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Geiben ist "unsere beste Spur"
Lokales 2 Min. 11.03.2013

Geiben ist "unsere beste Spur"

Ben Geiben - laut Biever ein brillianter Polizist.

Geiben ist "unsere beste Spur"

Ben Geiben - laut Biever ein brillianter Polizist.
Foto: Fern Morbach
Lokales 2 Min. 11.03.2013

Geiben ist "unsere beste Spur"

Ben Geiben ist ein „Super-Flic“, ein brillanter Polizist, vielleicht zu brillant, um ein ehrlicher Mensch zu sein. Ihm wird als erster die Attentatsserie angekreidet. „Unsere beste Spur“ behaupten Ermittler. Pikant: Geiben bremst Jahre später den Polizeidirektor Lt.-Col. Pierre Reuland aus, seinen Nachfolger bei der „Brigade mobile“.

(mt) - Ben Geiben ist ein „Super-Flic“, ein brillanter Polizist, vielleicht zu brillant, um ein ehrlicher Mensch zu sein. Ihm wird als erster die Attentatsserie angekreidet. „Unsere beste Spur“ behaupten Ermittler. Pikant: Geiben bremst Jahre später den Polizeidirektor Lt.-Col. Pierre Reuland aus, seinen Nachfolger bei der „Brigade mobile“. Reuland kann oder will sich nicht mehr an die Beschattung Geibens erinnern. Die Politik zeigt die Rote Karte: Der Polizeidirektor wird entpflichtet.

In den Jahren 1978/79 ruft Ben Geiben die „Brigade mobile de la Gendarmerie“ ins Leben, verlässt aber ganz überraschend die Gendarmerie einige Jahre später und gerät wohl wegen dieses scheinbar unerklärlichen Berufswechsels ins Fadenkreuz der Ermittler, und das noch während der Attentate.

Geiben ist also die erste Spur, und wird bald auch zu der „besten Spur“, wie Lt. Armand Schockweiler, Leiter der „Bommeleeër“-Kommission seit 1985 vor der Untersuchungsrichterin aussagt. Fälschlicherweise aber, denn dem damaligen „Super-Flic“ Geiben ist eigentlich nichts anzulasten, wie die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift schreibt.

Der Pfadfinder der Truppe

Wie kommt es dazu, dass sich alle Blicke auf Geiben fokussieren? Erklärung: Als am 1. Oktober 1985 Lt.-Col. Aloyse Harpes die Leitung der Gendarmerie übernimmt, zirkuliert bei den Behörden zunehmend der Name Geiben als möglicher „Bommeleeër“. Doch sind es nur Vermutungen, die zu diesem Verdacht führen: Geiben, der die „Brigade mobile“ bereits 1982 und die Gendarmerie 1984 verlassen hat und nach Brüssel und Paris ausgewandert ist, befindet sich tatsächlich während verschiedenen Anschlägen in Luxemburg.

Er verfügt auch über die Ausbildung und das Insiderwissen, um solche Attentate verüben zu können. Die Erpresserbriefe an Cegedel sind in einem Pfadfinderjargon geschrieben, was „in gewisser Weise der Persönlichkeit und dem Charakter von Geiben entsprach“. Doch ist dies wirklich ausreichend, um jemanden ernsthaft zu belasten?

Laut Anklageschrift sind es wohl ganz andere Ursachen, die plötzlich ein schlechtes Licht auf Geiben werfen. Geiben gilt als ein ausgezeichneter Polizist, ein brillanter junger Offizier, der vom damaligen Minister der Öffentlichen Macht Emile Krieps unterstützt wird und die Karriereleiter schnell hochsteigt, doch dies nur bis zu einem Punkt. Verdrossenheit? Enttäuschung? Es ist eine große Überraschung für Polizei und Gendarmerie, als der Chef der Elitepolizei plötzlich seinen Posten in der Gendarmerie aufgibt.

Spitzel beschatten Geiben

Nach eigenen Aussagen tut er es wegen seiner Homosexualität. Sie hätte der Gendarmerie letztlich nur Schaden zugefügt, so Geiben. Ein letztes Mal wird der „Super-Flic“ in der Nacht zum 19. Oktober 1985 beschattet, dies zwischen dem Hotel Holiday Inn auf Kirchberg und einer Autobahnauffahrt nahe Bastogne. Dort brechen Geheimdienstler die Verfolgung Geibens ab.

Geiben verschwindet ganz von der Oberfläche, und die bis dahin „beste Spur“ der Ermittler wird auch nicht mehr weiterverfolgt. Eine Ursache, weshalb Geiben nicht mehr interessant ist, wird allerdings in den Ermittlungsdossiers nicht vermerkt. Viele Jahre später stolpert dann Polizeidirektor Lt.-Col. Pierre Reuland über die damalige Beschattung Geibens, die er offenbar angeordnet hatte, von der er aber nichts mehr wissen will.


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