Wählen Sie Ihre Nachrichten​

François Bausch: "Beziehungen zu Henan zahlen sich aus"
Lokales 4 Min. 22.03.2020

François Bausch: "Beziehungen zu Henan zahlen sich aus"

Cargolux fliegt sowohl medizinisches Material aus China als auch Logistikmaterial nach Luxemburg..

François Bausch: "Beziehungen zu Henan zahlen sich aus"

Cargolux fliegt sowohl medizinisches Material aus China als auch Logistikmaterial nach Luxemburg..
Foto: Gerry Huberty
Lokales 4 Min. 22.03.2020

François Bausch: "Beziehungen zu Henan zahlen sich aus"

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Mit einer regelrechten Luftbrücke fliegt Cargolux zurzeit medizinisches Material aus verschiedenen Staaten ein. Minister Bausch erklärt, wie es dazu kam.

François Bausch, beim Centre Hospitalier entsteht zurzeit eine Zeltstadt, um die dortige Bettenkapazität zu steigern. Wie kam diese Anfrage von NATO-Material zustande?

Da die NATO Logistik-Agentur NSPA (NATO Support and Logistic Agency) sich ja in Capellen befindet, fragten wir nach, ob sie uns Material zur Verfügung stellen könnten. Wir haben ja wie andere Staaten auch eine Armee, aber wir haben natürlich nicht die gleichen Materialmöglichkeiten wie diese Länder. Dazu gehören eben Spezialzelte zum Aufbauen von Lazaretts, wie man sie uns jetzt zur Verfügung stellt. Die luxemburgische Armee besitzt natürlich Zelte, es handelt sich dabei aber um einfache Feldzelte, die sich nicht für das Unterbringen von Patienten eignen. Die Zelte, die wir jetzt bekamen, sind beheizt und mit speziellen Sanitäranalgen versehen.

Mobilitätsminister François Bausch über die ungewöhnlichen Einsätze der Cargolux in Krisenzeiten.
Mobilitätsminister François Bausch über die ungewöhnlichen Einsätze der Cargolux in Krisenzeiten.
Guy Wolff

Es handelt sich hier also nicht um medizinisches Material?


Liveticker: Päischtcroisière abgesagt
Nun ist es offiziell: Im Jahr 2020 wird keine Päischtcroisière stattfinden. Alle aktuellen Infos zur Krise im Ticker.

Absolut nicht. Diese NATO-Lieferung umfasst keine Beatmungsgeräte oder sonstiges medizinisches Material. Wir würden ja zu diesem Zeitpunkt wohl nicht auf die Idee kommen, Beatmungsgeräte aus Italien einzuführen. Es geht einfach darum, einen ordentlichen, sauberen und geschlossenen Raum aufzubauen um unsere Bettenkapazität zu erhöhen. Später sollen hier beim CHL bis zu hundert infizierte Patienten untergebracht werden. Allerdings nur die leichten Fälle, eine intensiv-medizinische Versorgung wird es dort nicht geben. Dadurch werden aber im Krankenhaus 100 Betten frei. Normalerweise können  die Zelte bis zu 300 Verletzte aufnehmen. Da wir wegen der Infektion aber gewisse Abstände berücksichtigen müssen, haben wir die Aufbauten für maximal 100 Patienten eingerichtet. 

Aber das Material wurde aus Italien angeliefert?

Das ist einzig darauf zurückzuführen, dass die NATO-Agentur dort über ein Hauptmateriallager verfügt. Jeder NATO-Staat kann dort Material abrufen lassen, auch Italien, aber die anderen Staaten verfügen wohl ohnehin über diese Strukturen. 

Wie verlief die Planung dieser Aktion?

