Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Gerichtschronik: Die Woche im Rückblick
Lokales 4 Min. 23.01.2021

Gerichtschronik: Die Woche im Rückblick

Gerichtschronik: Die Woche im Rückblick

Grafik: Sabina Palanca
Lokales 4 Min. 23.01.2021

Gerichtschronik: Die Woche im Rückblick

Jeden Samstag werfen die Gerichtsreporter des „Luxemburger Wort“ einen ganz persönlichen Blick auf die Prozesse der vergangenen Woche. Welche Verfahren haben sie begleitet? Was hat sie besonders berührt, was hat sie gar gestört?

In Sachen Betrugsmaschen kennt dieser Angeklagte sich aus. Immerhin war der vorbestrafte Geschäftsmann der Kopf hinter einem Millionenbetrug in Frankreich und wurde zu einer Haftstrafe in Frankreich verurteilt. Bei der Straftat, für die er sich nun diese Woche vor dem Bezirksgericht Luxemburg verantworten musste, ging es vergleichsweise um „Peanuts“. Um mehr als 900.000 Euro soll er eine ältere Frau betrogen haben - ihr gesamtes Erspartes. 


Oft haben die Richter die Möglichkeit, eine Bewährungsstrafe auszusprechen.
Prozess: 93-Jährige um 900.000 Euro betrogen
Der Angeklagte soll eine ältere Dame um ihr gesamtes Erspartes gebracht haben. Er steht nicht zum ersten Mal wegen Betrugs vor Gericht.

Von den Vorwürfen wollte der Mann allerdings nichts wissen: Alles sei mit rechten Dingen vor sich gegangen. Er sei ein seriöser Geschäftsmann, der bereits mit Donald Trump Geschäfte gemacht hätte. Von den beiden gebe es sogar ein Foto, berichtete er nicht ohne stolz vor Gericht, fragte den vorsitzenden Richter sogar, ob er es sehen möchte. Für seine Selbstdarstellung erntete er vom Richter allerdings alles andere als Anerkennung. 

Wölfe im Schafspelz

Auf verschiedenen Planeten leben wohl die beiden Angeklagten und die Vertreterin der Staatsanwaltschaft in einem Prozess um mehrere Homejackings sowie Einbrüche. Diesen Eindruck konnte man zumindest am letzten Verhandlungstag in dem Prozess bekommen. „Man könnte meinen, die Anklägerin habe den Prozess gar nicht verfolgt“, waren die mitunter letzten Worte eines der Beschuldigten. 


Homejacking-Prozess: Anklage beantragt drastische Strafen
Während die beiden Beschuldigten zum wiederholten Mal ihre Unschuld bekundeten, forderte die Vertreterin der Anklage 20 und 22 Jahre Haft.

Während die Angeklagten die Vorwürfe als gegenstandslos darstellten, legte die Anklage eine beeindruckende Indizienkette mit zahlreichen belastenden Beweisen vor, an dessen Ende nur ein Schluss möglich ist. 20 und 22 Jahre Haft seien denn auch die einzig angebrachten Strafen für die Angeklagten für ihre perfiden Taten, die zahlreiche Opfer traumatisiert zurückgelassen hätten. 

Der Prozess im Überblick

Becca und sein Staranwalt

42 Monate Gefängnis, gegebenenfalls zur Bewährung, 250.000 Euro Geldstrafe und die Konfiszierung von 324 Luxusuhren, das forderte der Staatsanwalt im Prozess wegen der Veruntreuung von Firmengeldern und Geldwäsche gegen den Baupromotor Flavio Becca.  Dessen Strafverteidiger, der französischen Staranwalt Hervé Temime, sah dies natürlich ganz anders. Er plädierte auf Freispruch. 


Lok , PK Flavio Becca und Michel Knepper , Ban de Gasperich , Quartier Cloche d`Or , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
Uhrenprozess: 42 Monate Haft für Becca gefordert
Die Staatsanwaltschaft fordert neben einer Gefängnisstrafe von 42 Monaten, mit möglicher Bewährung, eine Geldstrafe in Höhe von 250.000 Euro und die Konfiszierung von 324 Luxusuhren.

Nach sechs Verhandlungstagen endete diese Woche die Gerichtsverhandlung um Flavio Becca. Die Richter zogen sich am Donnerstag zur Beratung zurück. Wie der Prozess nun für den Angeklagten ausgeht, wird sich am 4. März zeigen.

Der Prozess im Überblick: 

Zwischen Verschwörungstheorien und Versicherungsbetrug

Seinen vorläufigen Abschluss fand auch die Gerichtsverhandlung rund um einen Betrugsfall, bei dem ein ehemaliger Mitarbeiter der Europäischen Investitionsbank (EIB) im Mittelpunkt stand. Der Mann musste sich während zwei Wochen vor Gericht verantworten, weil er im Zuge eines Suizids im Gebäude der EIB in Kirchberg Falschangaben gemacht, und deshalb zu Unrecht Entschädigungszahlungen von einer Versicherung erhalten haben soll.


Coronavirus - Leere Plätze - Luxemburg - Lost City - Drone  - Plateau du Kirchberg -   Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort
Betrug nach Suizid: Anklage fordert Haftstrafe
Während die Verteidigung alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurückweist, fordert die Anklage eine Haftstrafe für den Ex-EIB-Mitarbeiter.

Die Verteidigung blieb bei ihrer Version, dass der Mann ein direkter Zeuge des Vorfalls gewesen sei und in der Folge schwerwiegende psychologische Probleme entwickelt habe. Deshalb sei er auch freizusprechen. Das gesamte Verfahren fuße sowieso in einer Verschwörung gegen den Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft würde die EIB dabei unterstützen, eine unbequeme Person aus dem Weg zu räumen. Für den Vertreter der Anklage stellte sich die Situation allerdings ganz anders dar. Es handele sich um einen einfachen Fall des Versicherungsbetruges. 

Der Prozess im Überblick: 

Weitere Gerichtsfälle finden Sie im Themendossier: Vor Gericht

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Becca-Urteil kommt am 4. März
Im Uhrenprozess gegen Baupromotor Flavio Becca fällt das Urteil am 4. März. Am letzten Verhandlungstag hatte am Donnerstag noch einmal die Verteidigung das Wort.
Palais de Justice , Flavio Becca und sein Rechsbeistand , Cite Judiciaire , Prozess wegen Luxusuhren , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort