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Gefährliche Hausbrände: Wie reagieren, wie vorbeugen?
Lokales 4 Min. 21.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Gefährliche Hausbrände: Wie reagieren, wie vorbeugen?

Hausbrände können ein starkes Ausmaß annehmen. So wie hier Ende Januar in Lipperscheid.

Gefährliche Hausbrände: Wie reagieren, wie vorbeugen?

Hausbrände können ein starkes Ausmaß annehmen. So wie hier Ende Januar in Lipperscheid.
Foto: Polizei
Lokales 4 Min. 21.02.2014 Aus unserem online-Archiv

Gefährliche Hausbrände: Wie reagieren, wie vorbeugen?

Seit Beginn des Jahres haben zahlreiche Brände die Feuerwehr in Atem gehalten. wort.lu hat  sich bei der Berufsfeuerwehr erkundigt,  wie man einen Brand vermeiden kann und was im Notfall zu tun ist.

(asf) - Seit Beginn des Jahres haben zahlreiche Brände die Feuerwehr in Atem gehalten. Das LW hat die Berufsfeuerwehr der Stadt Luxemburg besucht und sich bei Guy Weis erkundigt, dem Zuständigen für den Bereich Brandprävention des „Service d’ Incendie et d’ Ambulances“, wie man einen Brand vermeiden kann und was im Falle eines Falles zu tun ist.

Das folgende Szenario ist bekannt aus zahlreichen Filmen, wahrhaftig erleben möchte es niemand: Dunkler, in der Kehle kratzender Rauch wabert durch den Raum, dazu das bedrohliche Zucken von gleißend hellen Flammen. Die Luft ist siedend heiß, der immer dichter werdende Rauch verhindert die Sicht und macht das Atmen beinahe unmöglich. Es ist eine Horrorvorstellung, doch Hausbrände können erbarmungslose Wirklichkeit werden.

Seit Beginn des Jahres haben so landesweit zahlreiche Brände die Feuerwehr in Atem gehalten. Um nur einige Beispiele zu nennen: In Mertert, Luxemburg-Stadt und Berdorf kam es zu Bränden in Wohnhäusern, in Gostingen ist ein leer stehendes Haus komplett abgebrannt. In den genannten Fällen wurde zwar niemand verletzt, doch dies muss keineswegs die Regel sein.

Die Berufsfeuerwehr stellt sich vor

Zunächst ein paar Worte zum städtischen Korps: Es umfasst 170 Hauptberufliche, davon allein 30 Neuzugänge. Ihre Arbeit verrichten sie in Schichten von je 12 Stunden. Neben Einsätzen stehen noch andere Verpflichtungen an der Tagesordnung, wie z.B. die Wartung der Dienstfahrzeuge oder kleinere Reparaturen. Zu diesem Zweck verfügt die Feuerwehr über eine hauseigene Schlosserei und Schreinerei. Hinzu kommen Fortbildungen am Wochenende oder Abends. Zu erwähnen ist auch, dass das hauptberufliche Korps eng mit der freiwilligen Feuerwehr zusammenarbeitet und sie in einem steten Austausch miteinander stehen.

Jährlich fallen bis zu 16 000 Einsätze an, davon sind mehr als zwei Drittel Krankentransporte, der Rest Löscheinsätze bei Bränden oder andere Hilfestellungen. Die Zeit, die benötigt wird, um den Unfall- bzw. Brandort zu erreichen, überschreitet in der Regel nicht die Acht-Minuten-Grenze.

Präventionsmaßnahmen für den Alltag

„Zu den häufigsten Brandursachen gehören veraltete und defekte elektronische Installationen und Geräte“, so Weis. Weiter: „Es ist sehr wichtig, dass diese von einem Fachmann installiert oder überprüft werden.“ Der altbekannte Brandstifter „verrußter Kamin“ habe über die letzten Jahrzehnte erheblich an Bedeutung verloren, verfügten die meisten Häuser doch über Gasheizung. Kamine fungierten hauptsächlich noch als Dekorationsobjekte und Wärmkörper zweiter Instanz.

Wer Elektrogeräte als mögliche Brandherde entschärfen möchte, kann dies tun, indem er auf intakte Kabel achtet und Geräte mit Mangelerscheinungen nicht mehr in Betrieb nimmt. Objekte wie Kaffeemaschinen kann man auf einen nicht brennbaren Untersatz stellen, z.B. aus Metall. Dasselbe gilt natürlich auch für kleine offene Feuer wie brennende Kerzen.

Was tun, wenn's doch zuhause brennt?

Sollte es dennoch zu einem Brand kommen, lautet die erste zu ergreifende Maßnahme: Notruf, Feuerwehr alarmieren. Die nächste Priorität liegt darin, die eigene Sicherheit nie aus den Augen zu verlieren, um kein unnötiges Risiko einzugehen. Je nach Situation kann man erwägen, das Feuer eigenhändig in den Griff zu bekommen oder zumindest einzudämmen. Zu allererst sollte man, wenn vorhanden, einen Feuerlöscher zur Hand nehmen. Ist dies nicht möglich, so kann man versuchen, mit einer speziellen Löschdecke oder einem feuchten und nicht-synthetischen Textil, dem Feuer die Sauerstoffzufuhr zu rauben. Sofern es sich nicht um einen Fettbrand handelt, kann auch ein Eimer Wasser hilfreich sein. Dabei sollte man die Gefahrenlage immer realistisch einschätzen und das richtige Handeln abwägen.

Der nächste Schritt besteht darin, Fenster und Türen nach Möglichkeit zu verschließen, um eine rasche Ausbreitung des Feuers zu verhindern, und sodann das Haus zu verlassen. Für den Fall, dass der Rauch bereits zu dicht ist, rät Guy Weis: „Da der Rauch und die heiße Luft nach oben steigen, beträgt die Temperatur direkt unter der Decke zwischen 300° und 400° C, während unten zumeist noch eine zuträgliche Atmosphäre herrscht. Deshalb sollte man sich dann sehr nah am Boden bewegen, bestenfalls robben.“

Hat man das Haus einmal verlassen, warnt Weis eindrücklich davor, noch einmal zurückzukehren, da dies oft tödlich ende. Bei Ankunft der Feuerwehr soll man diese unbedingt über eventuelle Gefahrenquellen wie Gasflaschen in Kenntnis setzen. Daneben ist es für das angerückte Team hilfreich, den Ursprung des Feuers zu kennen.

Gefahr des Rauches häufig unterschätzt

Wenn es zu Todesfällen kommt, geschieht dies in der Regel nicht durch die Flammen selbst, sondern durch die entstehenden, giftigen Gase. „Das Feuer initiiert chemische Reaktionen, die gesundheitsgefährdende Stoffe wie Kohlenstoffmonoxid oder gar Blausäuregas freisetzen“, warnt Weis. Letzteres ist ein Nervengift, das zu Lähmungen der Muskeln führt: Der Körper wird bewegungsunfähig.

Nur in seltenen Fällen sterben Menschen an lebensbedrohlichen Verbrennungen, dies zumeist bei Autounfällen. Europaweit kommen im Schnitt zwölf von einer Million Menschen bei Bränden ums Leben. Luxemburg unterbiete diese Zahl sogar noch, Brandopfer bei Verkehrsunfällen inklusive, so Weis.

Abschließend hebt Guy Weis die Bedeutung von Feuerlöschern und Frühwarnsystemen, besonders in mehrstöckigen Gebäuden, hervor.Denn zumal für Hausbrände gilt: Nicht erst handeln, wenn das Kind bereits im Brunnen liegt.