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Gesundheitspolitik: Kinderärzte schlagen Alarm
Lokales 3 Min. 21.11.2014 Aus unserem online-Archiv

Gesundheitspolitik: Kinderärzte schlagen Alarm

Die Kinderärzte schlagen Alarm: Es fehlt an Personal für den Bereitschaftsdienst.

Gesundheitspolitik: Kinderärzte schlagen Alarm

Die Kinderärzte schlagen Alarm: Es fehlt an Personal für den Bereitschaftsdienst.
gms
Lokales 3 Min. 21.11.2014 Aus unserem online-Archiv

Gesundheitspolitik: Kinderärzte schlagen Alarm

Luxemburg fehlt es an Kinderärzten, die Not- und Wochenenddienste leisten. Doch wie lässt sich das Problem lösen? Braucht jede Region eine Anlaufstelle für Notfälle? Die Meinungen zwischen Politik und Ärzten gehen auseinander.

(jag) - Leichtes Fieber, ein bisschen Husten, ein unbekannter Ausschlag oder unerwartete Niedergeschlagenheit: Wenn unsere Kleinen jammern, ist der Gang zum nächsten Kinderarzt Elternpflicht. Passiert das Ganze am späten Abend oder gar am Wochenende, erwarten wir schnelle und mustergültige Behandlung. Wie die andere Seite der Medaille, nämlich die der diensthabenden Kinderärzte aussieht, interessiert uns dann wenig bis gar nicht.

Die Kinderärzte verweisen seit Jahren auf die ungenügende Personaldecke im Wochenend- und Notdienst. Rund 50 Kinderärzte sind in Luxemburg offiziell tätig, nur ein Drittel davon beteiligt sich an der Organisation des 24-stündigen Notdienstes. „Die wenigen Ärzte, die dies freiwillig tun, sind an der Grenze ihrer Belastbarkeit“, so Dr. Patrick Theisen, Präsident der „Société luxembourgeoise de pédiatrie“.

Jahrelanger Engpass

Die Not ergibt sich auch aus dem unterschiedlichen beruflichem Status der Ärzte: Pädiater, die an den Kliniken angestellt sind, haben die Verpflichtung zum Bereitschaftsdienst, dies steht auch so in deren Arbeitsvertrag. Dies gilt zwar auch für die sogenannten liberalen Ärzte, die als Belegärzte in den Kliniken arbeiten, deren Zahl ist aber oft nicht ausreichend, um den Bereitschaftsdienst abzudecken.

Da auch die Bezahlung sehr niedrig ist, begnügen sich viele Kinderärzte deshalb mit ihren ohnehin gut gefüllten Praxen. Seit Jahren laufen Verhandlungen mit den Direktionen der Krankenhäuser und mit dem Gesundheitsministerium, am guten Willen fehlt es nicht, bloß hat sich bisher nicht viel bewegt. „Der Hilfeschrei der Ärzte und besonders auch der „Kannerklinik“ wurde gehört, aber es wurde noch nicht reagiert“, so Theisen.

Obligatorische Bereitschaft

Die „SPL“ plädiert schon seit längerem für ein Modell, in dem sämtliche niedergelassenen Kinderärzte verpflichtend an diesem Bereitschaftsdienst beteiligt werden. Dabei solle aber zwischen Klinikbetrieb und Notdienst einerseits und den allgemeinen Krankheitsfällen andererseits unterschieden werden. Für erstere wären die an den Kliniken arbeitenden Ärzte zuständig, für die leichteren Fälle die Kinderärzte im Bereitschaftsdienst. Zudem hofft man, dass endlich die „maisons médicales pédiatriques“ ihre Türen öffnen. „Es ist auch eine Frage der Definition der Notfälle“, so Patrick Theisen.

Viel zu oft würden besorgte Eltern die Bereitschaftsdienste wegen Banalitäten in Anspruch nehmen. Generell plädierten alle von uns angesprochenen Kinderärzte für eine Konzentration der Kompetenzen in den Bereichen Pädiatrie und Neonatalogie in einem einzigem Krankenhaus.

Ministerium gesprächsbereit

Gesprächsbereit zeigt man sich auch im Gesundheitsministerium, von dort hieß es auf Nachfrage hin, dass man das Problem ernst nehme. Das Pilotprojekt der „maison médicale pédiatrique“, welches seit Oktober 2013 in Ettelbrück funktioniert, wird zur Zeit überprüft.

Das Gesundheitsministerium will die regionalen Krankenhäuser als erste Anlaufstellen, die Kinderärzte plädieren aber eher für eine zentrale „maison médicale pédiatrique“ in der Nähe der „Kannerklinik“. Das Gesundheitsministerium könnte dieser Überlegung folgen, stellt aber eine Grundbedingung: Die Kinderärzte müssen ihre Tätigkeit in den Krankenhäusern wieder aufnehmen, da sonst das Funktionieren der Geburtsstationen in Gefahr gerät.

„Kannerklinik“ schlägt Alarm

Auch die „Kannerklinik“ im CHL würde eine solche „maison médicale pédiatrique“ begrüßen. Die Kinderärztin Dr. Isabelle Kieffer spricht von einer absolut notwendigen Entlastung ihrer Dienste. „Wir haben schon zum wiederholten Male Alarm geschlagen, es fehlt hier an Platz und Personal. Wenn, wie laut Spitalplan, die „Kannerklinik“ die zentrale Anlaufstelle für pädiatrische Notfälle werden soll, dann müssen mehr Leute, mehr Platz und mehr Betten her“, so Kieffer. Mittelfristig müsse sich Luxemburg aber entscheiden, welche Medizin es wolle: eine zentralisierte, spezialisierte und kompetenzorientierte oder eine regionale, flächendeckende Versorgung der kurzen Wege. Momentan hätten wir weder das eine, noch das andere.


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