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Gedenkstätte für Verkehrsopfer : Ein trister Ort

Gedenkstätte für Verkehrsopfer : Ein trister Ort

Foto: Nadine Schartz
Lokales 2 Min. 23.08.2016

Gedenkstätte für Verkehrsopfer : Ein trister Ort

Nadine SCHARTZ
Nadine SCHARTZ
Die nationale Gedenkstätte für Verkehrsopfer in Junglinster wurde vor wenigen Tagen mit Graffiti verunreinigt. Ein Beispiel von vielen. Werden auf dem Areal doch des Öfteren Abfälle abgeliefert oder Lastwagen abgestellt. Hinzu kommt der Zustand der Anlage an sich.

(nas) -  Eigentlich ist sie ein Ort der Trauer, ein Ort der Erinnerung an jene Menschen, die ihr Leben bei einem Verkehrsunfall verloren haben oder verletzt wurden: die nationale Gedenkstätte für Verkehrsopfer auf dem CR132 nahe Junglinster. Doch derzeit macht die 2012 eingeweihte Anlage einen traurigen Eindruck.

Der Betonsockel, auf der im November das "Monument de receuillement" errichtet werden soll, wurde mit Graffiti besprüht.
Der Betonsockel, auf der im November das "Monument de receuillement" errichtet werden soll, wurde mit Graffiti besprüht.
Foto: Nadine Schartz

Der Betonsockel, der sich gleich im Eingangsbereich neben dem Parkplatz befindet und für Zeremonien vorgesehen ist, hat seine besten Zeiten hinter sich. Dunkle Flecken, einige Graffiti-Versuche auf einer Seite und, gleich gegenüber, prägen eine komplett besprühte Ecke das Bild. Dass es sich hierbei um eine Gedenkstätte und nicht um zusätzlichen Parkraum handelt, ist auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen. Wenig einladend wirkt auch die Holzbank, die sich neben dem Areal befindet. Denn auch hier hat der „Graffiti-Künstler“ seine Spuren hinterlassen.

Auch die Holzbank vor der Gedenkstätte wirkt nicht gerade einladend.
Auch die Holzbank vor der Gedenkstätte wirkt nicht gerade einladend.
Foto: Nadine Schartz


Vermeintliche Kunst und dürre Äste

Vom oberen Bereich aus führt ein 200 Meter langer „Lebensweg“ nach unten. Von Leben ist dort allerdings nur noch wenig zu sehen. Von der angepflanzten Allee mit Ebereschen haben nur wenige junge Bäume überlebt. Die Mehrheit machen Holzpfähle und einige dürre Äste aus.

Nur noch wenige Äste erinnern an die gepflanzten Ebereschen. Unter anderem die Wühlmäuse haben dafür gesorgt, dass die Bäume nicht größer wurden.
Nur noch wenige Äste erinnern an die gepflanzten Ebereschen. Unter anderem die Wühlmäuse haben dafür gesorgt, dass die Bäume nicht größer wurden.
Foto: Nadine Schartz

Am tiefsten Punkt der Gedenkstätte befindet sich die „Meditationsskulptur“ (4). Neun Stellen ragen in den Himmel, sollen den Menschen halt geben und trotzdem den Blick nach oben frei lassen. Auch wenn das Grün zwischen den Betonplatten herausdrängt, sind die Stelen unverändert. Noch hat niemand sich oder seine vermeintliche Kunst dort verewigt. Gut möglich, dass der Weg bis zum Monument dann doch etwas zu weit war.

Denn gleich gegenüber dem Parkplatz befindet sich eine zerfallene Ruine, die ebenfalls an mehreren Stellen mit den Buchstaben NHS, einer Biene und dem Wort „Bee“ besprüht wurde. Eindeutig der gleiche Sprayer wie auf der Gedenkstätte.

„Als ich das Gekritzel bemerkte, habe ich den Vorfall sofort bei der Polizei gemeldet und Anzeige erstattet“, sagt Raymond Schintgen, Präsident der „Association nationale des Victimes de la Route“ (AVR), welche die Initiative für die Errichtung der Gedenkstätte in Junglinster übernommen hatte. Das Graffiti ist jedoch nicht das einzige, woran sich Raymond Schintgen stört. Da die Gedenkstätte nämlich ziemlich abgelegen liegt, würden des Öfteren Abfälle dort abgeliefert oder Lastwagen auf dem Parkplatz abgestellt. Einmal pro Woche müsste das Personal der Gemeinde Junglinster die Mülleimer leeren und die Stätte säubern.

Gegenüber der Gedenkstätte hat der "Graffiti-Künstler" sich ebenfalls verewigt.
Gegenüber der Gedenkstätte hat der "Graffiti-Künstler" sich ebenfalls verewigt.
Foto: Nadine Schartz

„Monument de Recueillement“ kommt im November

Auch der Tatsache, dass die Stätte sich nicht gerade im besten Zustand befindet, ist sich der Vorsitzende mehr als bewusst. „Derzeit arbeiten Vertreter der Straßenbauverwaltung und des Umweltministeriums ein Projekt für die Neugestaltung des Areals aus“, erklärt der Vorsitzende. Dieses soll den Verantwortlichen des AVR noch bis Ende des Jahres vorgelegt und schließlich schnellstmöglich umgesetzt werden. Auch die karge Baumallee ist ein Bestandteil des Vorhabens.

Denn der Grund dafür, dass dort fast nur noch leere Holzpfähle in die Luft ragen, ist nicht etwa Vernachlässigung. Vielmehr würden u. a. Wühlmäuse an den Wurzeln knabbern, heißt es. Im Rahmen der Neugestaltung soll der Lebensweg mit neuen Bäumen oder Hecken bepflanzt werden.

Darüber hinaus unterstreicht Raymond Schintgen, dass das noch geplante „Monument du Recueillement“ des Künstlers Nico Thurm voraussichtlich im November auf den mit Graffiti besprühten Betonsockel installiert werden soll.