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Getötete Polizisten und Gendarmen: Sie starben im Dienst
Lokales 5 Min. 30.10.2015

Getötete Polizisten und Gendarmen: Sie starben im Dienst

Tragischer Unfall auf der Place de l'Etoile.

Getötete Polizisten und Gendarmen: Sie starben im Dienst

Tragischer Unfall auf der Place de l'Etoile.
LW-Archiv
Lokales 5 Min. 30.10.2015

Getötete Polizisten und Gendarmen: Sie starben im Dienst

Heute vor genau 30 Jahren wurde der Polizist Patrice Conrardy erschossen. Er ist kein Einzelfall: Seit dem Zweiten Weltkrieg starben zehn Beamte in Ausübung ihrer Pflicht. Erst im Juni dieses Jahres verlor mit Yasmine Grisius eine junge Kommissarin ihr Leben. Ein historischer Überblick.

Von Volker Bingenheimer

Heute vor genau 30 Jahren wurde der Polizist Patrice Conrardy erschossen. Er ist kein Einzelfall: Seit dem Zweiten Weltkrieg starben zehn  Polizisten und Gendarmen in Ausübung ihrer Pflicht. Fünf von ihnen starben bei Verkehrsunfällen, drei wurden von Autos erfasst und zwei von Verbrechern erschossen.

Hier ein Rückblick in umgekehrter chronologischer Reihenfolge.

2015: Junge Polizistin stirbt bei Routinekontrolle

Noch allzu gut in Erinnerung ist der Tod der Polizistin Yasmine Grisius. Die junge Kommissarin war am 5. Juni dieses Jahres bei einer Verkehrskontrolle in Dippach von einem Auto erfasst worden. Der Fahrer des Wagens soll trotz Haltezeichen durch einen Polizisten sein Fahrzeug beschleunigt und in Höhe der Polizeikontrolle das Steuer nach rechts gerissen haben. Das Auto prallte sodann mit voller Wucht gegen ein gerade kontrolliertes Fahrzeug. Yasmine Grisius wurde zwischen beiden Wagen eingequetscht und erlitt schwerste Verletzungen. Knapp zwei Stunden später verstarb sie im Escher Krankenhaus. Der Mann am Steuer des Unfallwagens hatte in jener Nacht einen Alkoholwert von mehr 1,6 Promille hatte und war bereits wegen Alkohols am Steuer vorbestraft.

1993: Gendarm von Temposünder angefahren

Mehrere Parallelen zum Unfalltod von Yasmine Grisius im Juni 2015 zeigt ein Fall von 1993. Mehrere Umstände erinnern an das Unglück von Dippach. Zuerst einmal der Unfallort: Auf der N 5 bei Niederkerschen und damit auf der gleichen Straße nur einen Kilometer entfernt von dem gewaltsamen Tod von Yasmine Grisius. Der Gendarm René Thies steht bei einer Verkehrskontrolle auf der linken Hälfte der Straße. Ein Autofahrer nähert sich dem Posten mit hoher Geschwindigkeit, Thies gibt ihm Haltezeichen. Der Autofahrer rast ungebremst in den Gendarmen und erfasst ihn, so dass er in hohem Bogen 50 Meter durch die Luft geschleudert wird. Thies prallt gegen eine Hauswand und erliegt seinen schweren Verletzungen. Der Fahrer steht im Verdacht, alkoholisiert gewesen zu sein.

1993: Eisglatte Fahrbahn

In einem damals weit verbreiteten VW-Bus kam der 28-jährige Polizist Pascal Hansen am 16. Februar 1993 ums Leben, als er auf der Düdelinger Autobahn zu einem Überholvorgang ansetzte. An diesem kalten Tag war die Fahrbahn durch überfrierende Nässe spiegelglatt geworden. Der Polizeiwagen kam ins Schleudern, prallte gegen die Leitplanken und rammte einen Brückenpfeiler. Hansen war sofort tot. 

1987: Gewalttätige Ausbrecher

Ein Krankenwagen transportiert den schwer verletzten Do Rego ab.
Ein Krankenwagen transportiert den schwer verletzten Do Rego ab.
LW-Archiv

In einer Kneipe im Bahnhofsviertel schlägt eine zunächst harmlose Szene im Handumdrehen in Gewalt um. Drei Häftlinge sind am 13. April aus dem Gefängnis von Arlon ausgebrochen und nach Luxemburg geflüchtet. Oberwachtmeister Lucien Do Rego (30 Jahre alt) bricht am Abend nichtsahnend mit einem Kollegen zum Streifendienst im hauptstädtischen Bahnhofsviertel auf. Bei einer Personenkontrolle in einer Kneipe in der Rue Joseph Junck treffen die Polizisten auf die drei Ausbrecher. Es kommt zu einem Gerangel, bei dem einer der Kriminellen dem Wachtmeister Do Rego die Waffe entreißt und auf ihn schießt. Er stirbt auf der Stelle. Die drei Ausbrecher flüchten, werden aber kurze Zeit später an der belgischen Grenze festgenommen.

