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Gärtnern zwischen zwei Welten
Lokales 7 2 Min. 04.06.2019

Gärtnern zwischen zwei Welten

Anne Krebs und Sohn Hannes beim Unkrautjäten in Gasperich.

Gärtnern zwischen zwei Welten

Anne Krebs und Sohn Hannes beim Unkrautjäten in Gasperich.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 7 2 Min. 04.06.2019

Gärtnern zwischen zwei Welten

Rita RUPPERT
Rita RUPPERT
Die Gartenanlage in Gasperich ist ein kleines Paradies für Kleingärtner - obwohl sie zwischen dem Ban und der Industriezone liegt.

Montagmorgen, kurz vor zehn in der Kleingartenanlage in Gasperich. Anne Krebs jätet Unkraut in ihrer Parzelle. Jeden zweiten Tag trifft man die 37-Jährige in ihrer grünen Oase an: „Wir sind glücklich, den Garten zu haben, umso mehr, als wir in einem Apartment wohnen.“

Die 37-Jährige und ihr Mann hatten Glück. Als sie vor rund einem Jahr in eine Wohnung nach Gasperich zogen, war gerade eine Parzelle in der Gartensiedlung frei. „Der Lärm der Baustellen ringsum stört mich nicht, ich kenne es nicht anders“, sagt Anne Krebs. „Der Straßenverkehr ist allerdings seit einer Woche, als das Einkaufszentrum im Ban de Gasperich seine Türen öffnete, intensiver geworden.“

Nicht nur Gemüse und Obst für die Familie

Die junge Frau hat einen Trockenmauerbaukurs absolviert und macht derzeit eine Ausbildung zum Guide nature. So steht denn auch die Artenvielfalt bei ihr im Blickpunkt. Sie pflanzt nicht nur, was der Familie schmeckt, sondern denkt auch an die Insekten und Vögel. So findet man in ihrem gepflegten Garten auch ein Insektenbuffet und Blumen.


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Doch damit nicht genug: Anne Krebs hat Inkarnatklee und Phazelie angepflanzt, die den Stickstoff im Boden binden. Es sind tief wurzelnde Pflanzen, die die Erde lockerer machen. Der Totholzhaufen auf der Wiese daneben bietet Lebensraum für mehrere Tiere, unter anderem Spinnen, Igel, Käfer und Amphibien.

Der fast drei Jahre alte Sohn Hannes ist ebenso begeistert von der Gartenarbeit wie die Mama. Stolz zeigt er auf die Erdbeeren und Himbeeren, sein Lieblingsobst, das jedoch leider noch nicht reif ist. Aber auch die anderen Pflanzen, die prächtig gedeihen, kennt er schon: Kartoffeln, Mangold, Bohnen und Tomaten.

Bewusstseinswandel bei jungen Leuten

Anne Krebs ist eines von rund 120 Mitgliedern der Gaspericher Garten-und-Heim-Sektion. 43 von ihnen bewirtschaften eine Gartenparzelle an der Rue Hogenberg.

„Oft hegten und pflegten Rentner ein Stück Erde, sie hatten die nötige Zeit dazu“, erzählt Präsidentin Jacqueline Boewer. Einen Wechsel hat sie in den vergangenen Jahren ausgemacht: „In Gasperich wohnen jetzt viele junge Leute, auch drei Einwohner aus dem Ban de Gasperich haben bereits eine Gartenparzelle bei uns.“

Und: „Es findet ein Wandel statt. Die jungen Menschen sind sich stärker bewusst, dass das Gemüse aus dem eigenen Garten besser schmeckt. Es sind Leute, die umweltfreundlicher denken, die etwas für die Natur tun wollen. Letztendlich geht es auch darum, ein Stück Luxemburger Kultur zu erhalten.“

Wie ein Ort der Entspannung mutet die Gartenanlage an – zumindest frühmorgens und abends, wenn Ruhe im Ban de Gasperich und in der Industriezone eingekehrt ist. Die Gärten sind sozusagen der Puffer zwischen dem noch nicht vollendeten Ban und der Aktivitätszone, die derzeit ebenfalls von einer größeren Baustelle bestimmt wird.


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