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Gerichtschronik: Kippen, Koks und Kohle
Lokales 3 Min. 08.05.2021

Gerichtschronik: Kippen, Koks und Kohle

Gerichtschronik: Kippen, Koks und Kohle

Grafik: Sabina Palanca
Lokales 3 Min. 08.05.2021

Gerichtschronik: Kippen, Koks und Kohle

Jeden Samstag werfen die Gerichtsreporter des „Luxemburger Wort“ einen ganz persönlichen Blick auf die Prozesse der vergangenen Woche. Welche Verfahren haben sie begleitet? Was hat sie besonders berührt, was hat sie gar gestört? Der etwas andere True-Crime-Wochenrückblick.

(str) - Zwei Tage lang stand Nesat B. auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher Europas und das zudem noch als Sexualstraftäter, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Dann suchte er Kontakt zu Luxemburger Zielfahndern, um sich hierzulande der Polizei zu stellen. 


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Missbrauchsprozess könnte neu aufgerollt werden
Ein ehemals Gesuchter von der EU-Most-Wanted-Liste beantragt eine Wiederholung seines Strafverfahrens.

Fahndungsdruck ist sicher eine Sache, die Perspektive, die Verurteilung rechtmäßig anzufechten sicher eine andere. Und tatsächlich hat der 42-Jährige gute Chancen auf einen neuen Prozess. Denn nach seiner Verurteilung in Abwesenheit zu einer fünfjährigen Haftstrafe ohne Bewährung wegen eines sexuellen Übergriffs auf ein siebenjähriges Mädchen in einer Luxemburger Flüchtlingsunterkunft, konnte ihm nicht nachgewiesen werden, dass ihm das Urteil zugestellt worden war. 

Demnach lief die Frist, um Opposition gegen die Verurteilung in Abwesenheit einzulegen, wohl erst nach seiner Ankunft in Schrassig an. Eine richterliche Bestätigung steht zwar noch aus, aber die Chancen auf einen neuen Prozess stehen gut. Ob er nun an einem Schuldspruch vorbeikommt, steht in den Sternen. Allerdings verliert ein Angeklagter bei einem Verfahren in Abwesenheit die Möglichkeit einer Bewährungs- oder Teilbewährungsstrafe. Und das zu vermeiden, dürfte den Aufwand durchaus lohnen. 

Wer bremst, verliert!

Während Nesat B. demnach die Kurve vielleicht noch gekriegt hat, half bei Vasyl S. nicht einmal die Notbremse. Ganz im Gegenteil, denn die brachte ihm nur Ärger ein.


Der Zug musste unterwegs zwei Mal stehen bleiben.
Zugpassagier zieht Notbremse und muss ins Gefängnis
Gleich zweimal war durch das Verschulden eines Zugpassagiers eine Notbremsung ausgelöst worden. Nun wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt.

Auf einer Zugfahrt zwischen Koblenz und Luxemburg empfand er es als besonders schlau, sich eine Zigarette anzuzünden. Die Folge: Feueralarm und Notbremsung. 

Doch damit nicht genug. Denn als der Zug wieder Fahrt aufnahm, zog er diesmal richtig an der Notbremse. Wegen des mutwilligen Eingriffs in den Zugverkehr wurde er nun zu sechs Monaten Haft verurteilt - ohne Bewährung, da er nicht zum Prozess erschienen war.

Zwei Frauen mit Koffern voll Zigaretten

Dabei weiß jedes Kind, dass Zigaretten schädlich sind. Und mitunter führen sie auch schonmal direkt vor die Richterbank. Das mussten nun zwei Frauen lernen, die bei ihrer Ankunft in Findel von Kinshasa über Frankfurt insgesamt 120.000 Glimmstängel ins Land schmuggeln wollten. 


Die Berufungsfrist beträgt 40 Tage.
Hohe Geldstrafen für illegale Einfuhr von 120.000 Zigaretten
Zwei Frauen waren mit Koffern voll Tabakwaren nach Luxemburg gereist. Nun wurden sie in erster Instanz verurteilt.

Bei Reisen außerhalb der EU dürfen aber lediglich 200 Zigaretten mitgeführt werden. 

Der Überschuss bekommt sie nun sehr teuer zu stehen: Insgesamt verhängten die Richter eine Geldbuße in Höhe von 45.000 Euro. 

Ein besonders schneller Kurier

Viel Aufwand betrieb indes die Staatsmacht, nachdem Polizisten im Juni 2020 einen Drogenkurier nach einer gefährlichen Verfolgungsjagd auf der Autobahn A6 mit insgesamt sieben Kilogramm Kokain gestoppt hatten. Der junge Franzose aus Metz war zwar nicht um Ausreden und haarsträubende Geschichten verlegen, verlor dann aber das Kräftemessen mit der Kriminalpolizei. 


Sieben Jahre Haft für sieben Kilo Koks
Im Juni 2020 ging der Polizei auf der Autobahn A6 ein Drogenkurier ins Netz. Nun musste er sich vor Gericht verantworten.

Die Ermittler konnten nicht nur jeden Schritt des Mannes in Amsterdam und auf seiner Fahrt zurück in Richtung Luxemburg nachvollziehen, sondern auch seinen eindeutigen Austausch mit einem Komplizen - und DNS-Spuren von weiteren Mittätern gab es obendrauf. Am Ende klingelte es in der Kasse: Für sieben Kilo Kokain, verrechneten die Richter sieben Jahre hinter schwedischen Gardinen. 

Der Bürgermeister und die lukrativen Grundstücksgeschäfte

In zweiter Instanz besser davongekommen ist diese Woche ein Ex-Bürgermeister aus Sandweiler. Angeklagt war er wegen dubioser Immobiliengeschäfte. Das Urteil in erster Instanz enthielt noch einen Daueraufenthalt im benachbarten Schrassig, jenes in zweiter Instanz nicht mehr.


Die Bürger lehnten den von der schwarz-grünen Majorität geplanten Neubau des Rathauses in Sandweiler am aktuellen Standort ab. Nun führt wohl kein Weg an einer Sanierung plus Umbau vorbei.
Ex-Bürgermeister erhält in zweiter Instanz mildere Strafe
Gegen seine Verurteilung 2019 legte Charles Unsen Einspruch ein. Der Gang vor das Berufungsgericht hat sich für ihn gelohnt.

Dabei ging es nicht etwa um den Altbau der Sandweiler Gemeinde, sondern um zwei Grundstücke, die er während seiner Amtszeit einer Frau unter zweifelhaften Bedingungen abgekauft hatte - und die im Gegenzug scheinbar einen besseren Job bei der Gemeinde und einen weiteren für eine Verwandte erhielt. 


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