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Gedenken an Generalstreik: Das Vermächtnis der Aufrechten
Gemeinsam mit den Spitzen von Regierung und Parlament legte Großherzog Henri Blumen am nationalen Streikdenkmal nieder.

Gedenken an Generalstreik: Das Vermächtnis der Aufrechten

Foto: Lex Kleren
Gemeinsam mit den Spitzen von Regierung und Parlament legte Großherzog Henri Blumen am nationalen Streikdenkmal nieder.
Lokales 13 2 Min. 31.08.2017

Gedenken an Generalstreik: Das Vermächtnis der Aufrechten

John LAMBERTY
John LAMBERTY
In Präsenz von Großherzog Henri sowie der Spitzen von Regierung und Parlament gedachte die Märtyrerstadt Wiltz am Donnerstag zum 75. Mal des nationalen Generalstreiks vom 31. August 1942. Ein Datum, das seitdem als Schlüsselmoment in der Geschichte unseres Landes gilt.

(jl) - Als am Donnerstagmorgen um 11 Uhr 
vor dem Eingang zur ehemaligen 
Ideal-Lederfabrik in Wiltz die Sirenen aufheulten und neben Bürgermeister Fränk Arndt auch Großherzog Henri, Staatsminister Xavier Bettel und Kammerpräsident Mars Di Bartolomeo den Kopf senkten, war es, als ob sich das ganze Land vor den 
Opfern des Generalstreiks vom 31. August 1942 verneigte.

Genau 75 Jahre vorher hatten an eben dieser Stelle, im Protest 
gegen die tags zuvor von Gauleiter Gustav Simon verkündete Einberufung der Luxemburger Jahrgänge 1920-1924 in die deutsche Wehrmacht, die ersten Arbeiter und Beamten den Dienstantritt verweigert. Sie hatten jenen Streik losgebrochen, der sich in Windeseile bis in den Süden des Landes ausdehnte und schließlich zu einem der entscheidendsten 
Ereignisse in der Geschichte des Landes werden sollte.

Schlüsselmoment  der Nationalgeschichte

Entscheidend insofern, als der im 
besetzten Europa bis dahin einzigartige Aufstand gegen die 
Nazis zu einem weithin beachteten Symbol des Luxemburger Unabhängigkeitswillens wurde und die Existenz des Landes seither nie wieder in Frage gestellt wurde. Entscheidend aber auch, da der Streik vermutlich eine noch viel weitreichendere Zwangsrekrutierung der Luxemburger Jugend verhindert hatte, wie Staatsminister Xavier Bettel am Donnerstag am nationalen Streikdenkmal in Wiltz nochmals betonte.

Das frisch renovierte Streikdenkmal solle denn auch auf ewig an die aufrechten Helden von damals erinnern, von denen letztlich 21 – darunter auch sechs Wiltzer – ihren mutigen Widerstand gegen die deutschen Besatzer mit dem Leben bezahlt hatten. Der Preis dafür, dass über Luxemburg bis heute die Freiheitssonne scheint.

Heilige Pflicht des Erinnerns

An die heilige Pflicht des 
Gedenkens erinnerten aber auch Bürgermeister Fränk Arndt und Kammerpräsident Mars Di Bartolemeo: „Die Ereignisse vom 31. August 1942 müssen nicht nur 
einen Platz in den Geschichtsbüchern, sondern auch in unseren Herzen und Köpfen behalten, 
damit wir auch heute noch den Drang des Aufbegehrens verspüren, wenn rote Linien übertreten werden“, so Mars Di Bartolomeo.

Nachdem Ehrenbürgermeister André Biver die Ereignisse vom 31. August 1942 nochmals Revue passieren gelassen und die Jugendlichen Lisa Spinelli, Jérôme Courtoy und Christian Graser die Namen der 21 Opfer des Streiks verlesen hatten, legte Großherzog Henri alsdann gemeinsam mit den Spitzen von Regierung und Parlament sowie den Vertretern zahlreicher patriotischer Vereinigungen, Gewerkschaften und Betriebe Blumen nieder.

Im Anschluss ließ sich der Großherzog von den Historikern Georges Büchler und Emile Lutgen durch die Ausstellung „75 Jor Streik“ führen, die von der Stadt Wiltz und dem nationalen Resistenzmuseum in Kooperation mit dem lokalen „Cercle philatélique“
zusammengestellt worden war. Diese ist nun noch bis einschließlich Sonntag in der Wiltzer "Reenert"-Grundschule zu sehen.