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Fußballspiel am Mittwochabend: Gewaltausbruch: Kroatische Medien kritisieren Landsleute
Lokales 36 2 4 Min. 23.07.2015

Fußballspiel am Mittwochabend: Gewaltausbruch: Kroatische Medien kritisieren Landsleute

Lokales 36 2 4 Min. 23.07.2015

Fußballspiel am Mittwochabend: Gewaltausbruch: Kroatische Medien kritisieren Landsleute

Kurz aber heftig war eine Massenschlägerei unter kroatischen Fußballfans am Mittwochabend vor dem hauptstädtischen Stade Josy Barthel. Die Polizei nahm bis zu 25 Personen fest. Kroatische Medien verurteilten die eigenen Landsleute.

(SH/str) - Im Vorfeld des Champions-League-Qualifikationsspiels zwischen Fola Esch und Dinamo Zagreb war es am Mittwochabend zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen kroatischen Anhängern gekommen. Bis zu 25 Personen wurden von der Polizei festgenommen.

Die kroatischen Medien verurteilten ihre eigenen Landsleute heftig. "Blutige Zusammenstöße zwischen BBB-Fraktionen in Luxemburg, 20 in Haft", titelte die Zeitung "Vecernji List" und zeigte dieses Video auf seiner Internetseite.

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"Straßenkrieg - Schande auch außerhalb den Grenzen Kroatiens", befand die Zeitung "Jutarnji List". Auch der Fernsehsender HRT berichtete auf seiner Internetseite über die Zusammenstöße zwischen den Dinamo-Anhängern und kritisierte das Vorgehen der Randalierer aufs Heftigste.

Kurz aber heftig

Im Vorfeld des Spiels hatte die Polizei ausdrücklich vor Hooligans aus Kroatien gewarnt. Es wurde mit bis zu 200 gewaltbereiten Dinamo-Anhängern gerechnet. Bis zum frühen Mittwochabend lagen allerdings keine konkreten Hinweise auf eine derart große Gruppe von Randalierern vor.

Kurz vor 19 Uhr fiel dann aber erstmals eine Gruppe von kroatischen Fans auf, die ohne Eintrittskarten versuchten, in das Stade Josy Barthel zu gelangen. Augenzeugen bemerkten, dass diese Fans sich mehr für andere Zuschauergruppen interessierten als für die eigene Mannschaft, während diese in Reisebussen vorfuhr.

Dann wurde offenbar einer der Zagreber auf zwei Minibusse mit kroatischen Kennzeichen aufmerksam. Binnen Sekunden stürmte dann ein regelrechter Mob auf die beiden Mietwagen zu. Die Fahrzeugscheiben gingen zu Bruch und es entwickelte sich eine handfeste Schlägerei zwischen den Fahrzeuginsassen und den Angreifern.


Es sollte dabei nicht bei Faustschlägen bleiben: Die Randalierer gingen auch mit Holzlatten, Flaschen, Parkverbotsschildern und Magnesiumfackeln aufeinander los. Schlimm verletzt wurde niemand.

Einzelne Polizisten in Uniform versuchten sofort die Streithähne zu trennen. Erst Minuten später trafen gruppierte Sondereinheiten in Schutzkleidung am Ort des Geschehens ein und kesselten die beiden Fangruppen ein.

Nachdem sich die Schläger beruhigt hatten, wurden Einzelpersonen aus den Gruppen isoliert und festgenommen. Etwa 25 Männer wurden anschließend in Polizeitransportern abgeführt und in Arrestzellen in der Hauptstadtwache in der Rue Curie am Verlorenkost untergebracht.

Hier wurde zunächst die Identität der Festgenommenen festgestellt. Lediglich eine Person wurde protokolliert.

Nach dem Spiel gab es keine weiteren Auseinandersetzungen mehr.

Hintergrund: die Fans des Dinamo Zagreb

Dinamo Zagreb ist bekannt für eine rassistische und gewaltbereite Fanszene. Insbesondere die Bad Blue Boys, eine Ultra-Gruppierung, fallen immer wieder dadurch auf, dass sie während Spielen mit Pyrotechnik hantieren. Sie sind gegen den aktuellen Präsidenten Zdravko Mamic. Ihnen gegenüber stehen die Mamic Boys. Im Oktober 2014 war es zwischen den beiden Lagern gar zu einer Schießerei gekommen.

2013 standen sich Fola und Dinamo Zagreb bereits gegenüber. Damals verlief alles friedlich.
2013 standen sich Fola und Dinamo Zagreb bereits gegenüber. Damals verlief alles friedlich.
Archivfoto: Fabrizio Munisso


"Die Fans von Zagreb sind in internationalen Polizeikreisen bekannt. Es gibt zwei Lager, die eine Gruppierung ist für den aktuellen Präsidenten, die andere gegen ihn. Und diese Fans wollen dem Verein schaden", hieß es vor dem Spiel seitens der Luxemburger Polizei. 

Für den Ernstfall bereit

Zwar wisse man nicht, wie viele und ob überhaupt Hooligans am Mittwoch tatsächlich den Weg nach Luxemburg finden werden, man sei jedoch auf den Ernstfall vorbereitet. Die Zahl von 200 gewaltbereiten Fans entspreche Erfahrungswerten aus anderen Spielen.

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Für die Sicherheit im Stadion sei am Abend der Organisator zuständig. Falls es jedoch zu Ausschreitungen kommen sollte, sei die Polizei einsatzbereit. Auch die Situation außerhalb des Stadions werden die Ordnungskräfte im Auge behalten.

Keine Zwischenfälle 2013

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Fola gegen Dinamo Zagreb antritt. Bereits 2013 standen sich beide Vereine im europäischen Wettbewerb gegenüber. Damals war es in Kroatien zu rassistischen Gesängen gekommen, woraufhin Dinamo in der folgenden Runde einen Teilausschluss des Publikums in Kauf nehmen musste.

Für das Spiel in Luxemburg hatte es damals auch Sicherheitsbedenken gegeben, es war jedoch zu keinen Zwischenfällen gekommen.

Luxemburg blieb bisher meist von Fanausschreitungen verschont. Lediglich 1983 war es nach dem Spiel gegen England zu Zwischenfällen gekommen.