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Gemeinden verzichten auf Mieten für Geschäftslokale

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Gemeinden verzichten auf Mieten für Geschäftslokale

Gemeinden verzichten auf Mieten für Geschäftslokale

Gemeinden verzichten auf Mieten für Geschäftslokale


von Nicolas ANEN/ 24.03.2020

Manche Restaurants, in Lokalen, die einer Gemeinde gehören, werden vorübergehend keine Miete zahlen müssen. Darunter das Restaurant "Club 5 am Park" beim Escher Schwimmbad. Foto: Guy Wolff

Geschlossene Geschäfte heißt auch leere Ladenkassen. Weshalb mehrere Gemeinden nun auf Mieten verzichten für Lokale, die sie Geschäftsleuten zur Verfügung stellen. Dies als Zeichen der Solidarität.

Zahlreiche Gemeinden haben beschlossen, auf Mieten zu verzichten für Lokale, die sie Geschäftsleute zur Verfügung stellen. Das "Luxemburger Wort" hat sich dazu in Luxemburg-Stadt, Esch/Alzette, Düdelingen, Ettelbrück und Schengen umgehört.

Geschäfte und Restaurants in Luxemburg-Stadt sind wegen der Corona-Krise geschlossen.
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Luxemburg-Stadt
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Geschäfte und Restaurants in Luxemburg-Stadt sind wegen der Corona-Krise geschlossen.
Foto: Lex Kleren

Geschlossene Geschäfte und leere Fußgängerzonen bestimmen, seit der von der Regierung ausgerufenen Notlage, das Bild in vielen Gemeinden und Städten. Darunter leiden viele Geschäftsleute: Auch wenn die Kunden ausbleiben, müssen sie ihre Mieten weiterhin zahlen.

Um dem entgegenzuwirken, hat der hauptstädtische Schöffe Laurent Mosar  am Montag mitgeteilt, dass Luxemburg-Stadt vorübergehend auf die Mieteinnahmen von eigenen Geschäftslokalen und Restaurants verzichten wird. 

Insgesamt sind davon 46 Objekte betroffen, erklären die beiden CSV-Schöffen Serge Wilmes (zuständig für Handel) und Laurent Mosar (Finanzen) auf Nachfrage. Darunter 18 Restaurants und 22 Geschäfte. Aber auch der Betreiber des Golfplatzes in Kockelscheuer wird davon profitieren.

Auf 90.000 Euro verzichten

"Im Durchschnitt machen diese Mieten 2.000 Euro monatlich aus", erklärt Laurent Mosar weiter. Die Gesamtsumme, auf die die Stadt nun monatlich verzichten wird, beläuft sich auf rund 90.000 Euro.

Die Stadt Luxemburg ist im Besitz von Lokalen, in denen sich 22 Geschäfte und 18 Restaurants befinden.
Die Stadt Luxemburg ist im Besitz von Lokalen, in denen sich 22 Geschäfte und 18 Restaurants befinden.
Foto: Lex Kleren

"Die Maßnahme gilt, solange die Krise dauert", sagt Laurent Mosar noch. Die Stadt sei in der glücklichen Lage über gesunde Finanzen zu verfügen.

Auch Nachsicht bei Rechnungen

Bereits vor einigen Tagen, habe die Stadt Restaurant- und Cafébetreiber darüber informiert, dass sie vorübergehend keine Zahlungsnachforderungen (rappel) mehr ausschicken werde. Auch werde sie, nach der Krise, den Betrieben einen Aufschub für das Zahlen von Rechnungen gewähren. 

"Das ist die Art und Weise wie wir helfen können", fügt Serge Wilmes hinzu. Von Anfang an, sei es der Koalition im Schöffenrat wichtig gewesen, die Geschäftswelt in Luxemburg-Stadt zu unterstützen. 

Oder wie es Laurent Mosar ausdrückt: "Es reicht nicht, nur Forderungen an die Regierung zu stellen, wir müssen auch unseren Teil beitragen".

Verlängerung für Pop-up-Stores

Weiter präzisiert Serge Wilmes, dass auch die Pop-up-Stores in der Hauptstadt von diesem Nachlass betroffen sind. Für die, die im April eigentlich wieder schließen sollten, werde die Frist zudem verlängert werden.

