Füchse in Luxemburg

Die Angst der Jäger vor dem Fuchs

Der Jagdverband FSHCL hat eine Petition gegen das Fuchsjagdverbot initiiert. Die Jäger fürchten mehr Füchse und gefährliche Krankheiten. Doch schon beim Kampf gegen die Tollwut zeigte sich, dass dieser mit der Jagd nicht beizukommen war.

Füchse dürfen ab April in Luxemburg für ein Jahr lang nicht mehr gejagt werden.
Füchse dürfen ab April in Luxemburg für ein Jahr lang nicht mehr gejagt werden.
Foto: Shutterstock

Von Jan Söfjer

Georges Jacobs, Präsident des Jagdverbandes FSHCL, mag Füchse. Er habe sogar einen, der in seinem Garten vorbeischaue, sagt er. „Auch wer Füchse bejagt, kann ihr Freund sein.“ Doch wer die Fuchsjagd verbietet, den trifft der „gerecht Zorn“ der Jäger.

Mitte Januar entschied die Regierung, die Fuchsjagd ab April für zunächst ein Jahr zu verbieten. Zudem darf pauschal jedes Jahr zwischen Anfang März und Mitte April nicht mehr im Wald gejagt werden. Die Jäger „fühlen sich ver- arscht“ (Jacobs) und wettern gegen Giras „unannehmbare Desinformationspolitik (seine Argumente gegen die Fuchsjagd) sowie seinen „absurden Egotrip“.

Gemeinsam mit zehn anderen Verbänden haben sie nun eine Petition gegen die Jagdverbote gestartet. Bis Montagabend hatten 1 228 Personen diese unterzeichnet. 4500 sind nötig, damit die Petition im Parlamentsausschuss diskutiert wird.

Auf einer Pressekonferenz haben die Verbände am Montag dargelegt, warum die Fuchsjagd aus ihrer Sicht wichtig ist. Insbesondere warnen sie vor dem Fuchsbandwurm, der auch den Menschen befallen, aber nicht vom Menschen auf den Menschen übertragen werden kann.

Bei der Pressekonferenz war Roger Kintzle anwesend, ein älterer Luxemburger, der seit 2007 mit dem Fuchsbandwurm infiziert ist. Ein seltener Fall. In Mitteleuropa wird pro Jahr von ein bis drei Neuerkrankungen pro einer Million Einwohner ausgegangen, die unbehandelt tödlich enden können.

Die Ärzte Petra Kern und Professor Peter Kern von der Universität Ulm gehen davon aus, dass man „mehrfach und erhebliche Mengen der Eier des Fuchsbandwurms aufnehmen muss, bevor sich wenigstens eine Larve im Körper ansiedeln kann, da sich das Immunsystem offenbar auch erfolgreich gegen den Parasiten wehren kann“.

Kintzle weiß nicht, wie er sich infiziert hat. Er kennt nur die Folgen. Ein Teil seiner Leber sowie seiner Lunge mussten entfernt werden. Mittlerweile ist sein Zustand stabil, eine garantierte Heilung der Krankheit gibt es nicht.

Jagd hat kaum Auswirkungen auf Fuchspopulation

Jacobs, selbst Allgemeinmediziner, hält die Fuchsjagd für unverzichtbar, um der Ausbreitung des Fuchsbandswurms Einhalt zu gebieten. Laut ihm sind 20 bis 25 Prozent der 5 000 bis 10 000 Füchse in Luxemburg mit dem Wurm infiziert.

Eine 76-seitige wissenschaftliche Broschüre über „Füchse in Luxemburg“ der Umweltverwaltung des Nachhaltigkeitsministeriums kommt jedoch zu dem Schluss, dass schon bei der Tollwutbekämpfung eine intensive Jagd „kaum Auswirkungen auf die Fuchspopulation“ hatte. Etwa weil Füchse mehr Nachwuchs bekommen, sobald der Bestand abnimmt (und drastisch sinkt, wenn er hoch ist) und leere Reviere von Füchsen aus anderen Gegenden besetzt werden.

Erst die Einführung flächendeckender Impfungen in den 80er und 90er-Jahren habe dafür gesorgt, dass Luxemburg und zahlreiche weitere Länder Mitteleuropas heute als tollwutfrei gelten. Die Jäger halten dennoch an der These fest, dass sich die Fuchsbestände ohne Bejagung verdoppeln bis vervierfahren würden – mit gravierenden Folgen für Bodenbrüter – und einzig der Abschuss von Füchsen hülfe, um einer steigenden Gefahr des Fuchsbandswurms Herr zu werden.

Eine (von einer Tierschutz-Organisation geförderte) Studie von der University of Bristol kam jedoch zu dem Ergebnis, dass „der Fuchsbestand stärker durch Lebensraum-Merkmale beeinflusst wird als durch die Zahl der durch Menschen getöteten Füchse“. Demnach müsse im Falle eines Jagdverbots nicht mit einem Anstieg der Fuchszahl gerechnet werden.

Sorge um nicht im Land existente afrikanische Schweinepest

Es gibt allerdings etwas wirksames gegen den Fuchsbandwurm. Versuche in Deutschland und der Schweiz haben gezeigt, dass mit wiederholtem Auslegen von Entwurmungsködern die Befallsrate von Füchsen drastisch gesenkt werden konnte. Die Veröffentlichung der Umweltverwaltung weist darauf hin, dass auch Hunde und Katzen als Endwirte des Fuchsbandwurms infrage kommen, insbesondere, wenn sie Mäuse fressen. Daher sollten die Haustiere regelmäßig entwurmt werden.

Auch anwesend bei der Konferenz waren Nutztierhalter, die Angst um ihre Tiere haben. Schweinezüchter Eric Pesch ist beispielsweise besorgt, dass Füchse seine Tiere mit der afrikanischen Schweinepest anstecken. Auf Nachfrage hieß es allerdings, dass es bislang noch nie einen Fall der afrikanischen Schweinepest in Luxemburg gegeben habe. Das naheste Land, wo es diese Krankheit gebe, sei Polen.