Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Frust frisst Freude
Lokales 3 Min. 19.11.2014 Aus unserem online-Archiv
Landwirtschaft und Landesplanung

Frust frisst Freude

Landwirt Claude Loutsch will seinen Hof mit Verantwortung, aber auch mit Freude führen.
Landwirtschaft und Landesplanung

Frust frisst Freude

Landwirt Claude Loutsch will seinen Hof mit Verantwortung, aber auch mit Freude führen.
Foto: John Lamberty
Lokales 3 Min. 19.11.2014 Aus unserem online-Archiv
Landwirtschaft und Landesplanung

Frust frisst Freude

Sektorielle Leitpläne, Biotopkataster, Agrarreformen – und als Dankeschön gibt es Prügel von den Naturschutzverbänden: Auf dem Hof von Landwirt Claude Loutsch in Hovelingen ging das „Wort“ der Frage nach, wie es aussieht, wenn Politik auf Praxis trifft.

Claude Loutsch, die Liste der Sorgen scheint bei den Landwirten mittlerweile ellenlang. Wo drückt der Schuh denn zurzeit am meisten?

Das größte Übel ist eigentlich, unter einer stetig wachsenden und sprunghaft wechselnden politischen Bevormundung zu stehen, die keinerlei Planungssicherheit und kaum noch Entscheidungsfreiheit bei der Bewirtschaftung des eigenen Betriebs zulässt. Diese Entwicklung zieht sich im Grunde wie ein roter Faden durch alle hereinprasselnden Gesetze und Verordnungen der vergangenen 20 Jahre.

Zum Beispiel ...

Zum Beispiel bei den Leitplänen. Nach meinem Schulabschluss und dem Einstieg in den elterlichen Schweinezuchtbetrieb stellte ich 2007 den Antrag, außerhalb des Dorfes einen Aussiedlerstall mit 1.400 Ferkelaufzucht- und 650 Mastplätzen zu bauen, dies samt Erweiterungsoptionen. Ein Schritt, der nicht nur für die Zukunft des Hofs entscheidend war, sondern auch die Anwohner im Dorf von übermäßiger Geruchsbelastung befreien sollte. Die Genehmigung erhielten wir denn auch recht zügig, sodass der Bau ein Jahr später bereits fertiggestellt war. Das Projekt wurde damals übrigens für seine Integration in die Landschaft in höchsten Tönen gelobt.

Und heute?

Gemäß den sektoriellen Leitplänen liegt der mit viel Arbeit und Herzblut erschlossene Betriebsstandort nun mitten in einer 
„zone prioritaire écologique“, womit hinter allen Zukunftsplänen plötzlich ein riesiges Fragezeichen steht. Dabei muss sich der Hof zwangsläufig weiterentwickeln, allein schon, um den von anderer Seite auferlegten Normen in Sachen Tierhaltung gerecht zu werden. Ganz abgesehen davon, dass der Betrieb, wie jedes andere Unternehmen, natürlich auch Wachstumsperspektiven braucht.

Sind Landesplanung und Landwirtschaft ein unvereinbares Paar?

Das ist schwer zu sagen, allerdings trägt die Landesplanung in ihrer jetzigen Form solch radikale Züge, dass es fast schon an Kommunismus grenzt. Der Staat gibt sich die Entscheidungshoheit, was auf dem eigenen Grund und Boden zu geschehen hat. Das ist doch reine Planwirtschaft, während mein Betrieb aber in der freien Marktwirtschaft bestehen muss. Und das in einem Sektor, der ohnehin von starken Preisschwankungen und enormem Wettbewerb geprägt ist.

Wird Umwelt- und Landschaftsschutz demnach mittlerweile ein exzessiver Stellenwert zugemessen?

Wohlverstanden, niemand zweifelt am Sinn von Landesplanung oder Umweltschutz – auch die Bauern nicht. Doch wer unter den Stichworten Regionalität und Rückverfolgbarkeit eine hochwertige Luxemburger Landwirtschaft fordert, die noch dazu bezahlbare Lebensmittel produziert, kann den Betrieben auf der anderen Seite nicht zugleich die dafür notwendigen Arbeitsgrundlagen entziehen. Die Bauern werden mittlerweile von einem solchen Übermaß an Vorschriften überrollt, dass es einem immer öfter die Freude an diesem tollen Beruf nimmt. Wir haben viele dynamische und professionelle Betriebe mit viel Know-How. Wir dürfen nicht riskieren, diese aus Frust zu verlieren.

Was konkret erwarten Sie von der Politik – etwa von Agrarminister Fernand Etgen?

Ganz einfach: Dass er die Anliegen der Luxemburger Landwirte ernst nimmt und diese auch endlich klar und deutlich gegenüber seinen Regierungskollegen vertritt. Fernand Etgen wollte nach eigenen Aussagen der Anwalt der Bauern sein. Klingt ganz, als säßen wir hier auf der Anklagebank. Wir wollen und brauchen keinen Anwalt, sondern einen öffentlichen Fürsprecher. Der Großteil unserer Landwirte hält sich an Gesetze und Regeln und ist auch bereit, sich für nachhaltiges Wirtschaften zu engagieren. Wir werden inzwischen aber von einer allmächtigen, grünen Lobby für alles zum Sündenbock gemacht, was im Umweltbereich schief läuft. Und niemand traut sich, öffentlich aufzumucken.

Was ist mit den landwirtschaftlichen Berufsvertretungen, die am heutigen Mittwoch bei einem Meeting der Luxemburger Landwirtschaft in Ettelbrück auf die Sorgen und Nöte des Agrarsektors aufmerksam machen?

Die Bemühungen der Gewerkschaften in allen Ehren, aber um kraftvoll und weithin hörbar gegenüber den medienwirksamen Kampagnen der Umweltverbände aufzutreten, bedürfte es meines Erachtens einer geeinten, großen und professionell aufgestellten Bewegung mit hauptamtlichen Mitarbeitern. Bei 1.200 aktiven landwirtschaftlichen Betrieben verschiedenster Größe und Bewirtschaftungsform, die manchmal auch 1.200 unterschiedliche Interessen haben, ist Uneinigkeit leider der größte Stolperstein auf dem Weg in die Zukunft.

Mehr zum Thema:

- Verschiedene Bauernvereinigungen demonstrieren am Mittwoch in Ettelbrück. Weitere Informationen dazu gibt es in diesem Artikel.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Daniela Noesen, Direktorin von Bio-Lëtzebuerg, kritisiert Agrarminister Romain Schneider für mangelhaften Einsatz und verlangt ein nachhaltiges Leitbild für die Landwirtschaft.
*
“Chinesische Weisheit: Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die andern Windmühlen.“
Milchpreise im freien Fall
Am Dienstag kamen die EU-Landwirtschaftsminister in Kirchberg zusammen, um über den Preisverfall bei den Agrarprodukten zu beraten. Die Luxemburger Bauern werden 700.000 Euro erhalten. Das Treffen wurde von massiven Bauernprotesten begleitet.
Agrarminister Fernand Etgen hat auf die harsche Kritik aus dem Agrarsektor reagiert. Etgen sicherte den Bauern Anerkennung und Dialog zu. Der Glaube daran scheint mittlerweile aber stark gesunken.
Etgen will den Dialog mit den Bauern besser pflegen.