waren.

Von den Geschehnissen wollen die Mitbewohner nichts mitbekommen haben. Lediglich einige unter ihnen sollen gegen 4 Uhr in der Nacht einen Schrei vernommen haben. Sie konnten allerdings keine genaueren Angaben zu dem Schrei machen, auch nicht darüber, ob er tatsächlich aus dem Gebäude oder von der Straße kam. Sie waren sich allerdings einig, dass Rui M. am 7. Mai entgegen seiner Gewohnheiten nicht zur Arbeit erschienen war.

Der Prozess vor der Kriminalkammer wird am Dienstag fortgesetzt. Dann soll das Opfer gehört werden. Der Angeklagte deutete seinerseits am Montag bereits an, dass er seinen Anwalt reden lasse und selbst keine Aussage zu den Vorwürfen tätigen will.