Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Gericht: Mann soll jahrelang seine Schwester vergewaltigt haben
Lokales 2 Min. 30.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Gericht: Mann soll jahrelang seine Schwester vergewaltigt haben

Die Vertreterin forderte eine achtjährige Haftstrafe.

Gericht: Mann soll jahrelang seine Schwester vergewaltigt haben

Die Vertreterin forderte eine achtjährige Haftstrafe.
Foto: Lex Kleren
Lokales 2 Min. 30.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Gericht: Mann soll jahrelang seine Schwester vergewaltigt haben

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Acht Jahre lang soll Laurent T. sich immer wieder an seiner Schwester vergangen haben. Am Dienstag musste er sich nun vor Gericht verantworten.

Per SMS rief er seine Schwester zu sich. Meist gehorchte die zwei Jahre jüngere Frau. In seinem Zimmer im Keller des Elternhauses soll Laurent T. sich dann an ihr vergangen haben.  Acht Jahre lang – zwischen 2009 und 2017 – soll der heute 32-Jährige seine Schwester immer wieder vergewaltigt haben – zum Teil mehrmals die Woche. Auch soll der Angeklagte die junge Frau regelmäßig geschlagen haben.

Er erschien allerdings nicht zum Prozess und ließ sich auch nicht von einem Anwalt vertreten. Die Verhandlung musste demnach par défaut, sprich in Abwesenheit des Beschuldigten, geführt werden, was eine einseitige Prozessführung zur Folge hatte.

„Nein, ich habe nichts gewusst, ich habe nichts gesehen“, beteuerte die Mutter der beiden Geschwister gestern vor Gericht. Sie habe immer viel gearbeitet und sei selten zu Hause gewesen. Als ihre Tochter im Juni 2017 Laurent T. anzeigte, sei sie aus allen Wolken gefallen.

Beide Geschwister haben in der Vergangenheit Probleme mit Alkohol und Drogen gehabt. „Wenn sie nicht zu Hause war, war sie entweder betrunken oder auf Medikamenten“, sagte die Mutter über ihre Tochter. Die Alkoholsucht ihres Sohnes versucht sie allerdings auszublenden. Nur auf Nachfrage der vorsitzenden Richterin ging die Frau darauf ein.

Wie ernst diese Probleme jedoch sind, zeigt ein Blick in die Krankenakte des 32-jährigen Angeklagten. Denn Laurent T. musste in der Vergangenheit bereits wegen einer Leberzirrhose behandelt werden. Im Jahr 2017 soll er seinen Alkoholkonsum aber in den Griff bekommen haben. Seiner Mutter zufolge trinkt der Angeklagte, der noch in seinem Elternhaus wohnt, aber wieder. Die 29-jährige Tochter lebt in einem betreuten Wohnheim.

Keine Scham

Der psychologische Gutachter hatte allerdings keine Zweifel daran, dass Laurent T. sich seiner Handlungen bewusst war. Ihm gegenüber gab er auch zu, dass er regelmäßig mit seiner Schwester Sexualverkehr hatte. Dabei habe der Angeklagte stets betont, dies sei immer im gegenseitigen Einverständnis geschehen. Zwar wüsste er, dass dies unter Geschwistern nicht normal sei – dafür schämen würde er sich allerdings nicht.

Dem Gutachter zufolge habe der Mann tyrannische Charaktereigenschaften. Er habe seine Schwester unter starken psychologischen Druck gesetzt, um diese gefügig zu machen. Die junge Frau habe nicht gewusst, wie sie sich gegen ihn wehren sollte. Sie sei von ihrem Bruder abhängig gewesen, habe ihm nur schwer widersprechen können.

Dass die junge Frau mit dem Erlebten zu kämpfen hat, zeigte sich auch am Dienstag im Gerichtssaal. Denn dort wollte sie ihre Aussage nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit machen. Diesem Wunsch gaben die Richter auch statt.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sah die Tatvorwürfe als erwiesen an. Laurent T. habe seine Schwester über Jahre hinweg ausgenutzt und missbraucht. Sie forderte denn auch acht Jahre Haft für den Angeklagten. Als Nebenkläger forderte ein Anwalt zudem im Namen des Opfers ein Schmerzensgeld in Höhe von 5.000 Euro.

Da die Verhandlung in Abwesenheit der Angeklagten geführt wurde, besteht im Fall eines Schuldspruchs keine Möglichkeit, die Haftstrafe zur Bewährung auszusetzen. Das Urteil ergeht am 29. Mai.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema