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„Fondation Jugend- an Drogenhëllef“: Mehr Heroinabhängige werden betreut
Lokales 04.05.2015 Aus unserem online-Archiv

„Fondation Jugend- an Drogenhëllef“: Mehr Heroinabhängige werden betreut

Nicht nur Drogen selbst schaden, sondern auch giftige Mittel, mit denen „gestreckt“ wird.

„Fondation Jugend- an Drogenhëllef“: Mehr Heroinabhängige werden betreut

Nicht nur Drogen selbst schaden, sondern auch giftige Mittel, mit denen „gestreckt“ wird.
Foto: Shutterstock
Lokales 04.05.2015 Aus unserem online-Archiv

„Fondation Jugend- an Drogenhëllef“: Mehr Heroinabhängige werden betreut

Alleine im Kontaktladen der Hauptstadt der „Fondation Jugend- an Drogenhëllef“ kommen jeden Tag bis zu 70 Leute vorbei. Doch die finanziellen Mittel sind weniger geworden.

(jsf) - Es gibt in der Gesellschaft ein gewisses Bild von einem Drogenabhängigen. Zumeist ist es ein junger Mann, der auf der Straße lebt und verwahrlost aussieht. Doch bei der „Fondation Jugend- an Drogenhëllef“ wird schnell deutlich, dass das Bild auch ein ganz anderes sein kann. Dass dieses Bild eben nur der „Stempel einer „ausgrenzenden Gesellschaft“ ist, wie es der Präsident der „Fondation“, Jean-Nico Pierre, nennt.

Gestern hat er mit Kollegen den Jahresbericht 2014 vorgestellt und Einblicke in ihre Arbeit gegeben. Schnell wurde deutlich: Das Bild des Drogenabhängigen kann sehr vielschichtig sein. Es kann auch jemand sein, der seit Jahren keine Drogen mehr genommen hat, Frau und Kinder hat, aber durch ein einschneidendes Ereignis wieder rückfällig wird.

Es gibt immer mehr 
ältere Drogenabhängige

Ein anderer Punkt ist, dass zumindest 40 Prozent der Drogenabhängigen, so schätzt Pierre, 40 Jahre oder älter ist. In den 80er Jahren habe es noch viele Drogentote gegeben, viele, die an einer Überdosis gestorben sind. Das hat sich geändert. „Das spricht für unsere Arbeit“, sagt der Psychater Dr. Jean-Marc Cloos. Es hat aber auch Folgen. Die Menschen werden zwar älter, doch ihre körperliche Verfassung entspricht nicht ihrem Alter. „Ein 40- bis 50-Jähriger, der lange harte Drogen genommen hat, besitzt die körperliche Verfassung eines 70- bis 80-Jährigen“, so Cloos.

Bis zu 70 Leute kommen jeden Tag bei dem Kontaktladen in der Rue du Fort Wedell in der Hauptstadt vorbei. 113 Klienten, welche mit dem Heroin-Ersatz Methadon versorgt werden, wurden 2014 betreut. Zehn Prozent mehr als 2013, da nach Abhängigen gezielt gesucht wurde.

Seit vergangenem Jahr gibt es auch in Ettelbrück einen Kontaktladen. In Esch/Alzette soll in zwei Jahren zudem eine Fixerstube entstehen. Geholfen wird „ganzheitlich“, also auch bei der Arbeits- oder Wohnungssuche. 64 Erwachsene und 20 Kinder wohnen aktuell in 48 betreuten Wohnungen der „Fondation“. Zur Hälfte werden diese von der Stadt Luxemburg finanziert. 85 Prozent der Gesamtkosten der „Fondation“ trägt das Gesundheitsministerium. Doch auch Spenden von Privatpersonen sind wichtig. „Diese sind aber leider zurückgegangen“, sagt 
Pierre. In Erinnerung geblieben ist ihm eine Frau, die auf der Feier für ihren 50. Geburtstag Geld für die „Fondation“ gesammelt hat. Sie überreichte es mit den Worten: „Dank eurer Arbeit, haben vermutlich meine Kinder keine Drogen genommen.“


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