Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Geleakte Corona-Karte zeigt Details
Lokales 4 Min. 20.07.2020

Geleakte Corona-Karte zeigt Details

Die Neuinfektionen am Sars-Cov-2 Virus verteilen sich unrereglmäßig übers Land.

Geleakte Corona-Karte zeigt Details

Die Neuinfektionen am Sars-Cov-2 Virus verteilen sich unrereglmäßig übers Land.
Foto: Guy Wolff
Lokales 4 Min. 20.07.2020

Geleakte Corona-Karte zeigt Details

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Während die von der Santé veröffentlichte Karte mit den Neuinfektionen pro Kanton weiter auf Kritik stößt, zeigt eine am Montag geleakte Karte die Aufteilung per Postleitzahl und ist somit sehr viel detaillierter.

Die von der Direction de la santé veröffentlichte Karte mit der geografischen Verteilung der Neuinfektionen im Zeitraum vom 22. Juni bis zum 12. Juli stößt nicht überall auf Begeisterung. Die Karte soll laut den Gesundheitsbehörden jede Woche aufgefrischt werden und zeigt jeweils das Infektionsgeschehen der letzten drei Wochen. 

Dem „Luxemburger Wort“ erklärte etwa der Escher Bürgermeister Georges Mischo, die Karte schade der Escher Geschäftswelt wegen der im Kanton Esch vergleichsweise hohen Infektionszahl pro 10.000 Einwohner. Doch man müsse bedenken, dass sich im Kanton Esch gleich sieben der zehn bevölkerungsreichsten Gemeinden des Landes befinden. Die Karte soll laut den Gesundheitsbehörden jede Woche aufgefrischt werden und zeigt jeweils das Infektionsgeschehen der letzten drei Wochen.   

Auch sein Parteikollege und Präsident des Syvicol, Emile Eicher, hatte sich bis zuletzt dagegen gewehrt, dass die Karte die Infektionszahl pro Gemeinde zeigen solle. Dies obwohl es unter anderem seine Parteikollegen auf der Oppositionsbank in der Chamber wegen der Transparenzregeln laut forderten. Laut Eicher würde eine solch detaillierte Karte aber nur einzelne Gemeinden stigmatisieren. Zudem würden sich Einwohner aus Kommunen, in denen wenige oder gar keine Fälle beobachtet wurden, in einer falschen Sicherheit wiegen und unvorsichtig werden.


Escher Geschäftswelt in Sorge wegen Covid-Landkarte
Dunkelrot ist der Kanton Esch/Alzette auf der Covid-Infektionskarte eingezeichnet. Für die Escher Geschäftswelt eine verheerende Botschaft, die bereits einige Kundenabsagen mit sich gebracht hat.

 „Man kann große und kleine Gemeinden, reiche und arme Gemeinden, junge und alte Einwohner nicht einfach miteinander vergleichen“, so Eicher. „Im Norden reicht es aus, dass sich die Mitglieder einer Großfamilie infizieren, damit eine ganze Gemeinde gleich als Infektionsherd gilt und damit in roter Farbe auf der Karte erscheint. Dies obwohl die Gemeinde alle Regeln einhält und vorbildlich agiert. Das ist unverhältnismäßig und bringt im Übrigen nichts. 

Was die Karte nicht zeigt 

Doch was zeigt die Karte denn eigentlich genau und was zeigt sie nicht? „Die Karte zeigt die geografische Verteilung auf Kantonsebene der Neuinfektionen in einem bestimmten Zeitraum. Berücksichtigt werden dabei nur die Einwohner der jeweiligen Kantone. Grenzpendler oder Menschen, die nur in der dortigen Gemeinde getestet wurden, werden also nicht mitgezählt“, so François Peltier, Leiter der Abteilung für Bevölkerungsstatistik im statistischen Amt Statec. „Die Karte zeigt, dass es insbesondere im Süden und im Zentrum des Landes eine höhere Anzahl an Neuinfektionen pro 10.000 Einwohner gibt als in anderen Regionen“, so Peltier. 

Peltier muss allerdings auch anerkennen, dass die Karte nur bedingt dazu taugt, irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen. Legt man eine Karte der Bevölkerungsdichte über die Infektionskarte, so ergibt sich ein fast identisches Bild. „In der Tat führt eine höhere Bevölkerungsdichte wohl auch zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, anderen Menschen zu begegnen und in der Folge infiziert zu werden“, so Peltier.

