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Geldstrafe für Jäger aus Fentingen
Lokales 04.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Geldstrafe für Jäger aus Fentingen

In diesem Stuhl saß die damals 46-jährige Frau, als sie von der Kugel getroffen wurde.

Geldstrafe für Jäger aus Fentingen

In diesem Stuhl saß die damals 46-jährige Frau, als sie von der Kugel getroffen wurde.
Foto: Guy Wolff
Lokales 04.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Geldstrafe für Jäger aus Fentingen

Der Jäger aus Fentingen, der eine Frau angeschossen hatte, muss 3.000 Euro Geldstrafe zahlen und sein Gewehr abgeben. Die exakte Höhe des Schadensersatzes soll unterdessen ein Gutachter ermitteln.

(str/SH) - Der Jäger, durch dessen Kugel am 24. September 2016 eine Frau im Gesicht getroffen und schwer verletzt worden war, hatte nicht mit der nötigen Vorsicht gehandelt, um den Unfall zu vermeiden. Zu diesem Schluss sind die Richter der 13. Strafkammer gekommen und haben den 52-jährigen Mann wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 3.000 Euro verurteilt. Zudem muss er sein Gewehr abgeben. Ein fünfjähriges Jagdverbot, wie dies vom Vertreter der Staatsanwaltschaft gefordert worden war, sprachen die Richter allerdings nicht aus.

Während der Verhandlung hatte ein Gutachter darauf hingewiesen, dass die Jagd auf Wildschweine nahe Fentingen gefährlich war. Denn auf dem Terrain habe der Kugelfang – also der Umstand, dass ein Geschoss durch eine Geländegegebenheit abgefangen wird und somit niemanden verletzen kann – nicht garantiert werden können. Dem Experten zufolge sei das Opfer, das den Nachmittag gemeinsam mit Bekannten 569 Meter vom Standort des Abschusses entfernt auf einer Terrasse verbrachte, von einer Kugel getroffen worden, die von ihrer eigentlichen Flugbahn abgelenkt worden war. Spuren an dem Projektil würden darauf hindeuten, dass es eine sandige Fläche – wie den Boden auf dem Feld – berührt hatte. Dies habe einen Einfluss auf Geschwindigkeit, Richtung und Stabilität der Kugel gehabt.


Links der Stuhl, in dem das Opfer von Fentingen saß, rechts die Dachgeschosswohnung, in der sich das Drama von Bereldingen abspielte. Während im Fall der verlorenen Kugel der beschuldigte Jäger Rechtsmittel gegen eine Anklageerhebung eingelegt hat, sind die Ermittlungen zum mutmaßlichen Doppelmord noch nicht abgeschlossen. Der tatverdächtige Polizist befindet sich weiter in U-Haft.
Die Kugel und das Gift
Eine verirrte Kugel in Fentingen und ein mutmaßlicher Doppelmord in Bereldingen: Die zwei Fälle an einem Wochenende schockieren das Land im Herbst 2016. Der Stand der Dinge zwei Jahre danach.

Mehrere chirurgische Eingriffe

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte während des Prozesses von einem schweren Fehler und grober Fahrlässigkeit gesprochen. Seiner Meinung nach hätten die Jäger das Dorf von ihrem Standort aus zwar nicht sehen können, sie hätten allerdings nicht ignorieren können, dass es sich in nächster Nähe befand. Dennoch hätten sie an jenem spätsommerlichen Samstagnachmittag, an dem sich viele Menschen im Freien aufhielten, in Richtung von Fentingen geschossen.

Das Projektil hatte die Frau im Gesicht getroffen, ihre Wange durchbohrt und den Unterkiefer zersplittert. Um die Kugel zu entfernen und den Unterkiefer wiederherzustellen, waren mehrere chirurgische Eingriffe nötig. Wäre die Frau ein paar Zentimeter höher in der Schläfe oder tiefer im Halsbereich getroffen worden, hätte der Schuss durchaus tödlich sein können, hatte ein Rechtsmediziner betont.

Auf zivilrechtlicher Ebene soll ein Gutachter die exakte Höhe des Schadenersatzes ermitteln. Dem Opfer soll allerdings eine Provision von 20.000 Euro zukommen.

Alle Parteien haben nun 40 Tage Zeit, um gegen das Urteil aus erster Instanz Berufung einzulegen.



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Links der Stuhl, in dem das Opfer von Fentingen saß, rechts die Dachgeschosswohnung, in der sich das Drama von Bereldingen abspielte. Während im Fall der verlorenen Kugel der beschuldigte Jäger Rechtsmittel gegen eine Anklageerhebung eingelegt hat, sind die Ermittlungen zum mutmaßlichen Doppelmord noch nicht abgeschlossen. Der tatverdächtige Polizist befindet sich weiter in U-Haft.