Laurent Mosar und Serge Wilmes erhoffen sich durch den Verzicht auf die Mieten eine Signalwirkung. Einerseits auf andere Gemeinden. Andererseits aber auch auf private Eigentümer, die so vielleicht eine Geste gegenüber ihren Mieter machen werden. 

In der Rue de l'Alzette sind die meisten Lokale in privaten Händen. Deshalb wird nur ein Lokal vom Nachlass seiner Miete durch die Gemeinde profitieren können.
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Esch/Alzette
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In der Rue de l'Alzette sind die meisten Lokale in privaten Händen. Deshalb wird nur ein Lokal vom Nachlass seiner Miete durch die Gemeinde profitieren können.
Foto: Guy Jallay

Auch die Stadt Esch hat am Montag beschlossen Geschäftsinhaber und Restaurantbetreiber, denen sie ein Lokal zur Verfügung stellt, die Miete zu erlassen. Betroffen sind 21 Lokale. Darunter zum Beispiel das Restaurant Club 5 beim Escher Schwimmbad. 

Da die Mieten für März größtenteils bereits eingezogen wurden, werde die Stadt diese zurückerstatten, erklärt Bürgermeister Georges Mischo (CSV). 

Für April werde die Stadt keine Mieten verlangen und, falls der Krisenzustand anhält, auch im Mai darauf verzichten. "Uns geht es nicht ums Geld", unterstreicht Georges Mischo. Wie in der Hauptstadt will man auch in Esch ein Zeichen setzen.

Auch Vereinigungen profitieren davon

Die Stadt Esch will aber nicht nur der Geschäftswelt unter die Arme greifen. Vom Nachlass sind auch Vereinigungen oder Organisationen betroffen, die im Dienste der Gesellschaft stehen. So sind in der Liste der 21 Escher Lokale nur acht Restaurants, beziehungsweise Geschäfte zu finden. 

Eigentlich sollten die Pop-up-Stores in Esch im Frühjahr eröffnen. Wegen des ausgerufenen Notstands muss diese Eröffnung verschoben werden.
Eigentlich sollten die Pop-up-Stores in Esch im Frühjahr eröffnen. Wegen des ausgerufenen Notstands muss diese Eröffnung verschoben werden.
Foto: Nicolas Anen/LW-Archiv

Unter den anderen Nutznießern befinden sich das Sozialamt oder noch die Stiftung Kannerschlass. Letztere könne derzeit keine Personen im Elterecafe in Esch empfangen. "Da tut es weh, 3.000 Euro für eine Miete zahlen zu müssen", erklärt Georges Mischo diese Entscheidung. In der Rue de l'Alzette ist übrigens nur ein Lokal betroffen, das der Musikexportgesellschaft music:LX.

Auch kündigt Georges Mischo an, dass nach anderen Möglichkeiten gesucht werde, um den Escher Geschäftsleuten zu helfen. Spruchreif seien diese aktuell aber noch nicht. 

In Düdelinegn sind zwei Geschäfte und drei Restaurants betroffen.
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Düdelingen
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In Düdelinegn sind zwei Geschäfte und drei Restaurants betroffen.
Foto: Lex Kleren

"Wir haben eine solche Entscheidung schon vor einer Woche getroffen, sie aber nicht gleich an die große Glocke gehängt", so der Düdelinger Bürgermeister Dan Biancalana (LSAP) am Dienstag. 

Konkret hat der Düdelinger Schöffenrat beschlossen, während des ausgerufenen Notstandes auf die Mieten des Geschäftes Ouni und des Konzeptstores Küb zu verzichten. 

Das Geschäft Ouni, das gerade erst eine Filiale in Düdelingen eröffnet hatte, liefert vorerst nur Bestellungen aus.
Das Geschäft Ouni, das gerade erst eine Filiale in Düdelingen eröffnet hatte, liefert vorerst nur Bestellungen aus.
Foto: Guy Wolff

Drei Restaurants betroffen

Die Stadt ist auch Eigentümerin von drei Lokalen in denen sich Restaurants befinden. Sie hat sich mit der Gesellschaft Munhowen zusammengeschlossen, von der sie normalerweise die Mieten für diese Betriebe erhält. 

