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Gedenken an den Genozid in Ruanda: „Eine ergreifende Feier“
Lokales 2 Min. 07.04.2014 Aus unserem online-Archiv

Gedenken an den Genozid in Ruanda: „Eine ergreifende Feier“

AUssenminister Jean Asselborn vertrat Luxemburg bei der Gedenkzeremonie in Kigali.

Gedenken an den Genozid in Ruanda: „Eine ergreifende Feier“

AUssenminister Jean Asselborn vertrat Luxemburg bei der Gedenkzeremonie in Kigali.
Foto: Serge Waldbillig
Lokales 2 Min. 07.04.2014 Aus unserem online-Archiv

Gedenken an den Genozid in Ruanda: „Eine ergreifende Feier“

In Kigali gedachten tausende Menschen den Opfern des Genozids vor 20 Jahren. Außenminister Jean Asselborn nahm für Luxemburg an der ergreifenden Gedenkfeier teil.

(DS / dpa) - „Es war eine ergreifende Feier“, so das Fazit von Außenminister Jean Asselborn, der am Montag in Kigali an der Gedenkzeremonie zum 20. Jahrestages des Beginns des Genozids in Ruanda teilnahm. „Die internationale Gemeinschaft hat damals kläglich versagt. Dabei hätten etwa 2.000 Blauhelme und eine handfeste UN-Resolution das Massaker verhindern können“, glaubt der Diplomatiechef. Damit stimmt Asselborn mit den Aussagen des ehemaligen französischen Außenministers und Mitbegründers der Hilfsorganisation Médecins sans Frontières, Bernard Kouchner, überein.

Aussöhnung als Grundstein für die Zukunft

Doch Asselborn zeigt sich zuversichtlich, was die Zukunft in Ruanda anbelangt. „In Ruanda wurde in den vergangenen 20 Jahren sehr viel erreicht, es hat eine echte Aussöhnung stattgefunden.“ Dass in Ruanda niemand mehr von Hutu oder von Tutsi spreche, sondern nur noch von Ruandern, sei ein deutliches Zeichen der Aussöhnung.

Für Asselborn ist es aber auch wichtig, dass alle – die Afrikaner, die Europäer und die Vereinten Nationen – ihre Lehren aus dem Genozid gezogen haben. „Die Saat der Gewalt wurde durch die Einteilung der Bevölkerung in Hutu und Tutsi bereits in den Zeiten des Kolonialismus gelegt. Das führte zunächst zu Hass und schließlich in Gewalt und am Ende in den Völkermord“, so der Außenminister.

Ein dunkler Moment in der Geschichte der Menschheit

20 Jahre nach dem beispiellosen Völkermord in Ruanda haben am Montag Überlebende im ganzen Land der Opfer gedacht. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete den Genozid bei einer Zeremonie im Nationalstadion der Hauptstadt Kigali als „einen der dunkelsten Momente in der Geschichte der Menschheit“. Die Massaker von Hutu-Milizen an der ethnischen Tutsi-Minderheit gelten als eines der schwersten Verbrechen aller Zeiten. Innerhalb von 100 Tagen wurden mehr als 800.000 Menschen auf brutalste Weise mit Macheten und Knüppeln ermordet.

Schwere Kritik gibt es bis heute an den Vereinten Nationen, die nicht in den Konflikt eingriffen und ihre Blauhelmsoldaten abzogen, als die Gewalt bereits begonnen hatte. „Die UN hätten viel mehr tun können, sie hätten viel mehr tun müssen“, erklärte Ban zum Beginn einer einwöchigen nationalen Trauerzeit. „Eine Generation später lastet die Scham weiter.“ Ruanda habe aber bewiesen, dass Veränderung möglich sei, betonte er.

Der ruandische Präsident Paul Kagame erinnerte daran, dass vor allem die Einteilung der Bevölkerung in eine Hutu-Mehrheit und eine Tutsi-Minderheit für den Völkermord verantwortlich war - diese hatten die belgische Kolonialmacht und französische Missionare vorangetrieben. „Das war das katastrophalste Vermächtnis der europäischen Kontrolle über Ruanda“, sagte er und fügte hinzu: „Kein Land - in Afrika oder sonst wo auf der Welt - darf je ein zweites Ruanda werden.“