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"Gehe nicht in die Regierung"
Lokales 4 Min. 19.10.2018

"Gehe nicht in die Regierung"

Roberto Traversini bleibt Bürgermeister.

"Gehe nicht in die Regierung"

Roberto Traversini bleibt Bürgermeister.
Foto: Guy Jallay
Lokales 4 Min. 19.10.2018

"Gehe nicht in die Regierung"

Luc EWEN
Luc EWEN
Obwohl er bei den Parlamentswahlen ein unerwartet gutes Ergebnis erzielt hat, will Roberto Traversini Bürgermeister, Abgeordneter und ProSud-Präsident bleiben. In die Regierung will er nicht. Und das hat Gründe.

Roberto Traversini hatte als Zweitgewählter auf der Grünenliste im Süden dieser Tage mehrere Gespräche. Einige davon mit dem Spitzenkandidaten und Erstgewählten seiner Partei im Südbezirk, Félix Braz. Traversini hat dabei klar gemacht: Trotz seinem besseren Abschneiden als die weibliche Spitzenkandidatin, Josée Lorsché, wird er keinen Regierungsposten übernehmen, sollten die aktuellen Koalitionsverhandlungen fruchten. Und auch bei denen ist er lediglich in thematischen Arbeitsgruppen vertreten.

„Ich bin vor einem Jahr in Differdingen angetreten um Bürgermeister zu bleiben“, sagt Roberto Traversini. Obwohl er damals, nach dem Ende der Ära Meisch in Differdingen, Vertreter der nur drittstärksten Fraktion und des nur zweitstärksten Koalitionspartners in einer Dreierpartnerschaft war, war er 2014 Bürgermeister geworden. Bei den Wahlen 2017 hatte er seine Fraktion im Gemeinderat von drei zu sieben Sitzen geführt und so zur stärksten Fraktion im Gemeinderat gemacht.

„Das Vertrauen, das die Differdinger in mich gesetzt haben, sitzt tief und ich kann jetzt nicht aus Differdingen fort“, so ein sichtlich gerührter Roberto Traversini.

„Will Verantwortung übernehmen“

Und, die nächste Frage vorausschauend, fügt er gleich hinzu: „Sicherlich könnte man das nun auch nach den Parlamentswahlen sagen und mir vorwerfen, dass ich nun nicht in die Regierung will.“ Aber, er nennt zwei Gründe, warum er es dennoch nicht tun wird. Der erste: er sei für Parität, weshalb es besser sei, anderen den Vortritt zu lassen. Er fügt hinzu, dass das jetzige Wahlsystem nun mal das sei, was es sei und die Wähler Köpfe statt Programme wählen. Dass so wenige Frauen gewählt wurden, erschrecke ihn. „Das ist ein Problem.“

Der zweite Grund sei Differdingen und der Süden. Dort gäbe es noch viel für ihn zu tun. Er würde es denn auch gut finden, wenn es zu einer Abschaffung der Doppelmandate, also des sogenannten „Député-maire“, kommen würde. „Es müsste eine nationale Regelung dazu geben, die für jeden gilt“, sagt er, auf einen freiwilligen Verzicht angesprochen. Aber, bis es soweit ist, wolle er seine Verantwortung als gewählter Bürgermeister und als gewählter Abgeordneter wahrnehmen. Denn, die Wähler würden ja Abgeordnete bestimmen und nicht Minister.

So sehe er sich denn auch, aufgrund seines guten Abschneidens bei den Parlamentswahlen, in der Pflicht, mehr Verantwortung als Abgeordneter zu übernehmen, sei es in Kommissionen, sei es in Arbeitsgruppen. Er wolle verstärkt seinen „Pefferkär“ beitragen.

Auf die Frage, ob ihm die Entscheidung, sich nicht für ein Regierungsmandat zu empfehlen, denn leicht gefallen sei, zögert er nur einen kurzen Augenblick. Seine bis dahin angespannten Gesichtszüge zerfließen zu einem schelmischen Lächeln und es platzt aus ihm heraus: „Ja“. Dann überlegt er kurz und, als ob er sich für dieses Bekenntnis entschuldigen wollte, fügt er hinzu, „aber ich habe zwei Tage darüber geschlafen, ehe ich es Félix Braz gesagt habe“.

Südregion als Ansporn

Zu vielfältig seien die Aufgaben, die in Differdingen, als Bürgermeister und im ProSud, als Präsident, noch auf ihn warten. Er beginnt eine lange Aufzählung. Im Südsyndikat seien die anstehenden Projekte, wie das der Europäischen Kulturhauptstadt Esch 2022, oder das Unesco-Label Man and Biosphere, sowie die Herausforderungen in Mobilitätsfragen, riesige Chancen für die künftige Entwicklung der Region. Zudem sehe er diese Projekte als Herausforderungen und Ansporn zugleich.

Gemeinsam könnten die Südgemeinden viel erreichen. Jeder habe seine Stärken, die subsidiarisch genutzt werden könnten.

Gemeinsam? Subsidiarisch? Am Freitag hatte die ehemalige Escher Bürgermeisterin Vera Spautz (LSAP) erneut Traversini als Bürgermeister von Differdingen scharf im Escher Gemeinderat angegriffen. In Bezug auf die Aufnahmestelle für Obdachlose, Abrisud, betonte sie, dass mehrere Abrisud-Kunden aus Differdingen stammen.

„Wenn er (Traversini) schon in seiner Stadt keine Verantwortung für Obdachlose übernimmt, soll diese sich wenigstens an den Kosten beteiligen“, so Spautz.

Baustelle ProSud-Erweiterung

„Das ist genau die Mentalität, die uns nicht weiterbringt“, so Traversini. Im Sozialbereich solle komplementär zwischen den Südgemeinden gearbeitet werden und nicht, als sei es ein Wettkampf. „Probleme löst man nicht, indem man mit dem Finger auf andere zeigt. Ich hatte Vera Spautz bereits nach Differdingen eingeladen, um ihr zu zeigen, was bei uns alles im sozialen Bereich geschieht. Ich wiederhole diese Einladung hiermit, denn bisher hat sie sie nicht angenommen.“

Um die Zusammenarbeit im Süden auszubauen, will Traversini den ProSud erweitern. Das werde nicht überall angenommen. Leudelingen etwa, habe die Einladung zu Gesprächen abgelehnt, aber Vorgespräche finden derzeit mit Roeser und Reckingen/Mess statt.

„Es geht um die Sache.“ Das Amt des ProSud-Präsidenten solle zur pragmatischen Lösungsfindung genutzt und nicht parteipolitisch instrumentalisiert werden. „Sie werden keinen Wahlkampf-Flyer finden, auf dem steht, ich sei ProSud-Präsident.“

Sowohl als Bürgermeister, wie auch als ProSud-Präsident, gebe es viel zu tun. „Es ist ein Knochenjob“, sagt Roberto Traversini. Aber, er sei motiviert und deshalb sei das jetzt sein Platz.


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