"Wir haben gemeinsam beschlossen, dass Munhowen keine Untermieten fragt und wir auch auf die Miete von Munhowen verzichten", so der Bürgermeister. Betroffen sind die Restaurants  Parc Le’h, Loxalis und Amarcord.

Das Geschäft Bitzstuff beim Annette wird vorübergehend keine Miete an die  Gemeinde zahlen müssen.
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Ettelbrück
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Das Geschäft Bitzstuff beim Annette wird vorübergehend keine Miete an die Gemeinde zahlen müssen.
Foto: Nico Muller

Auch die Stadt Ettelbrück geht einen ähnlichen Weg. In ihrem Fall sind es zwei Geschäfte, denen sie die Miete nachlässt. Bürgermeister Jean-Paul Schaaf (CSV) sieht darin vor allem eine symbolische Maßnahme, auch wenn sie noch vom Gemeinderat abgesegnet werden muss.

"Es geht nicht darum Eigentümer, die ein Lokal vermieten, zu verteufeln", setzt er voraus. "Aber vielleicht kann diese Maßnahme den einen oder anderen privaten Eigentümer, der nicht auf die Miete angewiesen ist, dazu bringen, ähnlich zu handeln", so sein Appell. 

Das müsse nicht unbedingt heißen auf die gesamte Miete zu verzichten, wie es die Gemeinde tun wird. "Zwischen Null und 100 Prozent gibt es einen Spielraum", drückt er es aus. 


Gemeindepersonal schottet sich ab und macht weiter
Auch wenn dem öffentlichen Leben derzeit ein Riegel vorgeschoben ist, werden die Dienstleistungen der Gemeinde nicht eingestellt. Hinter den Kulissen gehts weiter.

Eine solche Geste sei auch im Sinne der Eigentümer. Die Lage im Einzelhandel in Ortszentren war schon vor der Krise nicht rosig. 

Sollte ein Geschäft aufgrund der Corona-Krise schließen, werde es danach für Eigentümer schwer sein, einen Ersatz zu finden, gibt er zu bedenken.

Der Campingplatz in Schwebsingen wird auch von der Maßnahme profitieren.
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Schengen
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Der Campingplatz in Schwebsingen wird auch von der Maßnahme profitieren.
Foto: Pierre Matgé/LW-Archiv

Ähnlich sieht dies der Schengener Bürgermeister Michel Gloden. "Wir sprechen seit einigen Tagen viel von Solidarität. Hier ist ein Punkt, wo sie umgesetzt werden kann". 

Weshalb auch der Schengener Schöffenrat am Dienstag den Prinzipienentschluss gefasst hat, drei Monate lang auf Mieten zu verzichten. Betroffen sind der lokale Campingplatz sowie ein halbes Dutzend Restaurants, die in den Ortschaften der Gemeinde verteilt sind. Noch muss die Entscheidung vom Gemeinderat angenommen werden.

Beim Camping in Schwebsingen ist ein kleiner Yachthafen.Dem Campingbetreiber will die Gemeinde unter die Arme greifen indem sie auf mehrere Mieten verzichtet.
Beim Camping in Schwebsingen ist ein kleiner Yachthafen.Dem Campingbetreiber will die Gemeinde unter die Arme greifen indem sie auf mehrere Mieten verzichtet.
Foto: Volker Bingenheimer/LW-Archiv

Für viele Restaurantbetreiber werde diese Krise wohl große Konsequenzen mit sich bringen, schätzt Michel Gloden ein. "Unsere Gemeinde lebt vom Tourismus. Eigentlich sollte jetzt so langsam die Saison der Terrassen beginnen". 


Wirtschaft, Tankstelle Wasserbillig,Coronavirus, Covid-19, Foto: Chris Karaba/Luxemburger Wort
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Um dagegen zu wirken hat der Schöffenrat auch eine andere Entscheidung getroffen. Da die Rentnerfeier in der Gemeinde dieses Jahr ausfällt, wird den Senioren anstelle ein Gutschein in Höhe von 15 Euro geschenkt werden. 

Diesen werden sie in einem lokalen Betrieb einlösen können. Nach der Krise wohlverstanden. 


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