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Fütterungen mit pädagogischem Wert
Wenn das Bambi in den Mittelpunkt will, müssen auch mal Tierpflegerin Lena Righetto und Ziege Pünktchen kurz weichen.

Fütterungen mit pädagogischem Wert

Foto: Guy Jallay
Wenn das Bambi in den Mittelpunkt will, müssen auch mal Tierpflegerin Lena Righetto und Ziege Pünktchen kurz weichen.
Lokales 3 Min. 09.05.2018

Fütterungen mit pädagogischem Wert

Nicolas ANEN
Nicolas ANEN
In Zukunft finden Infofütterungen im Escher Tierpark stattfinden. Keine Füttershows, wie man sie aus Zoos kennt, sondern ein pädagogischer Austausch zwischen Besucher und Tierpfleger. Am Dienstag fand ein Test in Anwesenheit von drei Schulklassen aus Zolver statt.

„Es geht nicht darum, Zirkustiere aus ihnen zu machen“, sagt Tierpfleger Mike Duarte, während er auf das Gehege der drei Waschbären zuschreitet. Ziel des Trainings, das er wöchentlich mit seinen vierpfotigen Schützlingen Bierchen, Thorunn und Ranka unternimmt, ist, deren Lebensqualität zu erhöhen.

Zwei Monate lang hat Mike Duarte daran gearbeitet, dass Waschbär 
Bierchen ihm wortwörtlich aus der Hand frisst.
Zwei Monate lang hat Mike Duarte daran gearbeitet, dass Waschbär 
Bierchen ihm wortwörtlich aus der Hand frisst.
Foto: Nicolas Anen

Erdnüsse zur Belohnung

Dies einerseits, indem ihnen die Kontaktangst mit dem Pfleger genommen wird. „Früher, wenn sie mal zum Tierarzt mussten, mussten wir sie mit einem Netz einfangen. Danach haben sie uns eine Woche lang ignoriert“.

Heute muss sich Bierchen, der männliche Waschbär, kaum bitten lassen, um in einen transportablen Käfig zu schlüpfen, ähnlich denen, die für Hauskatzen benutzt werden. Zur Belohnung gibt es Erdnüsse.

Tierpfleger Mike Duarte erkärt den Schülern, warum er die Waschbären trainiert.
Tierpfleger Mike Duarte erkärt den Schülern, warum er die Waschbären trainiert.
Foto: Nicolas Anen

Beschäftigungstherapie

Andererseits dient das Training auch dazu, die Tiere zu beschäftigen. „Sie leben nun einmal in Gefangenschaft“, sagt Anne Meyers, Leiterin des Tierparks. So werden den Waschbären auch mal zur Nahrung Rosinen in den Mulch gestreut, damit sie diese erst einmal finden müssen.

„Dat ass kee Petzi“

Mittlerweile steht ein Dutzend Kinder vor dem Waschbärengehege. Sie kommen aus der Ecole 2000 in Zolver. „Wie süß“, sagt ein Mädchen. „Dat ass kee Petzi“, betont Mike Duarte.

Immer wenn das Tier gehorcht, drückt er auf das grüne Klickgerät in seiner Hand. „Dank dem Klickgerät ist es immer der gleiche Laut“, erklärt er den Schülern. Zwei Monate habe er gebraucht, damit Bierchen auf seinem Baumstock sitzen bleibt und dort Erdnüsse entgegennimmt.

Die Besucher würden zu oft vergessen, dass Waschbären eigentlich Raubtiere sind, fährt er fort. Fütterung ist demnach untersagt. „Zucker greift auch ihre Zähne an“, erklärt er den Schülern. Und anders, als es der Name erahnen lassen könnte, putzen Waschbären ihre Zähne nicht.

Bei den Infofütterungen, die demnächst im Escher Tierpark angeboten werden, steht der Austausch zwischen Tierpflegern und Besuchern, hier Schüler aus Zolver, im Vordergrund.
Bei den Infofütterungen, die demnächst im Escher Tierpark angeboten werden, steht der Austausch zwischen Tierpflegern und Besuchern, hier Schüler aus Zolver, im Vordergrund.
Foto: Guy Jallay

Pünktchen und Bambi

Einige Meter weiter, im Streichelzoo, erklärt Tierpflegerin Lena Righetto gerade weiteren Schülern, was die Schwanzposition der Ziege über deren Gefühlslage verrät. Ist er nach oben gestreckt, ist das Tier aufgeregt, sagt sie.

Doch das ist bei Ziege Pünktchen nicht der Fall. Auch wenn gerade gut 30 Kinderaugen auf sie gerichtet sind, lässt sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie wartet auf den Moment, in dem sie aus den Kinderhänden Futter entgegennehmen kann. So viel Zeit hat das Bambi aber nicht. Zur Freude der Kinder mogelt es sich an der Ziege vorbei und schnappt sich eine Möhre aus einem Eimer.

Die Schulkinder lassen es sich nicht nehmen, mitzumachen.
Die Schulkinder lassen es sich nicht nehmen, mitzumachen.

„Wir testen, was gut funktioniert, und vor allem, wie lange eine solche Infofütterung stattfinden soll“, erklärt Anne Meyers weiter. Die ersten finden im Rahmen des Fréijoersfest statt (siehe unten). Später werden solche Infofütterungen im Sommer stattfinden. Neben den Waschbären und Ziegen sind auch Fütterungen bei den Huftieren des Parks, den Meerschweinchen, Kaninchen, Hühnern und sogar bei den Wellensittichen geplant. „Es ist auch eine Art und Weise, die Arbeit zu vermitteln, die hinter dem Park steckt“, so Anne Meyers noch.

Tierpflegerin Lena Righetto und Ziege Pünktchen.
Tierpflegerin Lena Righetto und Ziege Pünktchen.
Foto: Guy Jallay

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