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Gegen Autobrände gewappnet
Lokales 3 Min. 03.05.2019 Aus unserem online-Archiv

Gegen Autobrände gewappnet

Wenn vom Wagen fast nichts mehr übrig ist, ist das ein Fall für die Versicherung.

Gegen Autobrände gewappnet

Wenn vom Wagen fast nichts mehr übrig ist, ist das ein Fall für die Versicherung.
Foto: Steve Remesch
Lokales 3 Min. 03.05.2019 Aus unserem online-Archiv

Gegen Autobrände gewappnet

Sophie HERMES
Sophie HERMES
Wenn ein Fahrzeug in Brand gerät, kommt es meist schnell zu einem Totalschaden. Wer gut versichert ist, bleibt nicht auf den Kosten sitzen.

Gleich mehrmals kam es in den vergangenen Wochen und Monaten im Raum Hesperingen aber auch in Schengen zu Autobränden. Die Ermittler konnten eine Person mit den Vorfällen in Verbindung bringen, die im April verhaftet und in Untersuchungshaft genommen wurde. Ein Ende der Serie war es dennoch nicht. Auch wenn bisher niemand verletzt wurde, erlebten die Wagenbesitzer eine unangenehme Überraschung. Denn an vielen Fahrzeugen entstand innerhalb kürzester Zeit ein Totalschaden.

Auf ihren Kosten sitzen bleiben, müssen die Eigentümer aber nicht – vorausgesetzt, sie haben eine Zusatzversicherung abgeschlossen. „Die obligatorische Haftpflichtversicherung reicht in diesem Fall nicht aus“, erklärt Marc Hengen vom Dachverband der Versicherungsgesellschaften (ACA). Denn diese kommt nur dann auf, wenn ein Dritter einen Schaden erlitten hat.


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Wer hingegen über eine Kaskoversicherung verfügt, kann mit einer Entschädigung rechnen. Dabei muss es nicht einmal der volle Versicherungsschutz sein: Eine Teilkasko, die sogenannte kleine Kasko, die Diebstahl, Brand und Glasbruch absichert, reicht aus. „Die Feuergarantie springt ein, wenn der Wagen verbrennt“, erklärt Marc Hengen.

Neuwert und Zeitwert

In den meisten Fällen wird für Fahrzeuge, die nicht älter als drei Jahre sind, der Neuwert in Betracht gezogen. Danach gilt der Zeitwert. Eine absolute Regel ist dies aber nicht: „Welcher Wert rückerstattet wird, hängt jeweils vom Vertrag ab“, sagt der Experte.

Auch was Wertsachen angeht, die sich im Wagen befanden und gemeinsam mit dem Fahrzeug beschädigt wurden, gibt es keine Standardregelung. Hier empfiehlt sich demnach ein Blick in das Unterzeichnete. Bei einigen Kaskoversicherungen sind Gegenstände bis zu einem gewissen Wert mitversichert, bei anderen nicht. Einige Versicherungen bieten hier die Möglichkeit, den versicherten Betrag zu erhöhen.

Feuerwehr, Polizei, Versicherer

Wer bemerkt, dass sein Wagen in Flammen steht, sollte zunächst die Feuerwehr verständigen, ebenso wie die Polizei. Denn wohl ist nicht immer Brandstiftung die Ursache, dies sei jedoch oft der Fall, so Marc Hengen.

Anschließend sollte der Eigentümer Kontakt zur Versicherung aufnehmen. Wohl bieten viele Dienstleister einen 24-Stunden-Service an, der Kunde ist bei einem Schaden, der in der Nacht entsteht, jedoch nicht verpflichtet, diesen noch in der Nacht zu melden. „Es gibt in Luxemburg keine Zwölfstundenfrist, in der man dem Versicherer Bescheid geben muss“, sagt Marc Hengen. Der Versicherungsanspruch verfällt demnach nicht, wenn man den Dienstleister erst am folgenden Vormittag über den Vorfall in Kenntnis setzt.

Anschließend kümmert sich die Versicherungsgesellschaft um den Wagen, ruft gegebenenfalls einen Abschleppdienst und erklärt dem Kunden, welche weiteren Schritte erfolgen. Etwa ob ein Experte vor Ort geschickt wird, der den Schaden und den Wert des Fahrzeugs evaluiert. Ist dies erfolgt, wird dem Versicherungsnehmer die dabei festgelegte Summe erstattet.

Schadenersatz

Für den Versicherten mache es dabei keinen Unterschied, ob das Feuer auf eine Brandstiftung oder einen technischen Defekt zurückgehe. „Die Versicherung stellt lediglich fest, dass der Wagen verbrannt ist“, erklärt Marc Hengen. Lediglich wenn der Eigentümer sein Fahrzeug selbst in Brand gesetzt hat, greift die Versicherung nicht.


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Ansonsten wird die Dauer der Rückzahlung durch eventuelle polizeiliche Ermittlungen nicht verlangsamt. Auch dann nicht, wenn ein Täter gefunden wird und es daraufhin zu einem Gerichtsverfahren kommt.

In diesem Fall besteht für die Versicherungsgesellschaft allerdings die Möglichkeit, im Prozess als Zivilkläger Schadenersatz vom Angeklagten zu fordern. Auf diese Weise kann auch ein Eigentümer, der keine Kaskoversicherung abgeschlossen hat, agieren und so seine Kosten decken.

Auch wenn ein technischer Defekt als Brandursache festgelegt wurde und der Wagen noch unter Garantie stand, kann der Versicherer im Nachhinein die Kosten vom Konstrukteur zurückerlangen. Für den Versicherten selbst macht dies jedoch keinen Unterschied.

Übergreifendes Feuer

Keine Sorgen muss sich der Kunde zudem machen, wenn die Flammen von seinem Wagen auf ein nebenstehendes Auto oder eine Immobilie übergreifen. In diesem Fall übernimmt die obligatorische Haftpflicht die Kosten für die beschädigten Objekte, dies in der Regel bis zu einem Wert von 1,25 Millionen Euro.

Dies gilt auch, wenn durch das Feuer oder giftige Gase Schäden am Boden entstanden sind und dieser dekontaminiert werden muss.


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