Wir sprachen mit der zuständigen NATO-Agentur, die sofort grünes Licht gab, anschließend suchten wir mit dem Direktor des Centre hospitalier CHL Dr. Romain Nati nach einem geeigneten Standort. Dann bereitete das Bauunternehmen Giorgetti den Untergrund vor. Am Aufbau beteiligt sind das Militär, Experten der NSPA und Arbeiter des genannten Bauunternehmens, die jetzt ohnehin freigestellt  sind. Denkbar ist auch eine weitere solche Struktur an einem anderen Standort, wir haben da noch etwas Reserven. Beim CHL entsteht damit eine Art modulare Zeltstadt, die untereinander verbunden ist.

Und die ganze Transportaktion wurde über die Cargolux abgewickelt?


Wie funktioniert der Krisenstab des Gesundheitsministeriums?
Eine Cellule logistique koordiniert die Zusammenarbeit aller Akteure im Kampf gegen das Corona-Virus. Sehen Sie, wie das Gremium arbeitet.

Die größte Herausforderung war das Organisieren der Flüge. Insgesamt wird die Gesellschaft bis diesen Sonntag 22. März sechs Shuttleflüge nach Süditalien durchführen. Das Lager befindet sich 100 Kilometer von Bari entfernt. Zuerst mussten wir ein geeignetes Transportunternehmen ausfindig machen, welches das Material vom Lager zum Flughafen bringt. Am Flughafen Bari landen zudem im Normalfall keine Boeing 747, zudem besteht dort praktische keine Infrastruktur für das Beladen dieser Flugzeuge. Dank der Logistikerfahrung der Cargolux und der Kontakte in aller Welt konnte dieses Problem aber dann mit eigenem Personal gelöst werden. Es ist fantastisch, was die Cargolux hier geleistet hat. Der Vertreter der NATO-Agentur meinte, dass man im Normalfall fünf Tage für diese Aktion benötigt, hier schaffte man es in 24 Stunden.

Wie sieht es mit den erwarteten Lieferungen aus China aus?

Wir haben zum Glück sehr gute und auch persönliche Beziehungen zur Provinz Henan, die wir ja auch in den letzten Jahren intensiv gepflegt haben. Die Chinesen sind an uns herangetreten, weil wir Ihnen zu Beginn der Krise eine ganze Flugzeugladung Material geliefert haben. Das wurde nicht vergessen. Sie schicken uns insgesamt 500.000 Masken, rund 100.000 Schutzanzüge, 6000 Brillen und Thermometer. Das Ganze ist ein Geschenk der Provinz Henan an Luxemburg.

Es wurden aber auch Beatmungsgeräte und anderes Material bestellt?


Armee baut Versorgungszentren auf
Soldaten der Luxemburger Armee sind derzeit mit dem Aufbau der Centres de soins avancés beauftragt.

Ja, aber da handelt es sich um Material, das wir auf dem Weltmarkt und vor allem in China bestellt haben. Aber da werde ich erst zufrieden sein, wenn es eingetroffen ist. Es ist eine Riesenbestellung und die Cargolux soll das Material im Laufe der kommenden Woche aus Schanghai, Peking und aus der Provinz Henan nach Luxemburg fliegen. Dazu muss man bedenken, dass die Flughäfen in China noch längst nicht alle wieder im Nomalbetrieb sind. So musste ein Teil der Waren per Laster von Peking nach Zhengzhou verbracht werden. Aber allgemein gilt der Grundsatz: Wir nehmen alles, was wir aus China oder anderen Staaten nach Europa fliegen können.   

Das heißt das Unternehmen ist zurzeit stark gefragt? 

Sehr stark. Das liegt auch daran, dass die Passagierflieger alle am Boden sind. Die Fracht, die sie normalerweise übernehmen, die sogenannte Belly-Cargo, fällt jetzt auf die Cargolux. Zudem sind sowohl Cargolux als auch das Cargocenter auf das Handling von pharmazeutischen Produkten spezialisiert. Das spielt uns alles im Augenblick in die Hände. Das einzige Problem ist das Personal, wo es zeitweise zu Engpässen kommt. Wir haben deshalb bereits Personal von CFL-Cargo abgezogen.                 

  


                        

   

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema