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Fotoapparat mit teilweise intaktem Film gefunden
Lokales 4 Min. 02.08.2014 Aus unserem online-Archiv
Aus dem Zweiten Weltkrieg

Fotoapparat mit teilweise intaktem Film gefunden

Aus dem Zweiten Weltkrieg

Fotoapparat mit teilweise intaktem Film gefunden

Foto: National Archives Washington D.C.)
Lokales 4 Min. 02.08.2014 Aus unserem online-Archiv
Aus dem Zweiten Weltkrieg

Fotoapparat mit teilweise intaktem Film gefunden

70 Jahre alter Fotoapparat mit Fotos eines amerikanischen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg in Niederfeulen gefunden: Diese Nachricht hat in den vergangenen Wochen für große Aufregung gesorgt. Bei genauerer Betrachtung fällt die Geschichte jedoch wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

(sb) - Der Apparat soll einem amerikanischen Soldaten namens Louis J. Archambeau gehört haben. Der Mann wurde 1944 während der Ardennenoffensive als vermisst gemeldet und einige Zeit später schließlich tot aufgefunden. Seine Leiche liegt in Hamm begraben. Die Story ist demnach durchaus mit wahren Begebenheiten gespickt.

Nichtsdestoweniger kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass es sich bei der Story um nichts weiter als einen gemeinen Hoax, also eine Falschmeldung, handelt. Während viele Medien einfach auf den Zug aufgesprungen sind, haben sich in Expertenforen zu den Themen „Zweiter Weltkrieg“ und „Fotografie“ recht schnell Zweifel breitgemacht. Mittlerweile ist bekannt, dass die Bilder, die angeblich auf dem noch teilweise intakten Film der Kamera, die in einem Waldstück in Niederfeulen gefunden worden sein soll, aus den „National Archives“ in Washington D.C. stammen. Nachdem herausgekommen ist, dass die Fotos nicht echt sind bzw. nicht aus dieser bestimmten Kamera stammen, kommen immer mehr Zweifel am Wahrheitsgehalt der restlichen Geschichte auf.

Jean Muller, der zusammen mit Captain Mark Anderson der US Navy den Fotoapparat mittels eines Metalldetektors gefunden haben will, ist zumindest kein Unbekannter in Fachkreisen. „Wir distanzieren uns ganz klar von diesem Mann und seinen Geschichten“, streicht Roland Gaul, Begründer und Kurator des Militärgeschichtlichen Museums in Diekirch, eindringlich hervor. „Dieser Zwischenfall ist kein Einzelfall. Wir mussten schon in der Vergangenheit feststellen, dass es Herrn Muller an der nötigen Seriosität fehlt.“ Es sei nicht zum ersten Mal, dass Muller mit amerikanischen Veteranen oder im Umland stationierten Soldaten mit dem Metalldetektor auf Erkundungstour gehe und erstaunlicherweise immer fündig werden würde, sodass sich die Frage stelle, ob er die Sachen nicht im Vorfeld selbst vergraben würde. Des Weiteren gebe er sich sogar als „Professional Battlefield Archeologist“ und „Luxembourg Government Historian“ aus, ohne jedoch einen akademischen Titel zu haben.

Aber Roland Gaul ist nicht der einzige, der begründete Zweifel äußert. „Auf den Bildern des Fotoapparates sieht man gut, dass die Korrosionsspuren sehr oberflächlich sind. Stellenweise glänzt das Gerät sogar noch“, bemerkt André Schoellen, Archäologe im „Centre National de Recherche Archéologique“ (CNRA) in Bartringen, dem Jean Muller ebenfalls nicht unbekannt ist. „Das sieht viel eher danach aus, als sei die Kamera in einem feuchten Keller gefunden worden oder dergleichen. Von den Bildern her scheint es sich hier lediglich um Flugrost zu handeln. Ich glaube nicht, dass dieser Fotoapparat im Boden gefunden wurde“, begründet er seine Zweifel am Wahrheitsgehalt der Geschichte.

„Der Säuregehalt ist nicht in jeder Erdschicht gleich, aber von einem Modell wie diesem ist nach 70 Jahren in der Erde nichts mehr übrig“, so Gaul. Das damalige Material hätte der Witterung gar nicht so lange Stand gehalten, ganz zu schweigen von der Säure im Boden, wenn man bedenke, dass sogar Helme nach einer solchen Zeitspanne zum Teil Löcher durch die Korrosion haben.

„Das wundert mich gar nicht“

„Als wir den Apparat in einem ‚Foxhole’ gefunden haben, war er in eine ‚Gamelle’ eingepackt und lag bereits zu 60 Prozent an der Oberfläche“, erklärt Muller gegenüber dem „Luxemburger Wort“ den guten Zustand des Fotoapparats. Roland Gaul steht dieser Erklärung jedoch kritisch gegenüber: „Die amerikanischen ‚Gamellen’ aus der damaligen Zeit haben in der Mitte eine Delle. Demnach hätte diese Kamera da überhaupt nicht reingepasst. Man hätte die ‚Gamelle’ unmöglich schließen können.“

„Als ich die Fotos zum ersten Mal gesehen habe, kamen sie mir gleich so bekannt vor“, erinnert sich Gaul weiterhin. Tatsächlich befänden sich einige der Fotos, die angeblich auf dem entwickelten Film gewesen sein sollen, bereits seit 30 Jahren im Militärmuseum. Eine Information, die Jean Muller gar nicht zu überraschen scheint. „Ich habe nie Negative zu Gesicht bekommen. Es wundert mich gar nicht, dass das Ganze ein Fake zu sein scheint.“ Er sei sofort stutzig geworden, als plötzlich Fotos aufgetaucht sind, die angeblich auf einem unentwickelten Film in dem gefundenen Fotoapparat gewesen sein sollen. „Ich habe Terry Janes (Anmerkung der Redaktion: Janes ist Webmaster von www.troubleshooters.com, wo die Fotos publiziert worden sind) gleich gesagt, dass mir die Sache sehr verdächtig vorkommt. Aber wenn der sich erstmal was in den Kopf gesetzt hat ... Er hat die Fotos trotzdem auf seine Seite gesetzt“, so der Hobbyforscher.

Mullers Aussagen zufolge soll Anderson die Kamera mit nach Amerika genommen haben, sodass er nicht wisse, was anschließend aus ihr geworden sei. „Sowohl Terry als auch ich haben Anderson mehrmals gefragt, was denn nun mit der Kamera sei, aber da kam nie Feedback. Meiner Meinung nach hat er einfach alles verkauft. Der war nur auf Geld aus.“

Es ist unmöglich mit Sicherheit zu sagen, wer im Endeffekt wirklich der Initiator der ganzen Sache war. Fest steht allerdings, dass aus rein eigennützigen Gründen mit den Gefühlen von Archambeaus Familie gespielt wurde. Immerhin war seine Nichte überzeugt davon, authentische Fotos ihres verstorbenen Onkels erhalten zu haben. Zwar wurde kein Geld für die Bilder verlangt, aber der emotionale Schaden ist groß.