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Gedenkfeier in Martelingen: Narben einer Ortschaft
Vor dem Mahnmal an der N4 im Martelinger Ortskern legten am Sonntagmorgen belgische und luxemburgische Autoritäten Blumen des Gedenkens nieder.

Gedenkfeier in Martelingen: Narben einer Ortschaft

Foto: Anouk Antony
Vor dem Mahnmal an der N4 im Martelinger Ortskern legten am Sonntagmorgen belgische und luxemburgische Autoritäten Blumen des Gedenkens nieder.
Lokales 20 20.08.2017

Gedenkfeier in Martelingen: Narben einer Ortschaft

John LAMBERTY
John LAMBERTY
Die Zeit heilt alle Wunden, heißt es. Die Narben aber bleiben. Am Sonntag erinnerte sich Martelingen zum 50. Mal der Explosionskatastrophe vom 21. August 1967.

(jl) - Trauer, Hoffnung, Solidarität: Ein ganz besonderer Gefühlsschleier hatte sich am Sonntagmorgen über die Grenzortschaft Martelingen gelegt, wo man zum nunmehr 50. Mal an die furchtbare Katastrophe vom 21. August 1967 erinnerte, als die Explosion eines verunglückten Gastanklasters an Kirmesmontag im Ortskern 22 Menschen in den Tod gerissen und zahlreiche weitere zum Teil schwer verbrannt hatte.

Mitgefühl und Solidarität

Trauer angesichts der Opfer von damals, Hoffnung, dass das Leben letztlich stärker ist als der Tod, und Solidarität zwischen den Hinterbliebenen und den Nachfolge-
generationen, zwischen Belgiern und Luxemburgern im gemeinsam erfahrenen Leid.

„Ja, 50 Jahre später hat die Zeit den Schmerz soweit gelindert, dass die betroffenen Familien wieder neue Lebenspläne schmieden konnten. Ihre Tränen zeigen aber zugleich, wie sehr sie auch heute noch unseres Mitgefühls und unserer Unterstützung bedürfen“, so der Martelinger Bürgermeister Daniel Waty am Mahnmal für die Opfer des 21. August 1967.

"Es bleibt noch viel zu tun"

Zuvor hatte Waty gemeinsam mit seinem Rambroucher Amtskollegen Toni Rodesch, dem Gouverneur der belgischen Province de Luxembourg, Olivier Schmitz, und dem wallonischen Minister für ländliche Entwicklung, René Collin, Blumen zu Ehren der Opfer niedergelegt und all jenen Einsatzkräften gedankt, die damals unter schwersten Bedingungen Hilfe geleistet hatten.

Weniger lobende Worte fand Daniel Waty dagegen für die immer noch herrschende Trägheit der staatlichen Behörden, wenn es um die Sicherung und Modernisierung der Nationalstraße 4 geht. Eine Fahrlässigkeit, die bis heute tagtäglich Menschenleben in 
Martelingen gefährde. Der Gouverneur der Province de Luxembourg, Olivier Schmitz, verwies seinerseits auf das zuletzt bereits Geleistete, aber auch auf die Wichtigkeit von Risikostudien bei jeglichen künftigen Planungen.

Ausstellung noch bis 6. September

Begonnen hatten die Gedenkfeiern am Morgen mit einem von Pfarrer Philippe Moline zelebrierten Gottesdienst in der Pfarrkirche von Martelingen, ehe es im Prozessionszug zum Denkmal an der N 4 ging. Im Anschluss lud der „Cercle d'histoire de Martelange“ alsdann ins lokale Kulturzentrum ein, wo nun noch bis zum 6. 
September auch eine Ausstellung mit vielen Fotos, Zeitzeugenberichten und einer Broschüre an die Katastrophe von vor 50 Jahren erinnert.