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„Gefällt mir“: Der Wahlkampf in den sozialen Netzwerken
Lokales 3 Min. 13.10.2013

„Gefällt mir“: Der Wahlkampf in den sozialen Netzwerken

In Luxemburg ist der Wahlkampf via Facebook und Co. noch ausbaufähig.

„Gefällt mir“: Der Wahlkampf in den sozialen Netzwerken

In Luxemburg ist der Wahlkampf via Facebook und Co. noch ausbaufähig.
Foto: dpa
Lokales 3 Min. 13.10.2013

„Gefällt mir“: Der Wahlkampf in den sozialen Netzwerken

Wahlkampf findet schon länger auch im Internet und in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter statt. Hierzulande steckt der "Wahlkampf 2.0" allerdings noch in den Kinderschuhen.

(CBu) - Wahlkampf findet schon seit einiger Zeit an mehreren Fronten statt. Die „reale“ Welt ist nicht mehr genug. Seien es Webseiten, Email-Newsletter, Tweets oder Facebook-Werbung: Auch die Politik hat die virtuelle Welt für sich entdeckt. Hierzulande steckt der „Wahlkampf 2.0“ allerdings noch in den Kinderschuhen.

Barack Obama hatte es bei den historischen Präsidentschaftswahlen von 2008 vorgemacht, wie sich das Internet für den Kampf um die Wählerstimmen nutzen lässt. Wer den Senator aus Illinois damals auf Facebook und Twitter verfolgte, verpasste nichts. Wer sich dazu noch in den Newsletter seiner Kampagne einschrieb, wurde auch noch per Email auf dem Laufenden gehalten und regelmäßig mit Wahlwerbung oder Spendenaufrufen bombardiert. Das Ergebnis dieses ersten Wahlkampfs der modernen Welt ist bekannt.

Doch auch über die heißen Wahlkampfphasen hinaus finden heutzutage politische Debatten im Netz statt. Viele Politiker und Parteistrategen wissen das und versuchen es für sich zu nutzen. In Luxemburg ist Xavier Bettel wohl das beste Beispiel für einen Politiker, der das Potenzial sozialer Netzwerke erkannt hat. Als hätte der Bürgermeister, Abgeordnete und DP-Parteichef mit seinen Aufgaben in der analogen Welt nicht schon genug zu tun, ist er auch in den digitalen Sphären quasi omnipräsent.

Facebook: Keiner gefällt so sehr wie Bettel

So verwundert es auch nicht, dass Bettel die „Gefällt mir“-Rangliste der auf Facebook vertretenen Politiker mit großem Vorsprung anführt. Die Fan-Seite des DP-Politikers gefällt ganzen 15.930 Usern, was nahezu drei Mal so viele sind wie bei Premierminister Jean-Claude Juncker (5.723 „Gefällt mir“). An dritter Stelle rangiert LSAP-Spitzenkandidat Etienne Schneider mit aktuell 2.475 Facebook-Fans. Nach diesem Spitzentrio folgt lange nichts.

Weitere auf Facebook präsente Politiker kommen jedenfalls nur auf einige Hundert „Gefällt mir“-Angaben (wie etwa Mars Di Bartolomeo, Alex Bodry, Luc Frieden oder Jean Asselborn). Die Spitzenleute der kleinen ebenso wie weitere Vertreter der großen Parteien tun sich dagegen noch schwerer mit der Aktivität und damit auch mit der Beliebtheit in den sozialen Netzwerken.

Und selbst Politiker der wohl internetaffinsten Partei erreichen auf Facebook keine Massen. Sven Clement von den Piraten hat gerade einmal 270 „Likes“.

Große Unterschiede sind auch bei der Art und Häufigkeit der Nutzung der „neuen“ Medien erkennbar. Während Facebook-Veteran Bettel quasi im Minuten-Takt bzw. oft mehrmals am Tag sowohl private als auch politische Posts von sich gibt, sind die Meldungen der meisten Politiker und Parteien eher sporadischer Natur.

Was taugt der Social-Network-Wahlkampf?

Dass die Parteien längst im Web präsent sind und sich prinzipiell alle wichtigen Informationen zum Wahlkampf online auffinden lassen, ist also eine Sache. Die User und potenziellen Wähler direkt und proaktiv anzusprechen – das passiert in Luxemburg nur selten.

Die tatsächliche Wirkung des Online-Wahlkampfs ist allerdings umstritten. Laut neuesten Studien finden die wirklich entscheidenden Aktionen immer noch in der „realen“ Welt statt. Nicht nur, dass es immer noch viele Menschen gibt, die nicht auf Facebook, und noch weniger auf Twitter oder anderen Plattformen, aktiv sind – auch viele, die täglich stundenlang online sind, haben wohl gute Gründe, die wahlpolitische Relevanz von sozialen Netzwerken zu bezweifeln.

Soziale Medien seien nur ein kleiner Teil dessen, was heute den Wahlkampf ausmacht, schreibt die deutsche Soziologin Jasmin Siri in einer Analyse zum deutschen Bundestagswahlkampf 2013. Durch derartige Präsenz erreiche man „nur einen Bruchteil der Wählerinnen und Wähler“, und dabei „besonders jüngere, gebildete Menschen in Städten“.

Und die Expertin gibt weiter zu bedenken, dass bei Facebook, Twitter und Co. nur selten wirklich neue Wähler gewonnen werden, sondern oft das Gespräch mit Parteifreunden, Journalisten oder ohnehin sympathisierenden Usern im Mittelpunkt steht.

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