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Französisches Veto gegen Junckers Kandidatur?
Nicolas Sarkozy und Jean-Claude Juncker zusammen mit dem neuen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy (Mitte).

Französisches Veto gegen Junckers Kandidatur?

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Nicolas Sarkozy und Jean-Claude Juncker zusammen mit dem neuen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy (Mitte).
Lokales 15.03.2012

Französisches Veto gegen Junckers Kandidatur?

Ist der französische Präsident Nicolas Sarkozy dafür verantwortlich, dass der Belgier Herman Van Rompuy und nicht der Luxemburger Premier Jean-Claude Juncker den Posten des ersten EU-Ratspräsidenten erhielt. Dies behauptet jedenfalls Jean Quatremer in seinem Blog auf der französischen Zeitung “Libération”.

(jw) – Ist der französische Präsident Nicolas Sarkozy dafür verantwortlich, dass der Belgier Herman Van Rompuy und nicht der Luxemburger Premier Jean-Claude Juncker den Posten des ersten EU-Ratspräsidenten erhielt? Dies behauptet jedenfalls Jean Quatremer in seinem Blog auf der französischen Zeitung “Libération”.

Unter dem Titel “Jean-Claude Juncker: Nicolas m'a tuer” schreibt der Brüsseler Korrespondent der Zeitung, dass seinen Informationen nach alle 27 EU-Mitglieder sich für eine Wahl Jean-Claude Junckers ausgesprochen hätten. Allen voran die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, und sogar die britische Delegation, die schon den Posten der EU-Außenministerin erhalten hatte.

Die Entscheidung gegen Juncker sei beim Abendessen am Donnerstagabend gegen 19 Uhr gefallen. Vor dem Essen hätten sich der Schwede Frederik Reinfeldt, Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und Gordon Brown über die Kandidaten unterhalten. Dabei nannte die deutsche Kanzlerin den Namen Junckers. Aber Nicolas Sarkozy hätte dessen Kandidatur kategorisch abgelehnt, ohne einen Grund zu nennen. Später teilte der Schwede Reinfeldt Jean-Claude Juncker die Entscheidung über das französische Veto mit und bat ihn, seine Kandidatur zugunsten des Belgiers Van Rompuy aufzugeben. Das hätte der Luxemburger dann auch getan.

“Luxemburger Quellen”

Auf dieses Veto angesprochen, hätte Sarkozy am Donnerstag alles abgestritten und sich stattdessen über die “Luxemburger Quellen” lustig gemacht. “Ist es Frau Merkel, die Jean-Claude Juncker am heutigen Nachmittag vorgeschlagen hat? Das ist eine Fehlinformation. Ich weiß nicht, aus welcher Quelle die Information stammt, aber ich bitte darum, diese sofort zu schließen. Stammt dies vielleicht aus einer Luxemburger Quelle?”, wird Sarkozy auf dem Blog von liberation.fr zitiert.

Und auch über die Ursachen der Haltung von Sarkozy wird dort spekuliert. Der französische Staatschef hätte einige Zwischenfälle aus der Vergangenheit “nicht richtig verdaut”. So zum Beispiel die Weigerung Junckers, im Oktober 2008 einen EU-Gipfel zur Wirtschaftskrise einzuberufen oder das Hickhack um das Luxemburger Bankgeheimnis. Der Journalist der Zeitung bedauert, dass Europa damit einen “großen Europäer, dessen Verdienste im Einigungsprozess der EU unbestritten sind” an seiner Spitze verliert. Der neue EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy müsse dies erst noch beweisen.