1985: Waldbilliger Bande schießt auf Polizisten

In großer Aufmachung berichtete das Luxemburger Wort vom Überfall der Waldbilliger Bande auf die BIL.
In großer Aufmachung berichtete das Luxemburger Wort vom Überfall der Waldbilliger Bande auf die BIL.
Foto: Volker Bingenheimer

In den Achtzigerjahren werden in Luxemburg regelmäßig Banken überfallen, doch handelt es sich meist um Kleinkriminelle, die von der Waffe keinen Gebrauch machen. Am 30. Oktober 1985 hat es die Polizei mit einem anderen Kaliber zu tun: Ein Teil der Waldbilliger Bande, allesamt Schwerkriminelle, überfällt die BIL-Zentrale, damals am Boulevard Royal. Inspektor Patrice Conrardy (34) hat das Pech, zu früh am Einsatzort zu sein. Er steigt aus dem Polizeitransporter aus und sucht Deckung hinter einem geparkten Auto. Als er sich erhebt, um seine Maschinenpistole in Anschlag zu bringen, wird er von einer Schrotladung vom nahe stehenden Carlo Fett tödlich am Kopf getroffen. Die Bankräuber flüchten zunächst mit einer Geisel, die ebenfalls angeschossen wird. Stunden später werden sie verhaftet. (Mehr zum Tod von Patrice Conrardy und zur Waldbilliger Bande hier).

1978: Irrtum mit tödlichen Folgen

Tragischer Unfall auf der Place de l'Etoile.
Tragischer Unfall auf der Place de l'Etoile.
LW-Archiv

Bei einem tragischen Unfall kurz nach Weihnachten 1978 kommen zwei Polizisten bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Marc Krantz und Paul Frantzen eskortieren am 26. Dezember einen Krankenwagen mit einem schwer verletzten Kind. Mit ihrem Polizei-Mannschaftswagen, einem VW-Bus, nehmen sie den Krankenwagen am Ende der damaligen Autobahn am Glacisfeld in Empfang und geleiten ihn mit Blaulicht bis zur Place de l'Etoile. Weil sie nicht wissen, dass ein Kind im Krankenwagen liegt, biegen sie nach links zur damaligen Elisabethenklinik in die Avenue Emile Reuter ab. Der Krankenwagen fährt jedoch nach rechts in Richtung Kinderklinik. Die Polizisten bemerken ihren Irrtum und wenden. Ein entgegenkommendes Auto stößt in voller Fahrt auf den VW-Bus der beiden Polizisten. Marc Krantz (25) stirbt sofort an der Unfallstelle, Paul Frantzen zwei Monate später (13.2.1979) im Alter von 20 Jahren. Damit reißt die Todesserie nicht ab: Das schwer verletzte Kind verstirbt noch am Unfalltag. In der gleichen Nacht nimmt sich der Autofahrer, der das Kind angefahren hatte, das Leben.

1967: Bei Kontrolle von Auto erfasst

Es war ein gewöhnlicher Unfall am Straßenrand bei Steinbrücken. Das Auto ist in zwei Teile gebrochen, der Fahrer bleibt unverletzt. Der Gendarm Henri Thill untersucht den Unfall mit seinem Kollegen. Ein Auto nähert sich der Unfallstelle und erfasst Thill, schleudert ihn gegen einen Baum. Zwei Tage später stirbt er im Krankenhaus. 

An der neuen Zenrale der Polizei am Findel erinnert eine Stele an die getöteten Polizisten - noch fehlt eine Platte für Yasmine Grisius. Die lateinische Aufschrift bedeutet: "Für Vaterland und Recht".
An der neuen Zenrale der Polizei am Findel erinnert eine Stele an die getöteten Polizisten - noch fehlt eine Platte für Yasmine Grisius. Die lateinische Aufschrift bedeutet: "Für Vaterland und Recht".
Foto: Charles Caratini

Fünfzigerjahre: Blutiger Straßenverkehr

Wenig bekannt ist über zwei Unfälle der Fünfzigerjahre, bei denen zwei Gendarmen starben. Der Verkehr war damals viel gefährlicher, tödliche Unfälle waren an der Tagesordnung. Dementsprechend mager fallen die Berichte im „Luxemburger Wort“ über Pierre Demuth und Jean Léon Wolff aus, die beide im Dienst bei Unfällen getötet wurden. Demuth, Gendarm aus Weiswampach, starb am 24.6.1956. Der 53 Jahre alte Gendarm Wolff aus Clerf erlag am 6.8.1958 seinen Verletzungen.

Mehr zum Thema:

- Tod im Kugelhagel: Der Fall Patrice Conrardy


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