Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Gemeindepersonal schottet sich ab und macht weiter
Lokales 4 Min. 23.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Gemeindepersonal schottet sich ab und macht weiter

Auch in Ettelbrück ist das Gemeindehaus geschlossen. Anstatt einen Behördengang zu unternehmen, werden die Bürger aufgerufen, sich über Telefon, Email und Internet zu informieren.

Gemeindepersonal schottet sich ab und macht weiter

Auch in Ettelbrück ist das Gemeindehaus geschlossen. Anstatt einen Behördengang zu unternehmen, werden die Bürger aufgerufen, sich über Telefon, Email und Internet zu informieren.
Foto: Nico Muller
Lokales 4 Min. 23.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Gemeindepersonal schottet sich ab und macht weiter

Nico MULLER
Nico MULLER
Auch wenn dem öffentlichen Leben derzeit ein Riegel vorgeschoben ist, werden die Dienstleistungen der Gemeinde nicht eingestellt. Hinter den Kulissen gehts weiter.

In Zeiten, in denen das öffentliche Leben wegen des Corona-Virus nahezu vollständig zum Erliegen gekommen ist, sehen sich die 102 Gemeinden der immensen Herausforderung gegenüber, alle öffentlichen Dienstleistungen dennoch aufrechterhalten zu müssen.

Das Syvicol, Dachverband der Gemeinden, hat den Ernst der Lage frühzeitig erkannt und den Kommunen eine Reihe Ratschläge an die Hand gegeben, um während der kommenden schwierigen Wochen, wenn nicht gar Monate, ihren Verpflichtungen gegenüber den Bürgern bestmöglich nachkommen zu können.

Syvicol-Präsident Emile Eicher freut sich über das gute Krisenmanagement zusammen mit den Gemeinden.
Syvicol-Präsident Emile Eicher freut sich über das gute Krisenmanagement zusammen mit den Gemeinden.
Foto: Sophie Margue

Da sich die Entwicklung in Sachen Corona-Virus laufend verändert und auch fast täglich neue Vorgaben von der Regierung verkündet werden, beschloss das Syvicol, sich eines der besten Instrumente zu bedienen, die es gibt, um gleichzeitig viele Verantwortlichen zu informieren und auch auf veränderte Situationen unverzüglich reagieren zu können: Man hat eine WhatsApp-Gruppe geschaffen, in der alle Bürgermeister effizient und schnell miteinander kommunizieren können, wie Syvicol-Präsident Emile Eicher betont.

In diesem Chat habe es bereits seit dem Wochenende vom 14./15. März einen regen und äußerst konstruktiven Austausch gegeben, und man sei sich auch schnell einig darüber gewesen, wie sich die Gemeindedienste am besten organisieren sollten.

So wenig wie möglich direkten körperlichen Kontakt

Grob zusammenfassen kann man die Maßnahmen wie folgt: So viel wie möglich Beamte sollen von Zuhause aus arbeiten und zwar im Rotationsprinzip, der Empfang von Bürgern im Gemeindeamt soll nur im Ausnahmefall beziehungsweise auf Vereinbarung möglich sein, und die Bediensteten sollen möglichst zeitversetzt zur Arbeit erscheinen.

Dies alles, damit es mit den Bürgern und unter den Gemeindebeamten selbst zu so wenig wie nur möglich direkten Kontakten kommt. Man könne sehr vieles mit einem Telefonat, einer E-Mail oder mit dem Konsultieren einer Internetseite erledigen, bringt es Emile Eicher auf den Punkt.

Wie vor den allermeisten Gemeindehäusern wird man auch in Ettelbrück vor der Eingangstür darüber aufgeklärt, wo man sich für seine Anliegen informieren kann.
Wie vor den allermeisten Gemeindehäusern wird man auch in Ettelbrück vor der Eingangstür darüber aufgeklärt, wo man sich für seine Anliegen informieren kann.
Foto: Nico Muller

Auf Nachfrage des LW, wie die Stadt Luxemburg sich in Corona-Zeiten organisiert, wird man seitens des Pressedienstes auf ihre Internetseite verwiesen. Dort wird man dann auch umfangreich informiert und stellt fest, dass die Syvicol-Ratschläge in vollem Umfang umgesetzt sind.

So sind etwa das Bierger-Center und das Standesamt nur noch für Geburtsanzeigen, Sterbefallmeldungen sowie Ehe- und Partnerschaftserklärungen offen. Für andere dringende Vorgänge muss man einen Termin vereinbaren.

Sorgen braucht man sich auch nicht zum Beispiel um die Abholung von Restmüll, Biomüll, Glas, Papier und Valorlux-Säcken zu machen. Bis auf Weiteres geschlossen bleibt allerdings das Recyclingcenter.

In Esch/Alzette ist es bisher ebenfalls nicht zu Einschränkungen gekommen. Für den Fall allerdings, dass man daran nicht mehr vorbeikäme, hat die Gemeindeverwaltung eine Prioritätenliste aufgestellt, wie Bürgermeister Georges Mischo betont. Bürgeramt, Wasser- und Elektrizitätswerk, Essen auf Rädern, Informatikdienst oder auch Müllabfuhr seien zum Beispiel Dienste, die unter keinen Umständen eingestellt würden.

Von 28 Beschäftigten sind zurzeit nur drei im Niederanvener Rathaus präsent. Alle anderen verrichten Telearbeit zu Hause.
Von 28 Beschäftigten sind zurzeit nur drei im Niederanvener Rathaus präsent. Alle anderen verrichten Telearbeit zu Hause.
Foto: Guy Jallay

So weit wie möglich habe man das Personal der verschiedenen Dienste jeweils auf zwei Gruppen aufgeteilt, von denen eine vor Ort im Gemeindehaus, die andere von zu Hause aus operiert, wofür denn auch insgesamt 74 Laptops zur Verfügung gestellt wurden. Möglicherweise werde man noch weitere aus der Schule zum Einsatz bringen, so Mischo.

Um auf Nummer sicher zu gehen, was die Auslieferung von Essen auf Rädern anbelangt, hat die Gemeinde sogar zehn Mitarbeiter der Maison relais im Schnellverfahren diesbezügliche Anleitungen gegeben, damit diese im Bedarfsfall sofort einsatzbereit sind. Falls man den Müllabfuhrdienst einschränken müsse, so gebe man dem Abholen der schwarzen Tonne (Restmüll) absolute Priorität, gefolgt von der grünen (Bio), blauen (Papier), braunen (Glas) sowie den Valorlux-Säcken, wie Georges Mischo auch noch präzisiert.

Arbeitsgänge via Telefon, E-Mail und Internet erledigen

Ähnlich wie in Luxemburg-Stadt und Esch/Alzette haben sich auch die Gemeindeverwaltungen in Differdingen, Grevenmacher, Niederanven, Ettelbrück und Wiltz organisiert.

So betont etwa die Differdinger Bürgermeisterin Christiane Brassel-Rausch, dass alle Dienstleistungen garantiert bleiben und die Bürger sich via Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, die an der geschlossenen Eingangstür des Gemeindehauses – es gibt keine Klingel ... – zu finden sind, über alles informieren können. Die Anzahl der Bürger, die immer noch zur Gemeinde kommen wollen, um ihre Dinge zu erledigen, nehme allerdings von Tag zu Tag ab.

So weit wie möglich wurde das Personal der verschiedenen Dienste im Escher Rathaus  auf zwei Gruppen aufgeteilt, von denen eine vor Ort, die andere von zu Hause aus operiert.
So weit wie möglich wurde das Personal der verschiedenen Dienste im Escher Rathaus auf zwei Gruppen aufgeteilt, von denen eine vor Ort, die andere von zu Hause aus operiert.
Foto: Marc Wilwert

Auch an der Gemeinde Niederanven geht die Krise nicht vorbei. „Wir arbeiten in der Gemeindeverwaltung mit einem Minimum von Leuten“, sagt Bürgermeister Raymond Weydert. Von 28 Beschäftigten sind zurzeit nur drei im Rathaus präsent. Alle anderen verrichten Telearbeit zu Hause. Daneben steht auch jeweils ein Angestellter für die Bereiche Wasser, Gartenarbeit und öffentliche Verkehrswege auf Abruf bereit.

„First responder“-Notfalldienst bewährt sich

Ein paar Kilometer weiter, in Grevenmacher hat man sich ebenfalls den außergewöhnlichen Umständen angepasst. Alle Dienste funktionieren, wobei aber eine Reihe Bediensteter im Standby sind, bekräftigt Bürgermeister Léon Gloden. Besonders gut bewähre sich aktuell der „First Responder“-Notfalldienst, wobei Arbeiter der Gemeinde Einkäufe tätigen für Personen, die das nicht selber dürfen oder sollten.


Frischmärkte bleiben größtenteils offen
Viele Besucher nutzen die Märkte vermehrt für ihre Einkäufe. Die Händler verbuchen steigende Verkaufszahlen.

In Ettelbrück hat man sich genauso das Grundprinzip der Aufrechterhaltung aller Dienste auf die Fahne geschrieben, wobei das Erledigen von Arbeitsgängen über Telefon, E-Mail und Internet maximal in Anspruch genommen werden soll, wie Bürgermeister Jean-Paul Schaaf betont.

Ein detaillierter Arbeitsplan, der zunächst einmal bis Mitte April gelte, sehe vor, dass in allen Abteilungen abwechselnd jeweils eine Mitarbeitergruppe zu Hause arbeitet, um die Ansteckungsgefahr zu minimisieren.

Auch in Wiltz versucht man, die verschiedenen Dienste mit so wenig Personen wie möglich auf engem Raum zu gewährleisten. In diesem Jahr falle der Frühjahrsputz denn auch wohl aus, wie Bürgermeister Fränk Arndt meint.

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Syvicol vor großen Herausforderungen
Von Polizeiwachen und Postbüros über Reformen zur Identifizierung von Personen und den Rettungsdiensten bis zu Gemeindereglementen: 2016 wird bei den Luxemburger Gemeinden wohl kaum Langeweile aufkommen. Dies weiß auch Syvicol-Präsident Emile Eicher.
Postb�ro, Post, Schliessung, Bettendorf
Bürgermeistertag auf der Schueberfouer
Auf der Schobermesse erwartete die hungrigen und durstigen Besucher am Dienstag ein Service der besonderen Art: Sie bekamen Pommes oder Bier von Bürgermeistern aus vielen Orten des Landes serviert.
Luxemburgs Bürgermeisterin Lydie Polfer bei der Arbeit.