Ein fundierter und wissenschaftlich haltbarer Vergleich zwischen den Kantonen ist unter diesen Umständen nicht möglich. Auch die Dynamik der Bevölkerung wurde nicht berücksichtigt, sie spielt aber gerade beim Infektionsgeschehen eine Rolle. So zeigt die Karte nicht, wo sich der Einwohner eines bestimmten Kantons infiziert hat. Bei einer Grillparty im Norden des Landes, auf der Arbeit im Zentrum oder beim Familienbesuch im Süden.

Auferstehung der Kantone 

Ohnehin macht die Aufteilung in Kantone wenig Sinn, weil es keine sozio-ökonomischen Angaben dazu gibt. Die liegen allerdings für die einzelnen Gemeinden vor: Stigmatisieren muss man dabei nicht, aber Informationen darüber, ob eine Gemeinde eine junge oder eine alte, eine eher wohlhabende oder eher arme Bevölkerungsstruktur hat, können durchaus interessante Rückschlüsse zulassen. Bereits im Zuge einer Pressekonferenz der Gesundheitsministerin hatte Statec-Direktor Serge Allegrezza auf die Frage, ob Covid-19 eine soziale Dimension habe, geantwortet: „Das ist in der Tat ein sehr, sehr interessanter Aspekt.“

Bessere Kommunikation nötig 

Fakt ist, dass die Gemeinden sich dagegen sträubten, dass ihre Daten veröffentlicht werden. Dies war übrigens in der Vergangenheit bereits der Fall, als es um den Anteil und die geografische Verteilung der Mindestlohnempfänger ging. Laut Syvicol-Präsident Emile Eicher würden die Bürgermeister die Anzahl ihrer infizierten Bürger nicht kennen. „Der Informationsfluss war bisher nicht gut, wir hoffen aber, dass der künftige Ansprechpartner in der Regierung, Frank Reimen, dazu beitragen wird, diese Kommunikation zwischen Regierung und Gemeinden zu verbessern.“ 

Ohnehin setzt Eicher eher auf lokale als auf großflächige Kommunikation. „Wir stellen die mit der Karte veröffentlichten Zahlen nicht infrage, aber bei der Kommunikation mit den betroffenen Bürgern hilft sie uns nicht weiter.“ Laut Eicher müssten die Gemeinden die ersten Ansprechpartner sein. „Bürgermeister kennen doch ihre Bevölkerung. Wenn es da spezielle Problempunkte gibt, dann können wir die als Gemeinde konkret ansprechen.“

"Zudem muss man die Menschen auch in ihrer Sprache erreichen. Wir haben da viele Probleme festgestellt und viele Flyer landeten wohl ungelesen im Müll. Das gilt aber nicht unbedingt für die Landessprache, sondern die Art und Weise, wie man Menschen unterschiedlichen Alters oder mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund anspricht. Auf jeden Fall müssen die Menschen direkter und gezielter angesprochen werden“, so noch Eicher.

Leak mit Details

Eine am Montagnachmittag von „Radio 100,7“ veröffentlichte Karte zeigt laut dem Radiosender Material, das die Santé für die Regierung aufbereitet hat. Dort sind die Infektionen im Zeitraum vom 22. Juni auf den 12. Juli auf Postleitzahlen-Niveau heruntergerechnet. Man kann die Infektionen also quasi bis zur Straße zurückverfolgen. 

Auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“ wurde die Authentizität des Materials bestätigt.    

Viel mehr Details: Diese Karte zeigt die Infektionen im Postleitzahlenbereich.
Viel mehr Details: Diese Karte zeigt die Infektionen im Postleitzahlenbereich.
Statec


Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Luxemburg-Stadt: Fouer-Feeling ohne Schobermesse
Zwar fällt die Schueberfouer in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie aus - ein Grund, auf die Jahrmarktstimmung zu verzichten ist dies jedoch nicht. Unter dem Motto "D'Stad lieft" finden bis September kleine Feste in den einzelnen Stadtvierteln statt.
Lokales, Reportage: Auftakt der Quartiersfeste in der Hauptstadt, Corona, Covid-19, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort