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Frauenhäuser: der schwere Weg zurück ins Leben

Frauenhäuser: der schwere Weg zurück ins Leben

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Lokales 4 Min. 17.04.2019

Frauenhäuser: der schwere Weg zurück ins Leben

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
Viele Opfer von häuslicher Gewalt haben Schwierigkeiten, nach einem Aufenthalt im Frauenhaus, auf dem Wohnungsmarkt wieder Fuß zu fassen.

Gewalt im eigenen Zuhause, meist gegen Frauen gerichtet, ist und bleibt auch in Luxemburg eine traurige Realität. 739 Mal musste die Polizei deshalb im vergangenen Jahr eingreifen, 24 Einsätze mehr als 2017. In 231 Fällen wurden Täter aus ihren eigenen vier Wänden verwiesen, 14 mehr als im Vorjahr. Die Dunkelziffer dürfte in Sachen häusliche Gewalt jedoch weitaus höher liegen, denn: Die Statistiken erfassen nur jene Fälle, die auch angezeigt werden


Gewaltopfer auf der sicheren Seite
Wer Opfer häuslicher Gewalt wird, kann dank des Dienstes Umedo seine Beweise sichern lassen, um diese eventuell in einem späteren Zeitraum vor Gericht nutzen zu können.

Und so geben sich die Opfer in Luxemburger Frauenhäusern seit Jahren die Klinke in die Hand. Da viele der misshandelten Frauen vom Täter – meist der Partner – finanziell abhängig sind, ist es für sie oft schwer, nach einem Aufenthalt im Frauenhaus eine neue, eigene Bleibe zu finden. Die Notunterkunft wird somit für einen längeren Zeitraum zum eigenen Zuhause. 

Dieses Problem thematisiert der Abgeordnete Sven Clement (Piraten) in einer parlamentarischen Frage an die Ministerin für die Gleichstellung von Frauen und Männern, Taina Bofferding (LSAP), und an die Ministerin für Wohnungsbau, Sam Tanson (Déi Gréng)

Soziale Akteure eingebunden 

Vonseiten der Ministerinnen heißt es, man sei sich der Wohnproblematik dieser Frauen bewusst. Die hohen Mietpreise seien in Luxemburg generell ein großes Problem. Ob weitere Frauenhäuser oder andere Unterbringungsmöglichkeiten gebaut werden müssen, sei noch nicht geklärt. Bei einem nächsten Austausch mit den Akteuren des sozialen Bereichs will man sich, so heißt es weiter, diesem Thema widmen. 


Zum Themendienst-Bericht "Frauen/Männer/Partnerschaft/Ratgeber/" vom 2. März: Schläge in der Partnerschaft sind keine Seltenheit: Oft gibt es Warnsignale, die auf drohende Gewalt hinweisen. (Archivbild vom 13.03.2006 - Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei. Das Bild darf nur im Zusammenhang mit dem genannten Text verwendet werden.) +++ +++
Starke Männer
Richtig stark sind Männer, die ihre Aggressionen im Griff haben, die ihre körperliche Überlegenheit nicht nutzen müssen. Das wird man aber nicht im Fitness-Center – das ist Kopfsache.

Im Koalitionsprogramm der Regierung sei zudem eine Reform des Gesetzes von 1979 für Wohnungsbeihilfen vorgesehen. Das zuständige Ministerium wolle auch hier mit Sozialexperten zusammenarbeiten.

Dass in den vergangenen Jahren die Zahl der in Luxemburg registrierten Fälle häuslicher Gewalt nicht überproportional gestiegen ist, ist aus Sicht der zuständigen Ministerien hauptsächlich der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Hilfsdiensten, Polizei und Staatsanwaltschaft zu verdanken. 

Global thematisiert

Das Thema häusliche Gewalt ist mit der Istanbul-Konvention – ein im Jahr 2011 ausgearbeiteter völkerrechtlicher Vertrag – europaweit in den politischen Vordergrund gerückt. Im Juli 2018 ratifizierte Luxemburg dieses Übereinkommen und wandelte es in nationales Recht um. 

Wegen häuslicher Auseinandersetzungen musste die Polizei 2018 fast 750 Mal eingreifen.
Wegen häuslicher Auseinandersetzungen musste die Polizei 2018 fast 750 Mal eingreifen.
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Konkret fordert das europäische Abkommen verbindliche Rechtsnormen zum Schutz der Frauen und Mädchen vor Gewalt. Die Staaten, die die Konvention angenommen haben, verpflichten sich unter anderem, die Gleichstellung der Geschlechter in Verfassung und Rechtssystem zu verankern sowie diskriminierende gesetzliche Vorschriften abzuschaffen. 

Verbesserung der Gesetzestexte 

Außerdem sind die Staaten aufgefordert, die Hilfsangebote wie die Rechts- und finanzielle Beratung, die psychologische Betreuung oder der Zugang zu Frauenhäusern zu verbessern. Aber auch die Sensibilisierung der Bevölkerung für das vielfach tabuisierte Thema spielt eine wichtige Rolle. 


"Orange Week" 2017: Keine Macht der Gewalt gegen Frauen
Schreie, Tritte, Beschimpfungen und immer wieder Schläge; häusliche Gewalt ist die Hölle auf Erden – aber auch weiterhin ein Thema, das in der Öffentlichkeit wenig Beachtung findet. Vom 19. bis 26. November soll für die Problematik sensibilisiert werden.

In Luxemburg sei in Sachen Prävention bereits einiges geleistet worden, so die Ministerin Taina Bofferding in ihrer Antwort. Dazu gehört eine Aufklärungskampagne, bei der auf einer Internetseite (www.convention-istanbul.lu) alle Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen erklärt werden und auf die Hilfsangebote hingewiesen wird. 

Und auch auf eine Gesetzesänderung verweist die Ministerin: „Kinder, die entweder direkt oder indirekt Opfer von häuslicher Gewalt sind, müssen nun von spezialisierten Diensten betreut werden.“


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