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Gewaschen wird zu Hause
Lokales 3 Min. 04.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Gewaschen wird zu Hause

Um vom Schulgebäude des Lycée technique pour professions de santé (LTPS), wo die Krankenpflegeschüler 
ihre Arbeitskleidung anziehen, ins gegenüber liegende Centre hospitalier de Luxembourg (CHL) zu 
gelangen, müssen die Praktikanten die Rue Nicolas Ernest Barblé überqueren.

Gewaschen wird zu Hause

Um vom Schulgebäude des Lycée technique pour professions de santé (LTPS), wo die Krankenpflegeschüler 
ihre Arbeitskleidung anziehen, ins gegenüber liegende Centre hospitalier de Luxembourg (CHL) zu 
gelangen, müssen die Praktikanten die Rue Nicolas Ernest Barblé überqueren.
Foto: Matic Zorman
Lokales 3 Min. 04.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Gewaschen wird zu Hause

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
Anders als im Krankenhaus in Ettelbrück müssen die Auszubildenden im Centre Hospitalier de Luxembourg (CHL) ihre Arbeitskleidung selbst zu Hause waschen. Dass davon eine Gefahr für die Patienten ausgehen könnte, bestreitet die Klinikleitung.

Krankenhäuser sind oftmals Brutstätten für gefährliche Viren und Keime. Also wird besonders viel Wert auf Sauberkeit gelegt, um eventuellen Risiken vorzubeugen und die Patienten am Ende der Behandlung gesund entlassen zu können.

Nun steht aber die Frage im Raum, ob im Centre hospitalier de Luxembourg (CHL) die Hygienebedingungen in Sachen Arbeitskleidung umgesetzt werden. Denn: Schüler aus dem Lycée technique pour professions de santé (LTPS), die im hauptstädtischen CHL ihre Praktika absolvieren, haben, anders als das Krankenhauspersonal, keine Möglichkeit, ihre vom LTPS zur Verfügung gestellte Uniform in der Wäscherei des Spitals abzugeben.

Stattdessen müssen sie diese zum Waschen mit nach Hause nehmen – ein Leser hatte das „Luxemburger Wort“ auf das Thema aufmerksam gemacht. Außerdem haben die Auszubildenden keinen Zutritt zu den Umkleideräumen des Krankenhauses. Sie ziehen sich im LTPS-Schulgebäude gegenüber dem Krankenhaus um und müssen dann in frischer Arbeitskleidung über die Straße ins CHL gehen.

Catarina Brauy, Schülerin des Lycée technique pour professions de santé (LTPS) und angehende Krankenpflegerin, überquert die Rue Nicolas Ernest Barblé zwischen dem Centre hospitalier de Luxembourg (CHL) und dem LTPS.
Catarina Brauy, Schülerin des Lycée technique pour professions de santé (LTPS) und angehende Krankenpflegerin, überquert die Rue Nicolas Ernest Barblé zwischen dem Centre hospitalier de Luxembourg (CHL) und dem LTPS.
Foto: Matic Zorman

„Diese Situation ist nicht ideal“, weiß auch Roland Muller, Lehrer am LTPS, „doch wir haben keine andere Wahl.“ Denn: „Die Klinik bietet unseren Schülern keine Berufskleidung und auch keinen Umkleideraum an. Nur für spezifische Dienste, wie beispielsweise die Not- oder Röntgenaufnahme, werden sie dort mit CHL-Uniformen ausgestattet. In Ettelbrück hingegen sind LTPS-Schüler während ihres Praktikums vollständig in das Uniformsystem des Krankenhauses integriert.“

Diese Situation ist nicht ideal, doch wir haben keine andere Wahl. 

Maly Goedert, Direktorin des LTPS, legt Wert auf die Feststellung: „Für unsere Schüler gelten genaue Vorschriften, wie die Uniform zu Hause gewaschen werden muss – einzeln und bei mindestens 60, am besten aber bei 90 Grad. Es liegt also in ihrer Verantwortung, diese Reinigungsbedingungen zu respektieren. Wir denken, dass diese Kontaminationsbefürchtungen übertrieben sind. Wir machen das schließlich seit mehr als 40 Jahren so und haben bis heute keine Probleme.“

„Aufwand ist zu groß“

Im CHL spielen, wie in anderen Krankenhäusern auch, Uniformen eine zentrale Rolle: Je nach Behandlungsbereich gibt es unterschiedliche Farben, auch die Hierarchie des Personals ist durch verschiedene Modelle der Bekleidung gekennzeichnet. Im Schnitt werden in der hauseigenen Wäscherei täglich 1 000 Kleidungsstücke gereinigt.

Die Infrastrukturen reichen demnach nicht aus, um zusätzlich noch die LTPS-Uniformen zu waschen, so Monique Birkel, Pflegedienstleiterin des CHL. „Bei uns herrscht ohnehin schon Platzmangel. Der Aufwand wäre viel zu groß, die rund 400 Kleidungsstücke der Praktikanten extra zu reinigen. So, wie die Situation ist, ist sie gut“, fährt Monique Birkel fort.

Strenge Hygieneregeln

Auch Jean-Jacques Repplinger, Leiter des klinischen Unterrichts im CHL, relativiert einen möglichen Hygienevorwurf: „Bis jetzt gab es keine Vorfälle. Die Schüler befolgen die Reinigungsvorschriften, die das LTPS ihnen vorgibt. Wenn, wie zum Beispiel in einem Operationssaal, eine hohe Kontaminationsgefahr besteht und deshalb strengere Hygieneregeln gelten, bekommen die Auszubildenden eigens dafür ausgelegte Kleidung zum Überziehen. Die Sicherheitsmaßnahmen werden ohne Ausnahmen eingehalten.“


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Zudem sei es eine falsche Annahme, dass ein Krankenhaus komplett steril sein könnte oder müsste. „Ansonsten dürften Patienten ja auch keinen Besuch bekommen oder private Kleidung in den Zimmerschränken verstauen“, schlussfolgert Repplinger.

Den Fokus müsse man stattdessen auf das Händewaschen legen. „Das ist die wichtigste Hygienemaßnahme in einem Krankenhaus. Nichts verbreitet Keime mehr als ein Händedruck. Unsere Arbeitskleidung hingegen ist lediglich ein praktisches Kleidungsstück, das hauptsächlich als Identitätsmarke und der Orientierung dient. Die Uniform muss natürlich stets sauber sein, jedoch ist von steril keinesfalls die Rede“, stellt Françoise Blairon, Hygienekrankenschwester im CHL, klar.


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