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Für Risikopatient Gilles Kirsch sind die Pfadfinder eine große Hilfe
Lokales 3 Min. 28.03.2020

Für Risikopatient Gilles Kirsch sind die Pfadfinder eine große Hilfe

Gilles Kirsch freut sich über frisches Obst, das ihm von den Pfadfindern vor die Tür gebracht wird.

Für Risikopatient Gilles Kirsch sind die Pfadfinder eine große Hilfe

Gilles Kirsch freut sich über frisches Obst, das ihm von den Pfadfindern vor die Tür gebracht wird.
Foto: Privat
Lokales 3 Min. 28.03.2020

Für Risikopatient Gilles Kirsch sind die Pfadfinder eine große Hilfe

Sophie HERMES
Sophie HERMES
Als Diabetiker zählt Gilles Kirsch im Falle einer Covid-19-Erkrankung zu den Risikopatienten. Deshalb lässt er sich die Einkäufe von den Mamer Scouten vor die Tür liefern.

 Bei Gilles Kirsch ähneln sich derzeit die Tage: Er verbringt sie allein zu Hause, geht nicht vor die Tür. Denn der 41-Jährige ist zuckerkrank und gilt somit im Falle einer Covid-19-Erkrankung als Risikopatient, also als Mensch, bei dem die Erkrankung einen schwerwiegenderen Verlauf nehmen kann. Um die Gefahr einer Corona-Infektion zu verringern, gilt für ihn deshalb, dass er den direkten Kontakt zu Mitmenschen möglichst vermeiden soll.

Auch der Einkauf im Supermarkt fällt derzeit flach. Die Versorgung mit Lebensmitteln übernehmen nun die Pfadfinder aus Mamer für Gilles Kirsch. Denn auch wenn das Einkaufen im Supermarkt in normalen Zeiten nicht unbedingt zu den Hauptaktivitäten der Pfadfinder zählt, so sieht man derzeit vielerorts Scouten einen Einkaufswagen vor sich hinschieben. Sie kaufen für ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen – wie Gilles Kirsch – ein und liefern ihnen die Waren bis zur Haustür.


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Über das Angebot der Pfadfinder hat sich Gilles Kirsch gefreut. „Ich denke, dass die Hilfe schon sehr wichtig ist“, erklärt er. Er habe wohl zunächst versucht, selbst einkaufen zu gehen. Allerdings sei ihm der Andrang im Supermarkt zu groß gewesen. Kunden hätten bereits vor dem Geschäft Schlange gestanden. Auch auf die Unterstützung seiner Eltern wollte er nicht zurückgreifen. „Sie hatten mir Sachen vor die Tür gestellt. Vom Alter her wäre ich aber eher derjenige, der ihnen nun helfen müsste. Ich habe versucht, ihnen zu erklären, dass sie zurzeit Distanz halten sollen“, sagt Gilles Kirsch.

In weniger als 24 Stunden vor der Tür

Auf der Suche nach anderweitiger Unterstützung traf der 41-Jährige zunächst auf ein Angebot der Gemeinde Mamer. Aber: „Bei der Gemeinde waren bereits sehr viele Bestellungen eingegangen und ich hatte das Gefühl, dass man damit etwas überfordert war“, erklärt er.

Durch die Einkäufer braucht sich Gilles Kirsch keine Sorgen um die Versorgung mit Vitaminen zu machen.
Durch die Einkäufer braucht sich Gilles Kirsch keine Sorgen um die Versorgung mit Vitaminen zu machen.
Foto: Gilles Kirsch

Als er dann erfuhr, dass auch die lokalen Pfadfinder der Fédération nationale des éclaireurs et éclaireuses du Luxembourg (FNEL) einen Versorgungsdienst anbieten, meldete er sich bei ihnen. „Ich habe meine Bestellung über E-Mail eingereicht und keine 24 Stunden später bekam ich die Lebensmittel vor die Tür geliefert“, sagt Gilles Kirsch.

Planung gefragt

Dem 41-Jährigen ist es wichtig, die Mamer Wiselen nicht zu sehr zu beanspruchen – immerhin haben sie viele Menschen zu beliefern. „Ich versuche, die Einkäufe so zu planen, dass ich nicht jeden Tag eine Bestellung aufgeben muss, sondern eine Woche zurechtkomme. Ich war in der Hotelschule, demnach weiß ich mir zu helfen.“ Zudem liefern auch einige Betriebe Nahrungsmittel wie Brot, Obst, Gemüse oder fertige Kochboxen zu ihm nach Hause. Ob es tatsächlich mit einer Lieferung pro Woche ausreichen wird, werden die kommenden Tage zeigen. „Derzeit macht es Sinn. Allerdings bin ich nun aber anders als sonst die ganze Woche über zu Hause und esse auch hier“, gibt er zu bedenken.


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Sollte es nicht reichen, werden die Pfadfinder in Zukunft wohl mehrmals in der Woche die Einkäufe vor der Haustür ablegen. Das sei bisher problemlos abgelaufen. „Sie legen mir die Rechnung in die Tüte und ich kann das Geld für die Einkäufe dann überweisen“, sagt Gilles Kirsch. Zu einem direkten Kontakt, etwa um Bargeld zu überreichen, kommt es demnach nicht. „Dann würde mir auch bald das Geld ausgehen, und ich müsste zum Geldautomaten“, gibt er zu bedenken.  

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