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Fuchsbandwurm: Fuchsjagd ist keine Lösung
Lokales 2 Min. 12.01.2018 Aus unserem online-Archiv

Fuchsbandwurm: Fuchsjagd ist keine Lösung

Er bleibt ein Streitobjekt zwischen Jagdlobby und Tierschützern: der Fuchs.

Fuchsbandwurm: Fuchsjagd ist keine Lösung

Er bleibt ein Streitobjekt zwischen Jagdlobby und Tierschützern: der Fuchs.
Foto: shutterstock
Lokales 2 Min. 12.01.2018 Aus unserem online-Archiv

Fuchsbandwurm: Fuchsjagd ist keine Lösung

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Die Jagd ist kein Mittel, um den Fuchsbandwurm zu bekämpfen. Zu diesem Schluss kommt eine französische Studie. Laut der CSV-Abgeordneten Martine Hansen gebe es aber Zweifel an Aussagekraft dieser Studie.

Von Jacques Ganser

Seit dem Jagdverbot auf Füchse wurde der Fuchsbandwurm immer wieder thematisiert. Der seltene, aber für Menschen sehr gefährliche Wurmbefall wurde von der Jägerschaft immer wieder als Argument ins Felde geführt, um die Jagd auf den Fuchs wieder einzuführen. In einer parlamentarischen Frage stellt die Abgeordnete Martine Hansen (CSV) die Ergebnisse einer dreijährigen, groß angelegten Studie rund um die französische Stadt Nancy in Frage. Sie wurde im November vergangenen Jahres veröffentlicht.

Die Studie war zum Schluss gekommen, dass der systematische Abschuss von rund 1000 Füchsen nach drei Jahren zu einem Anstieg der Population führte, dies im Vergleich zu einem nicht-bejagten Gebiet. Zudem stieg auch die Infektionsrate der Füchse mit dem gefährlichen Bandwurm von 40 auf 50, bis 75 Prozent. Auch Umweltministerin Carole Dieschbourg zitierte diese Studie in einer Antwort auf eine vorangegangene parlamentarische Frage. Laut Martine Hansen habe der Autor der Studie den Aussagen der Ministerin aber widersprochen. Dieser hätte im Nachhinein von falschen Interpretationen geredet.

Camille Gira, Staatssekretär im Umweltministerium, lässt diese Behauptungen allerdings nicht gelten: Die Studie aus Nancy sei in ihren Aussagen klar und deutlich. Die intensive Jagd hat nicht den gewünschten Effekt gebracht und sogar zu einer höheren Infektionsrate beim Fuchs geführt. Besagter Experte, Benoît Combes, kommt im Filmbeitrag „L'odeur de l'herbe coupée“ (Min. 26) in einem Interview zu Wort und erklärt dort in deutlichen Worten, dass die Bejagung des Fuchses sogar kontraproduktiv war. 

Auch die Erklärung der Experten ist einleuchtend: Werden ältere Füchse massiv abgeschossen, rücken jüngere ins Revier nach. Bei ihnen ist die Infektionsrate mit dem Bandwurm aber deutlich höher. Der Hauptautor der Studie, Franck Boué, wird übrigens am 29. Januar im naturhistorischen Museum in Luxemburg seine Studienergebnisse im Rahmen einer Konferenz vorstellen, dies auf Initiative der Natur- sowie der Gesunheitsverwaltung.

In seiner Antwort geht Gira auch auf die Gesamtpopulation der Füchse in Luxemburg ein. Zwar sei die Zahl der Tiere wohl höher als wenn sie einem natürlichen Feind wie Tollwut oder Wolf ausgesetzt wären. Die Statistiken zeigten aber, dass die Populationen gerade in den 80er und 90er Jahren, als die Jagd noch erlaubt war, am höchsten waren. Doch auch damals habe es trotz hoher Bestände keine größeren Probleme mit den Tieren gegeben, so noch Gira.


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