Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Getrübte Aussichten bei den Getreidebauern
Lokales 2 Min. 07.08.2017 Aus unserem online-Archiv
"Karschnatz"

Getrübte Aussichten bei den Getreidebauern

Im Norden des Landes wird bis vermutlich Mitte des Monats noch emsig gedroschen.
"Karschnatz"

Getrübte Aussichten bei den Getreidebauern

Im Norden des Landes wird bis vermutlich Mitte des Monats noch emsig gedroschen.
Foto: Marc Wilwert/LW-Archiv
Lokales 2 Min. 07.08.2017 Aus unserem online-Archiv
"Karschnatz"

Getrübte Aussichten bei den Getreidebauern

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
In etwa zwei Wochen wird die Getreideernte wohl eingefahren sein. Eine erste Bilanz zeigt, dass die Qualität ganz zufriedenstellend sei. Mit der geernteten Menge sehe es dagegen anders aus.

(dho) - Immer dann, wenn die „Schueberfouer“ quasi vor der Tür steht, dann geht auch die Erntezeit der Getreidebauern, der „Karschnatz“, langsam ihrem Ende entgegen. Das liegt aber nicht daran, dass alle zeitig auf das Volksfest in die Hauptstadt wollen, sondern, dass die „Fouer“ vor mehr als 100 Jahren in Limpertsberg stattfand. Damals war hier eine landwirtschaftlich genutzte Fläche, die erst einmal freigemacht werden musste. Erst danach konnte das Fest beginnen.

Und noch etwas verbindet die „Schueberfouer“ und den „Karschnatz“: Beide sind extrem wetterabhängig. Zu viel Regen, aber auch extrem hohe Temperaturen vermiesen das Fest und bedeuten keine Gäste und somit keine Einnahmen. Mit der Getreideernte verhält es sich ähnlich: zu trocken oder zu viel Regen – schlechte Ernte, also schlechte Ausbeute für die Getreidebauern.

Schlechtere Erträge

Dieses Jahr, genauso wie auch schon im vergangenen Jahr, wird die Ernte wohl nicht allzu ertragreich ausfallen. Dies schätzt zu mindest Serge Turmes, Mitarbeiter bei „Versis“. Eine lange Trockenperiode im Mai und Juni hat zu einer zu schnellen Entwicklung der Getreidekörner geführt. Verschlechtert wurden die Erträge durch die Hitzewelle im Juni. Und auch, wenn es in den vergangenen Wochen geregnet hat, so kam dies nicht mehr allen Pflanzen zugute, da viele bereits geerntet waren.

Momentan ist das Getreide zu zwei Drittel bereits geerntet. Angefangen wurde dieses Jahr um Nationalfeiertag. Das ist so früh wie selten zuvor. Traditionell wird im Südosten des Landes, rund um die Mosel, mit der Ernte begonnen, da es hier im Schnitt zwei Grad wärmer ist als im Norden. Im Süden sind bereits 90 bis 95 Prozent des Getreides geerntet. Im Zentrum 85 bis 90 Prozent und im Norden erst etwa die Hälfte. 
Das Wintergetreide ist landesweit größtenteils bereits eingefahren. Nun ist das Sommergetreide, das erst Ende Februar ausgesetzt wurde, an der Reihe.

Doch war die Reifezeit des Getreides nicht schon schwierig genug, so wurde ein Teil der Ernte noch durch die heftigen Regenschauer und lokalen Hagel in der Nacht auf den vergangenen Dienstag zerstört. „Dies führte dazu, dass einige Körner aus der Hülse gefallen sind, und der Mähdrescher manches Getreide nicht mehr greifen kann“, erklärt Turmes.

Wie es bis jetzt aussieht, fällt die Erntemenge dieses Jahr, im Vergleich zum normalen Durchschnitt, bescheiden aus. Im Süden wird mit einer Ertragseinbuße von einem Drittel gerechnet. Im Zentrum von 20 bis 25 Prozent und im Norden zwischen zehn und 15 Prozent. Wie es mit der Menge am Ende aussieht, wird sich erst, je nach Wetterlage, Mitte des Monats zeigen, wenn die Ernte abgeschlossen ist.

Qualität stimmt

Einen kleinen Trost gibt es für die Getreidebauern dennoch. Zumindest die Qualität scheint zu stimmen. Und verglichen mit der Ernte des vergangenen Jahres, sei dieses Jahr alles okay. 2016 hatte eine lange Regenperiode zu schlech-
ten Ernteerträgen geführt. Viele Pflanzen waren von Pilzen und anderen Krankheiten befallen. So war nicht nur der Ertrag mager, sondern auch die Qualität.

Für die Landwirte in der Großregion, etwa in Lothringen sowie in einem Teil von Westdeutschland, sieht die Ernte jedoch nicht besser aus. Auf die Weltpreise hat dies aber keinen Impakt. In Russland und Osteuropa etwa ist die Ernte nämlich gut ausgefallen. Dies ändere aber nichts daran, dass die Preise für Getreide momentan nicht gut stehen würden, so Serge Turmes. Der Weizenpreis liege momentan bei 150 Euro pro Tonne. Ein zufriedenstellender Preis liege jedoch eher zwischen 170 und 180 Euro pro Tonne.




Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Getreideerntebilanz
Das trockene Wetter der vergangenen Monate hat einen negativen Einfluss auf die Erträge der Getreideernte. Dennoch konnte bei der Winterernte eine durchgehend gute Qualität festgestellt werden.
Durchschnittliche Produktionskosten von 1 100 Euro pro Hektar stehen bei der Getreideernte Einnahmen von rund 700 Euro gegenüber.
An diesem Wochenende rollen die Mähdrescher zur Weizenernte aus. Doch diese fällt wahrscheinlich dürftig aus. Dazu kommt, dass die Weltmarktpreise sich auf einem Rekordtief befinden. Billigeres Brot wird es dennoch nicht geben.
Das schlechte Wetter im Frühjahr verringert den Ertrag bei der Weizenernte voraussichtlich um rund 25 Prozent.